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Joachim Löw (r.) formte für den Confed Cup eine schlagkräftige Truppe
Joachim Löw (r.) formte für den Confed Cup eine schlagkräftige Truppe © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images
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Sotschi - Die neu formierte DFB-Auswahl steht im Finale des FIFA Confederations Cup. SPORT1 nennt fünf Gründe für den überraschenden Erfolg.

Mit dem 4:1 gegen Mexiko hat sich die neu formierte deutsche Nationalmannschaft in Russland in die Fußballgeschichtsbücher eingetragen.

Erstmals steht eine DFB-Auswahl im Finale eines FIFA Confederations Cup. Das kommt nicht von ungefähr. SPORT1 nennt fünf Gründe für den Erfolg.

1. Spieler sind von Ehrgeiz getrieben

Wäre die von den Namen her beste deutsche Mannschaft nach Russland gereist, hätte sie wohl nicht diesen Erfolgshunger entwickelt. "Wir haben immer gesagt, dass dieses Turnier eine gute Gelegenheit ist, sich zu präsentieren", meint Leon Goretzka.

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Der Doppeltorschütze gegen Mexiko ist einer der Spieler, die diese Bühne genutzt haben. "Die Spieler sind ehrgeizig und hungrig", sagt Bundestrainer Joachim Löw. "Die Mannschaft hat unsere Vorgaben mit einer wahnsinnigen Konsequenz im Training umgesetzt."

Und dann in den Spielen auch auf den Platz gebracht. "Jeder übernimmt hier Verantwortung", lobt Kapitän Julian Draxler. "Ich bin zwar einer der erfahrensten Spieler im Kader, aber ich spiele nicht mit lauter Kindern zusammen."

Der interne Konkurrenzkampf treibt die deutschen Kicker dabei zu immer besseren Leistungen. "Jeder hat den Anspruch zu spielen, alle sind immer spielbereit", sagt Joshua Kimmich. "Und jeder hat die Qualität, von Anfang an zu spielen."

Nach dem Halbfinalerfolg war die Freude eher still als überschwänglich. Die Spieler vermitteln den Eindruck, dass ihre Mission noch nicht erfüllt ist. Um es mit Kimmich zu sagen: "Jetzt wollen wir dem Ganzen noch die Krone aufsetzen."

2. Löws Personalmaßnahmen passen

Der Bundestrainer kann – so hat es den Anschein – in Russland seine Spieler zusammenstellen, wie er will, und es funktioniert.  "Ich habe mich als Spieler immer gefragt: Wie macht er das?", erzählt Trainer-Praktikant Miroslav Klose. "Jetzt sehe ich, wie akribisch er arbeitet."

Er habe ja schon zuvor gewusst, dass "von nichts auch nichts kommt. Aber wie die Jungs charakterlich sind", schwärmt der WM-Rekordschütze, "dafür hat Jogi echt ein Auge."

Löw hat zudem den Spagat zwischen den angekündigten personellen Experimenten und der nötigen Stabilität der Mannschaft hinbekommen. Die Gegner in Russland hat er meist überrascht, die eigenen Spieler präzise vorbereitet. Die Stimmung im Quartier hat er hochgehalten, indem er bis auf Kevin Trapp allen Akteuren die versprochenen Einsatzzeiten verschaffte.

Und das für ihn lange schwierige Projekt Dreierkette hat er so konsequent vorangetrieben, dass diese Abwehrformation nun eine Zukunft hat beim DFB-Team.

3. Teamspirit hat Vorfahrt vor Konkurrenzkampf

Auch wenn der Confed Cup als interne Qualifikation für den WM-Kader durchgeht, gibt es kein Hauen und Stechen um die Plätze. "Die Spieler gehen miteinander auf den Platz und kämpfen füreinander", hat Löw beobachtet. "Wir sind hier in diesen Wochen zu einem unglaublich guten Team geworden."

Die Mannschaft habe sich zusammengerauft, meint Kapitän Draxler. "Dafür, dass wir uns so wenig kennen, machen wir es sehr gut", urteilt er. "Und wir haben Spaß dabei." Für letzteres hat Niklas Süle einen simplen Grund parat: "Wir haben keine Schlaftablette dabei."

© SPORT1

Bei allem Wissen um die persönliche Chance stellen die Spieler Einzelinteressen erst einmal hintenan. Beispielhaft zu sehen am Rennen um den Titel des Torschützenkönigs, in dem Timo Werner und Leon Goretzka mit je drei Treffern führen. "Wer von uns beiden in der Torjägerliste am Ende nun ganz oben stehen wird, dürfte uns beiden relativ egal sein", sagt Werner. "Wir wollen das Turnier gewinnen."

4. Geringe Erwartungshaltung nimmt den Druck

Nach der Kadernominierung hatte die Fußballöffentlichkeit das DFB-Team als Titelkandidaten quasi schon abgeschrieben. Passend dazu hatte Löw die Weiterentwicklung der Talente als primäres Ziel ausgegeben. Entsprechend konnte die Mannschaft frei von jeglicher Erwartungshaltung auftreten.

"Wir haben immer gesagt, dass es vielleicht ein Vorteil ist, dass uns die anderen Mannschaften unterschätzen", sagt Antonio Rüdiger. Dass es in Russland dermaßen rund läuft, haben wir uns gewünscht, aber damit konnte man vor dem Turnier nicht rechnen", gibt Löw zu.

"Wir haben etwas Großartiges geschafft“, findet Angreifer Werner. "Das hätte uns nicht jeder zugetraut."

5. Sotschi verleiht Flügel

Dass die Mannschaft vier ihrer bisherigen fünf Spiele an der Schwarzmeerküste absolvierte, kam ihr sehr zupass. "Wir haben uns in Sotschi sehr wohl gefühlt", erklärt Löw. "Dass wir hier bleiben durften, hat uns sicher auch geholfen."

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff sah sich sogar gezwungen, den eigentlich abgelegenen Olympiaort auf ein mögliches WM-Quartier für 2018 abzuklopfen. "Das Klima, die Wärme, der blaue Himmel und die gute Luft – das tat den Spielern in der freien Zeit gut, um sich zu erholen", meint er.

"Wir hatten eine schöne Terrasse, auf der wir immer gegessen haben. Da fühlt man sich einfach wohler als in geschlossenen Räumen."

In St. Petersburg wartet nun ein nasskaltes Wochenende auf das deutsche Team. "Das werden wir jetzt auch überstehen", glaubt Werner. "Wenn wir fürs Finale nach Madagaskar fahren würden oder ans andere Ende der Welt, dann würden wir uns auch freuen."

Kimmich fasst die Stimmungslage nüchterner zusammen: "Wir sind nicht hier, um Urlaub zu machen. Wir sind hier, um das Finale zu gewinnen. Was da für ein Wetter ist, ist mir völlig egal."

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