Große Erleichterung beim BVB nach Zittersieg in Fürth
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Fürth - In seinem ersten Pflichtspiel rettet Axel Witsel den BVB vor der Pokal-Blamage in Fürth. Marco Reus schwärmt - und auch die BVB-Oberen huldigen dem Belgier.

Als die Flutlichter nach einem denkwürdigen Pokalabend im Fürther Ronhof schon fast erloschen waren und die Tribünen längst leergefegt, stand Sebastian Kehl zufrieden im Inneren der Arena.

Ein wenig wirkte es so, als würde er sich und den anderen Dortmunder Verantwortlichen in Gedanken ein bisschen auf die Schulter klopfen für diesen Transfer, den sie da eingefädelt hatten.

Axel Witsel. 29 Jahre alt. 1,88 Meter groß. Belgischer WM-Star. Für rund 20 Millionen Euro aus China geholt. Genau so viele Millionen, wie er beim 2:1 nach Verlängerung gegen Fürth Minuten brauchte, um sich in die Herzen aller BVB-Fans zu katapultieren.

Erst in der 74. Minute hatte ihn Lucien Favre im ersten Pflichtspiel der Saison eingewechselt, 20 Minuten später hatte Witsel einen Teil seiner Ablöse schon wieder reingeholt.

Kehl lobt Witsel: "Struktur, Ruhe, Absicherung"

"Der Wechsel mit Axel war natürlich hilfreich für uns, weil er noch mal genau die Struktur und Ruhe reingebracht hat, um auch eine gewisse Absicherung zu haben, clever zu sein und nicht noch mal in einen Konter zu laufen", lobte der ehemalige Sechser Kehl den designierten Chef in der Dortmunder Schaltzentrale.

Axel Witsel: Das ist Dortmunds neuer Superstar

Dabei liefen Witsels erste Pflichtspielminuten für den BVB denkbar schlecht, nur drei Minuten nach seiner Einwechslung gelang Sebastian Ernst der überraschende Führungstreffer für den Zweitligisten.

Die schwarzgelbe Nummer 28 aber bewahrte die Ruhe - und zeigte auf Anhieb in einer Extremsituation, was sie sich in Dortmund von ihm versprechen.

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Er habe "einfach und ruhig" gespielt und könne "die Bälle im richtigen Moment halten. Das ist wichtig für die Mannschaft", beschrieb Favre Witsels Einfluss.

BVB-Star Reus schwärmt von Axel Witsel

"Als er reinkam, hat er Charakter ins Spiel gebracht. Nicht nur mit seiner Größe, sondern auch, wie er die Mitspieler sucht", erklärte BVB-Kapitän Marco Reus aus der Sicht des Mitspielers und betonte: "Das war schon sehr gut. So einen haben wir echt gebraucht."

Mit Bling-Bling-Rucksack: Hier kommt Witsel beim BVB an

Nicht, dass im Dortmunder Spiel vorher nichts zusammengelaufen war. Er wolle nicht sagen, "dass wir es vorher viel schlechter gemacht haben", meinte auch Kehl über die ersten 74 Minuten des Spiels, in denen die Gäste vor allem an ihrer mangelhaften Chancenverwertung scheiterten.

Thomas Delaney hatte im Mittelfeldzentrum einige gute Aktionen, wirkte nach der Pause jedoch zunehmend platt. Mahmoud Dahoud zeigte gute Ansätze, verzettelte sich aber auch immer wieder.

Frische und Klarheit: Genau diese beiden Eigenschaften brachte Witsel zurück ins Dortmunder Spiel.

Witsel trifft in der 95. Minute für den BVB

"Das war top! Er hat sofort das Spiel an sich gerissen und war Anspielstation", schwärmte BVB-Manager Michael Zorc - und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Dass er Tore macht, dafür haben wir ihn eigentlich nicht geholt. Aber das hat heute auch geholfen."

Nach einer maßgenauen Flanke von Reus hatten die Fürther den Belgier in der fünften Minute der Nachspielzeit am langen Pfosten schlichtweg aus den Augen verloren. Witsel blieb cool, drückte den Ball in die Maschen - und sorgte im nur wenige Meter entfernten Gästeblock für Ekstase.

Dass Reus nach exakt 120 Minuten noch einen drauflegte und dem haushohen Favoriten das Elfmeterschießen ersparte, war die schwarzgelbe Kirsche auf dem Sahnekuchen eines höchst unterhaltsamen Fußballabends.

Marco Reus (r.) machte nach 120 Minuten das Weiterkommen des BVB perfekt
Marco Reus (r.) machte nach 120 Minuten das Weiterkommen des BVB perfekt © Getty Images

"Es war in beiden Situationen ein bisschen Glück, aber das brauchen wir auch", gestand Reus: "Wir nehmen es mit - und jetzt beginnt die Saison so richtig."

Bundesliga-Start: BVB gegen RB Leipzig

Beinahe hätte sie mit einem ernüchternden Pokal-Aus bei einem Zweitligisten angefangen. So aber schwimmen die Dortmunder auf einer Adrenalinwelle Richtung Bundesliga-Auftakt gegen RB Leipzig am Sonntag (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER).

"Das war sehr wichtig für uns, weil wir einen Neustart ausgerufen haben - und da hilft es natürlich, wenn man den mit einem positiven Erlebnis beginnt", freute sich auch Kehl.

Mit seiner prägenden Last-Minute-Erfahrung als Spieler wollte er den aufregenden Pokalabend von Fürth aber bei weitem nicht gleichsetzen: "Malaga (Champions-League-Viertelfinale 2013, Anm. d. Red.) ist noch mal eine andere Nummer gewesen, weil es einfach ein ganz anderer Rahmen war, ein ganz anderer Wettbewerb."

Für diese Spiele, wenn die Flutlichter am hellsten strahlen und die Tribünen bis auf den letzten Platz gefüllt sind - auch und vor allem für diese Spiele haben sie in Dortmund jetzt einen wie Axel Witsel.

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