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München - Hansi Flick kündigt in seiner ersten Pressekonferenz als Interimstrainer Änderungen an. SPORT1 zeigt, wie Flick die Bayern wieder in Schwung bringen will.

Nur für einen kurzen Moment wirkte Hansi Flick planlos.

Während seiner ersten Pressekonferenz als Interimstrainer des FC Bayern meldete sich plötzlich Sprachassistent Siri zu Wort.

Flick blickte kurz verwundert auf. Doch als er seine Uhr als Quelle der Störung ermittelte, löste er diese belustigt und fuhr fort.

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Es war ein souveräner Auftritt von Bayerns neuem Chef, der nach der Trennung von Niko Kovac mindestens für die Partien gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch (Champions League: FC Bayern - Olympiakos Piräus, am Mittwoch ab 18:55 Uhr im LIVETICKER) und Borussia Dortmund am Samstag (Bundesliga: FC Bayern - Borussia Dortmund, am Samstag ab 18:30 Uhr im LIVETICKER) an der Seitenlinie stehen wird. 

Der 54-Jährige appellierte nicht nur an die Einstellung seiner Spieler, sondern kündigte auch taktische Änderungen an. SPORT1 zeigt, wo Flick ansetzen will.

Taktik

Zwar habe "jeder Trainer eigene Dinge, die er macht" und er trage "am Ende des Tages die Verantwortung", doch Flick betonte mehrmals, dass er seine neue Aufgabe als Teamplayer angehen werde.

Gemeinsam mit dem Trainerteam, zu dem Hermann Gerland gehört, will Flick die Spielweise der Münchner anpassen. "Das ein oder andere werden wir ändern, auch taktisch andere Schwerpunkte setzen", kündigte Flick an.

Zum einen betrifft das die Defensive, die Stabilität soll zurückkehren. "Das wird jetzt auch die primäre Aufgabe sein, das besser hinzubekommen, damit wir nicht immer drei Tore schießen müssen, um zu gewinnen", erklärte Joshua Kimmich.

Flick wurde deutlich: "Die Tore, die wir in der Vergangenheit bekommen haben, sind nicht Bayern like." Auch das Vertrauen in die eigene Leistung habe gefehlt.

Zu den Punkten, die der "Top-Typ" (O-Ton Kimmich) mit seinem Team angehen will, gehört auch das Gegenpressing. Sein Team solle, wie bereits in der Vergangenheit gezeigt, "nach vorne verteidigen und den Ball so schnell wie möglich erobern."

Flick forderte dafür die entsprechende Intensität ein. Auch offensiv sollen die Spieler "aktiv sein und die Initiative ergreifen". Eine Spielweise, die die Bosse sehen wollen.

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Am Dienstag gehörte die Taktik zu den Trainingsinhalten – "kurz und knackig", wie Flick verriet: "Wir haben heute gespielt, wie wir es sehen wollen. Wir hatten ein tolles Training."

Einstellung

Flick schwärmte: "Ich bin immer fasziniert, was für eine Qualität in dem Kader ist." Das Problem: "Wir müssen das wirklich auch mal auf dem Platz zeigen."

Jeder Spieler müsse seine Qualitäten abrufen - "nicht nur Manuel Neuer oder Lewy." "Jeder Einzelne hat ein enorm hohes Leistungspotenzial", betonte Flick.

"Es geht auch um die Einstellung", appellierte der frühere DFB-Assistent, der acht Jahre lang an der Seite von Joachim Löw agierte: "Man kann alles ändern."

Vertrauen und Einzelgespräche sollen bei der Rückkehr zur gewohnten Bayern-Dominanz helfen.

"Ich habe mir vorgenommen, mit jedem zu sprechen", kündigte Flick an. Einen Großteil der Akteure nahm er bereits am Dienstag, als er versuchte, gute Laune zu verbreiten, zur Seite.

Dabei erklärte er seinen Profis, was er von ihnen erwarte, aber auch, wie er die Leistungen zuletzt gesehen hatte.

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"Da ist Klarheit wichtig. Damit jeder zeigt, was in ihm steckt, aber auch weiß, welche Verantwortung er hat", sagte der gebürtige Heidelberger.

Helfen soll dabei sein guter Draht zu den Spielern – und Gerland. "Er kennt die Mannschaft und sie schätzt ihn", meinte Flick.

Personal

Flick wird nicht nur taktisch, sondern auch personell ein paar Maßnahmen ergreifen.

Thomas Müller wird eine zentrale Rolle in der für Flick möglicherweise wegweisenden Woche einnehmen. Zentral nicht nur wegen seiner Bedeutung fürs Team , sondern auch positionsbezogen - also im zentralen Mittelfeld. 

Entsprechende SPORT1-Informationen bestätigte der neue Chef, als er dem Weltmeister von 2014 auf der PK eine Einsatzgarantie für das Spiel gegen Piräus gab.

Im ersten Training unter Flick hatte sich Müller im Kreisspiel gut gelaunt gezeigt, er bekam von seinem neuen Chef zudem einen aufmunternden Klaps.

Beide schätzen sich und feierten zusammen den WM-Titel in Brasilien, suchten auch in den Vorwochen immer wieder das Gespräch.

"Er ist eine wichtige Identifikationsfigur", sagte Flick über Müller, aber zudem "auf dem Platz sehr intelligent. Er kann die Mannschaft mitreißen und sie führen. Deswegen ist er auch für die Mannschaft sehr wichtig."

Auch wegen der Verletzungen von Niklas Süle (Kreuzbandriss) und Lucas Hernández (Innenbandriss im Knöchel) setzt Flick auf ein weiteres Sorgenkind. 

Da er eine Mannschaft haben wolle, die auch für das Spiel am Samstag schon eingespielt ist, und dort auch Jérôme Boateng wegen einer Rotsperre fehlt, "wird auch Javi Martínez spielen", betonte Flick.

Um den Spanier, der in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen wird, hatte sich Flick intensiv gekümmert, als dieser gefrustet und den Tränen nahe vor der Heimpleite gegen Hoffenheim Anfang Oktober auf der Bank saß.

Neuer und Lewandowski sind ohnehin gesetzt, auch Joshua Kimmich wird spielen - womöglich vor der Viererkette. 

Was wird aus Flick?

Flick will seinen "eigenen Weg gehen", sich dabei aber auf die Gegenwart konzentrieren.

Jegliche Fragen, die auf ein Engagement über das Dortmund-Spiel hinaus zielten, blockte er ab: "Alles, was danach kommt, interessiert mich null."

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Flick geht voran, doch fast noch mehr sind seine Schützlinge gefordert.

"Die Hauptverantwortung tragen jetzt wir Spieler. Wir müssen uns am Riemen reißen", sagte Kimmich: "Es gibt für keinen mehr ein Alibi. Die Trainer-Ausrede gibt es nicht mehr."

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