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Lissabon - Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Stars des FC Bayern nicht zum Ausdruck bringen, welche Harmonie in der Mannschaft herrscht. Sie könnte der Schlüssel für das Triple sein.

Gute Freunde kann bekanntlich niemand trennen.

Franz Beckenbauer besang jene Zeilen im Jahr 1966 und fügte im Refrain hinzu: "Gute Freunde sind nie allein. Weil sie eines im Leben können, füreinander da zu sein."

Füreinander da sind auch die Bayern im Jahr 2020. Das Klima innerhalb des Teams scheint so gut zu sein, wie lange nicht mehr. Auf dem Platz arbeitet man, den Kaiser wird es freuen, füreinander statt gegeneinander.  

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Der gute Geist als Triple-Geheimnis? 

"Insgesamt haben wir eine sehr gute Stimmung in der Kabine", bestätigt Jérôme Boateng den Eindruck: "Schon klar, dass wir nicht alle beste Freunde sein müssen, aber wir gehen alle gut miteinander um und respektieren uns. Die Abläufe sind sehr familiär. Das merkt man dann auch auf dem Platz, da jeder für den anderen da ist."

"Es greift alles ineinander, die Frische, die Spielfreude und wie man miteinander umgeht. Das spricht eine sehr gute Sprache", sagt auch Franz Beckenbauer im Gespräch mit SPORT1. Der Kaiser muss es wissen, denn als Bayern-Legende ist er noch immer bestens im Verein vernetzt und bei Heimspielen oft vor Ort ist.  

Der gute Geist beim FC Bayern - ist er das Triple-Geheimnis? 

"Es ist ganz wichtig, dass man als Team zusammenarbeitet", sagt Manuel Neuer nach dem Finaleinzug. Der Kapitän weiter: "Wenn die Stimmung in einer Mannschaft gut ist, dann macht es Spaß, zu arbeiten. Dann kann man was zusammen erreichen. Wir freuen uns jeden Tag auf das Training und auf die Spiele. Wir verstehen uns gut. Wir haben keine Stinkstiefel in der Mannschaft. Wir haben Spaß."

Kumpel in der Bayern-Mannschaft 

Zwar gibt es allein schon bedingt durch die Vielzahl an Franzosen und Spaniern im Kader eine gewisse Grüppchenbildung. Niemand scheint allerdings isoliert zu sein.

Auch über Ländergrenzen hinweg gibt es Freundschaften: Niklas Süle und Philippe Coutinho sind oft dabei zu beobachten, wie sie abseits des Rasens miteinander Zeit verbringen. Serge Gnabry, Leon Goretzka und Joshua Kimmich sind miteinander befreundet. 

Vergangenes Jahr lud Boateng bei sich zur Grillparty ein. Mit am Tisch seine Konkurrenten Javi Martínez, Lucas Hernández und Süle.  

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Spielerflüsterer Hansi Flick

Hansi Flick darf sich das produktive Vereinsklima mit auf die Fahnen schreiben. Flick erinnert die Spieler oft an Jupp Heynckes, denn er steht neben Professionalität und Siegeswillen auch für Empathie. Flick hört den Spielern zu, aber hört auch in sie hinein.

Er spricht mit ihnen nicht nur über Fußball, sondern auch über Privates. Er kümmert sich nicht nur um die gesetzten Spieler. Er verteilt auch Lob und Aufmerksamkeit an die Spieler der zweiten und dritten Reihe. "Er behandelt uns alle gut, da kann sich keiner beschweren", so Boateng.  

Die Konsequenz ist, dass die Reservisten voll mitziehen und öffentlich keinen Groll hegen. Aber auch, dass sie meistens sofort funktionieren, wenn sie eingewechselt werden. Zuletzt trafen die eingewechselten Philippe Coutinho und Corentin Tolisso. Hernández und Álvaro Odriozola lieferten Assists. "Das zeigt, wie die Atmosphäre in der Mannschaft ist", sagt Flick. 

FC Bayern giert nach dem Titel 

Beim FC Bayern wird seit Monaten alles dem Erfolg untergeordnet.

Vorbei sind vorerst die Zeiten, in denen sich frustrierte Ersatzspieler wie Rafinha oder Renato Sanches lautstark beschwerten oder Details aus der Kabine nach außen drangen, welche die Autorität des Trainers gefährdeten. Allerdings ist das auch der Tatsache geschuldet, dass man seit Monaten Erfolg hat. (Champions League: Paris Saint-Germain - FC Bayern am So. ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Das Besondere an der Flick-Elf, die mit dem Königsklassen-Triumph das Triple klarmachen will: Sie zieht ihre Motivation nicht aus Negativerlebnissen wie die Bayern-Elf, die den Champions-League-Titel 2001 und 2013 gewann, weil sie 1999 2:1 gegen Manchester United und 2012 das "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea (3:4 n.E.) verlor. 

Die 2020er-Bayern lechzen schlichtweg nach einem Titel, der für die allermeisten von ihnen bisher noch nicht greifbar war.  

Kahn schwärmt von "großer Mannschaft" 

Für dieses Ziel hat etwa Robert Lewandowski eine Transformation vollzogen. Weg vom Solo-Künstler, der abwinkt, wenn ihn ein Zuspiel nicht erreicht. Hin zum mannschaftsdienlichen Vollblutstürmer, den seine Mitspieler für seinen Fleiß mit aller Macht unterstützen und in Szene setzen.  

Oliver Kahn erklärt die neue Bayern-Generation auf SPORT1-Nachfrage so: "Es ist erstaunlich, mit welcher Professionalität und Zielorientierung diese Spieler auftreten. Die Jungs wollen die Champions League unter diesen andersartigen Voraussetzungen gewinnen. Dafür tun sie alles, aber dafür ist auch ein Gerüst notwendig. Das haben wir."

Vorstands-Mitglied Kahn sagt auch, dass die Mannschaft von der Motivation angetrieben sei, immer besser werden zu wollen. "Das zeichnet große Mannschaften aus. Dieses Team will immer noch einen draufsetzen. Sie hat den inneren Antrieb, erfolgreich sein zu wollen", so der mehrfache Welttorwart. 

Kahn zählt Neuer auf, aber auch Thomas Müller. Aber auch/und Kimmich und David Alaba. "Das ist eine sehr gute Mischung", so Kahn und sie alle werden "von einem Trainer moderiert, der die richtigen Worte zur Mannschaft findet". 

Und der mit seinem Kader am Sonntag das Champions-League-Finale in Lissabon gewinnen will. Dass seine Spieler unbändigen Willen an den Tag legen werden, beseelt von einem guten Binnenklima, dessen kann sich Flick sicher sein.

Denn Spieler wie Kimmich, Goretzka und Lewandowski würden, so Kahn wörtlich, "für den Henkelpott zu Fuß von hier nach München laufen". 

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