Die Hoeneß-Abrechnung mit Özil im Originalton
teilenE-MailKommentare

München - Mesut Özils Rundumschlag löst heftige Reaktionen aus. Während aus Deutschland viele kritische Töne zu hören sind, stellt sich die Situation in der Türkei anders dar.

Der Rundumschlag von Mesut Özil samt seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat teils heftige Gegenreaktionen hervorgerufen - vornehmlich von Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Der DFB reagierte am Montagmittag mit einer Presseerklärung.

Während aus Deutschland fast nur kritische Töne zu hören sind, stellt sich die Situation in der Türkei komplett anders dar.

SPORT1 fasst die Reaktionen zu Özils dreiteiliger Erklärung in den sozialen Medien zusammen.

Dr. Reinhard Rauball (DFL-Präsident): "Es ist in keiner Weise hinnehmbar, wenn der DFB und seine Spitze pauschal in Zusammenhang mit Rassismus gerückt werden. Diese Unterstellungen gilt es, mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Der deutsche Fußball hat mit unzähligen Aktionen bewiesen, dass er sich für Integration, ein faires Miteinander und ein weltoffenes Land engagiert. In den vergangenen Wochen sind offensichtlich von allen Seiten Fehler gemacht worden. Die Abrechnung von Mesut Özil schießt aber über jedes nachvollziehbare Maß hinaus und lässt keinerlei Selbstkritik erkennen. Dieses Thema ist zu komplex für einfache Antworten. Erst recht, wenn unterschiedliche Dimensionen auf das Engste miteinander verwoben sind: von persönlichen Gefühlen und Glaubensfragen über sportliche Leistungen bis zur nationalen und internationalen Politik. Unabhängig von der Art und Weise seines Rücktritts ist Mesut Özil für seinen Einsatz in 92 Länderspielen zu danken."

Uli Hoeneß (Präsident FC Bayern): "Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Die Entwicklung in unserem Land ist eine Katastrophe. Man muss es mal wieder auf das reduzieren, was es ist: Sport. Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren. Özil versteckt sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto. Seine 35 Millionen Follower-Boys, die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt, kümmern sich darum, dass Özil überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt."

Hoeneß: "Özil ein Alibi-Kicker!"

Jerome Boateng (Teamkollege im DFB-Team): "Es war mir eine Freude, Abi (türkische Kurzform für "Bruder", Anm. d. Red.)."

Julian Draxler (Teamkollege im DFB-Team): "Mesut Abi, deine Technik am Ball hat Spielern wie mir die Tür zum DfB-Team geöffnet. Danke, für das was du für den deutschen Fußball getan hast. Du kannst stolz auf deine Leistungen sein." 

Lukas Podolski (Teamkollege im DFB-Team): "Weltmeister für immer! Wir haben oft zusammen gewonnen, und manchmal auch nicht. So ist Fußball. Es war immer magisch, dich als Teamkollegen im Verein und der Nationalmannschaft zu haben. Wir haben viele lustige Momente erlebt und zusammen gelacht - und ich bin sicher, dass wir das wieder machen werden. Bleib immer glücklich und behalte deine positive Einstellung."

Hector Bellerin (Teamkollege beim FC Arsenal): "Es scheint unwirklich, dass jemand, der für sein Land auf und neben dem Platz so viel getan hat, derart respektlos behandelt wird. Gut gemacht, Mesut, dass du dich derartigem Verhalten entgegenstellst."

Amine Gülse (Freundin von Mesut Özil): "Ich bin immer bei dir und bin stolz auf dich, mein Liebster."

Theo Zwanziger (Ex-DFB-Präsident zu dpa): "Ich bin tief traurig über die von Mesut Özil getroffene Entscheidung. Sein Rücktritt ist für die Integrationsbemühungen in unserem Land über den Fußball hinaus ein schwerer Rückschlag. Er war ein großes Vorbild für junge Spielerinnen und Spieler mit türkischem Migrationshintergrund, sich auch in die Leistungsstrukturen des deutschen Fußballs einzufinden."

zu Versäumnissen beim DFB: "Durch Fehler in der Kommunikation ist etwas passiert, das bei Migranten nie passieren darf: Sie dürfen sich nie als Deutsche zweiter Klasse fühlen. Wenn dieser Eindruck entsteht, muss man gegensteuern."

Özil bricht sein Schweigen: Bereue Erdogan-Foto nicht

Nico Rosberg (ehemaliger Formel-1-Pilot): "Danke Mesut #Weltmeister2014"

Bodo Illgner (ehemaliger Nationalspieler): "Danke Mesut Özil für tolle Leistungen im DFB-Team und bei Real Madrid! Aber die Erklärung von Dir geht weit über das Ziel hinaus!"

Ulrike Demmer (stellvertretende Regierungssprecherin): "Die Kanzlerin schätzt Mesut Özil sehr. Mesut Özil ist ein Fußballer, der viel für die Nationalmannschaft getan hat. Die getroffene Entscheidung muss man respektieren.".

Renate Künast (Grünen-Politikerin): "Austritt von Mesut Özil aus Nationalmannschaft ist ein Dokument des Scheiterns. Durch fehlendes Verständnis für familiäre Wurzeln des Einen, aber umgekehrt auch der sehr großen Sorge um die Menschenrechte in der Türkei. Und ungeeignete Funktionäre. Grindel muss auch gehen!"

Cem Özdemir (Grünen-Politiker): "Özils Foto bleibt falsch und seine Erklärung überzeugt nicht. Mindestens so desaströs ist das Agieren der DFB-Spitze. Grindel zerhackt unsere Integrationsgeschichte. Der DFB braucht einen Neubeginn".

Heiko Maas (Bundesaußenminister, SPD): "Dass die Deutschen so früh ausgeschieden sind, hat wenig damit zu tun, dass Herr Özil sich mit Herrn Erdogan hat fotografieren lassen. Ich glaube, alle Beteiligten in der Causa sollten einmal in sich gehen. Ich sehe Wenige, die sich nach meiner Wahrnehmung dort einigermaßen richtig verhalten."

Dagmar Freitag (Bundestags-Sportausschussvorsitzende): "Es gibt in dieser Angelegenheit nur Verlierer. Das gilt für den DFB und für Özil, aber auch für den gesamten Sport, der zweifellos hervorragende Integrationsarbeit leistet und leisten kann. Ich hoffe, dass sich all die Ehrenamtlichen, die sich tagtäglich um Integrationsarbeit bemühen, nicht frustriert abwenden."

Reaktionen aus der Türkei

Sportminister Mehmet Kasapoglu: "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen."

Justizminister Abdulhamit Gül: "Mit deinem Rücktritt hast du das schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen."

Ibrahim Kalin (Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan): "Stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben...?!"

Nächste Artikel
previous article imagenext article image