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Vor der Champions-League-Partie gegen Tottenham Hotspur spricht RB-Coach Julian Nagelsmann über seine Anfangszeit in Leipzig und seine Parallelen zu José Mourinho.

Für Julian Nagelsmann wird seine 13. Partie in der UEFA Champions League als Cheftrainer auf jeden Fall eine ganz besondere werden.

Als bislang jüngster Coach, der in der Geschichte des Wettbewerbs die K.o.-Phase erreicht hat, trifft der 32-Jährige mit RB Leipzig auf Vorjahresfinalist Tottenham Hotspur mit Trainerkollege José Mourinho. (Champions League, Achtelfinale: Tottenham Hotspur - RB Leipzig heute ab 21 Uhr im LIVETICKER)

"In seiner Zeit bei Porto hat mich Mourinho schon sehr geprägt", sagte Nagelsmann bei DAZN. "Wie er damals mit einem Team, das zwar in Portugal eine große Nummer ist, aber im europäischen Vergleich nicht der größte Klub ist, erst den UEFA-Cup und ein Jahr später gegen Monaco die Champions League gewonnen hat, war sehr beeindruckend. Damals war er auch noch ein sehr junger Trainer, der vorher selbst kein großer Spieler war und so ein bisschen einen ähnlichen Werdegang wie ich hatte."

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Mourinho sei "ein extremer Ergebnistrainer", dem es wenig um Glamour auf dem Platz gehe. "Er stellt das Ergebnis über alles und wenn du damit so viele Titel holst, ist das sicher kein verkehrter Weg." 

Tuchel eher Vorbild als Mourinho

Eher als an Mourinho habe er sich aber an Thomas Tuchel orientiert. Unter ihm hatte Nagelsmann kurz vor seinem Karriereende als aktiver Spieler von 2007 bis 2008 beim FC Augsburg trainiert. Bei Tuchel könne er genauer bewerten, wie er als Trainer ticke und denke. "Das hat schon große Parallelen, wie Pep Guardiola über Fußball denkt. Eine Dominanz in allen Phasen des Spiels."

Sich selbst würde Nagelsmann noch nicht als Star-Trainer bezeichnen. "Ich würde mich, was das angeht, nicht als blind beschreiben", sagt er. "Aber zu einem Top-Trainer gehören dann auch vor allem Titel. Und die habe ich noch nicht vorzuweisen. Außer den U19-Meistertitel mit Hoffenheim."

Dennoch wurde ihm nach seinem Wechsel zu RB das Recht zugestanden, einiges zu verändern. Seinen Start als Leipziger Trainer im Sommer 2019 beschreibt der gebürtige Landsberger als "keine einfache" Situation, da sein Vorgänger Ralf Rangnick, die Mannschaft sowie der Klub zuvor bereits eine sehr erfolgreiche Bundesligazeit erlebt hatten.

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Mit seiner "klaren Art und Weise" anzukommen sowie ein paar Dinge anders und neu zu gestalten, hätten die Spieler relativ schnell angenommen. Im Gegensatz zum Trainerteam. Hier habe der 32-Jährige einen "etwas längeren Kampf" ausfechten müssen.

In Hoffenheim "aus der Hand gefressen"

"In Hoffenheim war es komplett anders. Ich hatte einen Klub übernommen, der sehr unerfolgreich war. Da hat das Trainerteam total aus meiner Hand gefressen, auch weil ich sie schon Jahre kannte", erklärt Nagelsmann, der in Leipzig viele Mitarbeiter antraf, die er zuvor noch nie gesehen hatte und sich dadurch auch entsprechend weiterentwickelt habe.

Angesprochen auf die bisherige Entwicklung seiner Leipziger Mannschaft sieht Nagelsmann noch Luft nach oben.

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"Da fehlen uns noch ein paar Prozentpunkte, aber das ist nach acht Monaten Zusammenarbeit auch normal", urteilt der Trainer. "Spielaufbau und -eröffnung waren davor in Leipzig nahezu kein Thema, das wurde sehr wenig trainiert. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Fakt, weil es eine andere Idee gab."

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In Zukunft sei vor allem wichtig, dass der Klub weiter gesund wachse. "Am Beispiel von Dani Olmo sieht man zwar, dass wir einige Transfers tätigen können, die andere Vereine nicht machen können", führt Nagelsmann aus.

"Aber von Bayern und Dortmund sind wir finanziell gesehen dennoch meilenweit entfernt. Und wir dürfen vor allem nicht den Fehler machen, den andere Vereine in der Vergangenheit häufiger gemacht haben. Nämlich ein Jahr lang über seine Verhältnisse zu leben und dann im nächsten Jahr abzustürzen - dann bricht alles in sich zusammen."

Geld schieße keine Tore, aber es erleichtere die Sache schon ein bisschen. 

RB-Argumente reichten bei Haaland nicht

"Ich glaube nicht, dass Haaland in Dortmund sportlich die so viel größere Perspektive gesehen hat", schließt Nagelsmann seinen Gedanken ab. "Auch wenn er beim BVB auf seiner Position vielleicht weniger Konkurrenz hat, als er das bei uns gehabt hätte."

Die Frage werde sein, wann Leipzig finanziell auch dort mithalten könne. Den nächsten Schritt in die richtige Richtung können die Sachsen am heutigen Abend tun.

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