Planlos und träge: Die deutsche Auftaktpleite im Video
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Nach der Pleite gegen Mexiko ist Joachim Löw gefordert. Der Bundestrainer muss seine Raketen loslassen - auf Kosten einiger Weltmeister. Der SPORT1-Kommentar.

Die deutsche WM-Auftaktpleite gegen Mexiko macht mich wütend und verständnislos. Zum einen, weil die deutsche Elf vor allem in der Defensive noch schlimmere Fehler machte als in den beiden Testspielen zuvor.

Zum anderen, weil ich nicht nachvollziehen kann, dass etliche Weltmeister von 2014 ihr Leistungsvermögen nicht abrufen.

Mehr denn je ist jetzt Joachim Löw gefordert. Der Bundestrainer muss nun ein Zeichen setzen und endlich den Konkurrenzkampf umsetzen, den er ausgerufen hat.

Anders formuliert: Löw muss jetzt seine Raketen loslassen!

Vor allem Marco Reus. Nicht nur, weil Löw ihn im Trainingslager sogar selbst als "Rakete" bezeichnet hat. Sondern auch, weil der Dortmunder gegen Saudi-Arabien und nach seiner Einwechslung gegen Mexiko das deutsche Spiel mit Tempo, Witz und Ideen geprägt hat. Zudem sucht er die Eins-gegen-Eins-Situationen. Gegen Mexiko musste Reus aber auf die Bank.

Für mich ebenso unverständlich wie die Tatsache, dass ihm Löw das bereits im Trainingslager angekündigt hat, wie Reus verriet. Damit schwächt er Reus - und seine direkten Konkurrenten bekommen zu viel Komfortzone.

Julian Draxler oder Mesut Özil muss gegen Schweden weichen, weil beide schlichtweg schwächer und weniger in Form sind als Reus.

Und Ilkay Gündogan. Die Aufregung um sein Foto mit Türkei-Präsident Erdogan ist noch immer präsent. Da der DFB aber keine Konsequenzen zog, muss fortan allein sein sportliches Können bewertet werden - und das ist unbestritten groß.

Gündogan steht mit seinem Spielwitz für Moderne und Kreatives, für Überraschungen. Für ihn muss Sami Khedira raus, der zweifellos ein Anführer ist, ein Weltmeister und Routinier - er macht aber derzeit keinen Unterschied aus und ist zu langsam.

Bleiben Julian Brandt und Leon Goretzka. Als Joker für die entscheidenden Impulse sehe ich die beiden bei einer WM noch nicht. Dafür fehlt ihnen die Erfahrung und das Selbstverständnis, das sie in ihren Vereinen ausgezeichnet hat.

DFB-Stars selbstkritisch: "Jeder muss sich hinterfragen!"

In der Startelf traue ich ihnen deutlich mehr zu. Zieht der Bundestrainer diese Option in Erwägung, muss selbst Weltmeister Thomas Müller zittern. Denn auf der rechten Außenbahn kommt der WM-Held nicht auf Trab.

Übrigens wäre ich durchaus gewillt zu sagen: "Locker bleiben, Spanien wurde 2010 auch nach einer 0:1-Auftaktniederlage Weltmeister." An eine deutsche 2018er-Kopie glaube ich aufgrund der jüngsten Leistungen derzeit aber nicht.

Deshalb muss Löw gegen die Schweden reagieren und seine Raketen zünden. Sonst gibt es am Ende den großen Knall.

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