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München - Bei Familie Thömmes könnte wieder Pokalgeschichte geschrieben werden. Mit Salmrohr will Dominik seinem Vater nacheifern. SPORT1 zeigt, was es damit auf sich hat.

Da war doch was. Fußballfans und besonders neutrale Liebhaber des DFB-Pokals denken gerne zurück. Eintracht Trier, damals in der Oberliga Südwest ansässig, sorgte 1997/98 für Furore im Wettbewerb.

Mittelfeldstratege Rudi Thömmes war es damals, der mit seinen Toren für den Underdog UEFA-Pokal-Gewinner Schalke 04 und Champions-League-Sieger Borussia Dortmund hintereinander aus dem Pokal kegelte. Erst im Halbfinale war dann Schluss für die Trierer. 

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Am Sonntag (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) könnte bei Familie Thömmes wieder ein Stück Pokalgeschichte geschrieben werden. Dominik, der Sohn, möchte dann mit dem FSV Salmrohr ein ähnliches Husarenstück in der ersten Pokalrunde vollbringen wie einst sein Vater. Der Klub aus der sechstklassigen Rheinland-Liga setzt alles daran, Zweitligist Holstein Kiel im Salmtalstadion zu Fall zu bringen.

Toppmöller beginnt als Trainer in Salmrohr

Dabei war Salmrohr schon einmal in aller Munde: 1986/87 war der Eifel-Ort mit weniger als 1000 Einwohnern der kleinste Zweitligastandort aller Zeiten. 

Damals der Spielertrainer: Klaus Toppmöller, Jahre später unter anderem Bundesligacoach bei Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und beim Hamburger SV. Der inzwischen 67-Jährige begann in Salmrohr seine Trainerkarriere. 

"Das war eine schöne Zeit. Ich war nicht nur Spielertrainer im Verein, sondern auch Manager und habe alles, was den Kader betraf, alleine zusammengestellt. Deshalb habe ich auch den Trainerschein machen dürfen. Das hat dann alles geklappt“, erinnert sich Toppmöller bei SPORT1.

"Ich habe damals von Kaiserslauterns Amateuren und aus Trier gute Spieler geholt, auch den Edgar Schmitt (wurde als Euro-Eddy im Europapokal mit dem Karlsruher SC bekannt, Anm. der Red.) vom FC Bitburg."

Kleff mit 40 noch immer im Tor 

Der größte Coup von "Toppi", wie er heute noch genannt wird: Er lotste für die Saison 1986/1987 Torwart-Legende Wolfgang Kleff im hohen Alter von 40 Jahren nach Salmrohr. 

"Wir haben zusammen beim Uwe-Seeler-Traditions-Turnier in der Oldie-Mannschaft gespielt. Und wir haben einen Torwart gesucht. Wolfgang hat trotz seiner 40 Jahre direkt zugesagt", sagt Toppmöller.

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Auch Kleff denkt mit Freude an das Abenteuer in der 2. Liga zurück. "Es war wunderbar in Salmrohr, das war ein kleines Örtchen mit rund 900 Einwohnern", sagt der heute 71-Jährige im Gespräch mit SPORT1. Lächelnd ergänzt er: "Vielleicht auch ein paar mehr, weil ich da war. Es war jedenfalls toll, dass so ein kleines gallisches Dorf soweit kam - bis in die 2. Liga."

Das habe ihn damals "sehr gereizt". Salmrohr stieg zwar ab, "aber für die Region war es eine tolle Sache", betont Kleff. "Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, und dafür bin ich heute noch dankbar."

Toppmöller: Kleff ein "super Torwart und cooler Typ"

Toppmöller schwärmt noch heute vom 1974er Weltmeister. "Er hat seine Sache in Salmrohr super gemacht. Wolfgang war immer ein super Torwart, ein cooler und bodenständiger Typ und einer, den man einfach gerne haben musste."

Kleff gibt das Lob mit einem Schmunzeln zurück: "Als Toppi mich nochmal holte, dachte ich mir 'Er hat halt Ahnung vom Fußball'. Ich war super drauf, hatte vorher noch Bundesliga gespielt und wollte für Salmrohr nochmal das Beste geben."

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Die Bedingungen dafür waren für den Keeper in Salmrohr ideal. "Ich habe damals im Hotel gewohnt, Essen war da, Betten wurden gemacht, es war wunderbar. Das eine Jahr war für mich einmalig. Bernd Hölzenbein spielte ein Jahr vor mir in Salmrohr, allerdings in der Oberliga. Die haben schon etwas erlebt."

"Salmrohr hat nichts zu verlieren"

Und was ist am Sonntag gegen Holstein drin? "Salmrohr hat gegen Kiel nichts zu verlieren", glaubt Kleff. "Der Verein steht wieder im Fokus und das tut der Region Salmtal gut. Eigentlich haben die Jungs keine Chance, aber im Fußball ist alles möglich."

Dominik Thömmes will wie einst sein Vater (aktuell Co-Trainer beim SV Elversberg, Anm. der Red.) sicher auch Pokalgeschichte schreiben. "Das wäre schön", sagt Toppmöller. Zu dessen Vater, dem einstigen S04- und BVB-Schreck, hat er immer noch Kontakt. "Ich kenne Rudi seit 20 oder 30 Jahren und wir haben eine freundschaftliche Beziehung. Er läuft mir ab und zu über den Weg. In unserer Gegend sieht man sich ohnehin öfters." 

Toppmöllers Neffe Nico Toppmöller spielt übrigens auch in Salmrohr, ihm gelang das entscheidende Tor per Elfmeter gegen die TuS Koblenz, durch das der Klub Rheinland-Pokalsieger wurde.

"Wir drücken den Jungs die Daumen, dass sie weiterkommen", sagt Klaus Toppmöller und denkt schon an einen großen Gegner: "Natürlich hätten sich die Leute gerne die Bayern gewünscht, aber vielleicht klappt das in der nächsten Runde, wenn Salmrohr weiterkommt."

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