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Rottach-Egern - Nach langem Schweigen findet nun auch DFB-Kapitän Manuel Neuer deutliche Worte zum Rücktritt von Mesut Özil. Der Bayern-Keeper fordert "stolze Nationalspieler".

Nach wochenlangem Schweigen melden sich immer mehr deutsche Nationalspieler zum vieldiskutierten Rücktritt von Mesut Özil aus der DFB-Auswahl zu Wort. So auch Manuel Neuer, der seit Donnerstag mit dem FC Bayern im Trainingslager am Tegernsee weilt.

"Ich bewerte das nicht. Es war viel Hin und Her. Es wurde sowieso sehr viel darüber geredet und gesprochen. Für die, die alles gelesen haben, war dieses Thema sehr anstrengend", sagte der Nationalmannschafts-Kapitän mit ernster Miene zum Özil-Rücktritt - und fügte hinzu: "Es ist die Entscheidung eines jeden Spielers. Die Gründe muss er für sich selbst suchen, die hat er gefunden. Wir akzeptieren die Entscheidung."

Neuer war einer von zahlreichen Spielern, die sich bislang weder in den sozialen Netzwerken, noch in Interviews zum Özil-Rücktritt äußerten, in dem der Ex-Nationalspieler DFB-Präsident Reinhard Grindel unter anderem Rassismus vorwarf.

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Darum meldete sich Neuer noch nicht bei Özil

"Es war Urlaub angesagt und es wurde nicht gefragt. Ich habe gelernt, dass man nichts sagen muss, wenn man nicht gefragt wird. Wenn man die Stimme erhebt, dann intern, mit den richtigen Worten. Das haben wir auch während des Turniers immer wieder getan", sagte Neuer deutlich.

"Wichtig ist, dass die Leute beim DFB wissen, was wie vorgefallen ist und wie jeder andere tickt." Angerufen habe er Özil noch nicht. "Wenn wir uns aber sehen, werden wir natürlich miteinander reden."

Seine Meinung zu den Rassismus-Vorwürfen? "Ich kann nur sagen, dass er das in der Mannschaft überhaupt nicht erfahren hat. Wir haben immer versucht, alle zu integrieren und dass wir für unsere Mitspieler auch alles getan haben, damit jeder mit einem guten Gefühl in die Spiele geht. Ich glaube nicht, dass wir einzelnen Spielern geschadet haben", betont der gebürtige Gelsenkirchener.

Wenngleich Neuer versuchte, die Özil-Debatte sachlich zu behandeln, so war dem 32-Jährigen anzumerken, dass er das Thema nun ein für alle Mal abhaken möchte.

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Neuer fordert stolze Nationalspieler 

Für den kommenden Umbruch in der Nationalmannschaft stellte Neuer eine klare Forderung: "Es ist jetzt die Aufgabe des DFB, die Mannschaft zu strukturieren und ihr ein Gesicht zu verpassen, um wieder die Spieler zu haben, die wirklich stolz sind, für die Nationalmannschaft zu spielen und alles für das eigene Land zu geben, damit man wieder in die Erfolgsspur geht." 

Ob er damit anspricht, was ihm vor allem bei Özil missfiel, wird sein Geheimnis bleiben. Unabhängig von Özil sagte Neuer auch: "In der Nationalmannschaft und beim DFB wird sich einiges tun. Fakt ist, dass einiges geändert werden muss."

Er selbst hingegen scheint das WM-Debakel verarbeitet zu haben. Beim ersten Training am Donnerstagabend wirkte der 1,93-Meter-Mann topfit und zeigte einige Paraden.

Neuer gab aber rückblickend zu: "Sowas belastet einen natürlich. Das kann man nicht einfach wegwischen und sagen, dass man neu startet. Wir wollen unseren Ansprüchen gerecht werden und das wurden wir bei der WM nicht. Trotzdem muss es jetzt weitergehen."

Neuer lobt Kovac

Für ihn und die Bayern heißt es nun zunächst, bis zum 9. August in Rottach-Egern den Grundstein für die Bundesliga-Saison zu legen. 

Sein Eindruck vom neuen Trainer Niko Kovac, der auch am Donnerstag über zwei Stunden trainieren ließ und die gesamte Mannschaft anschließend zur Autogramm-Runde zu den rund 1500 Zuschauern schickte?

"Er denkt noch ein bisschen wie ein Spieler, er spricht sehr viel auf dem Platz", erklärt Neuer und lobt: "Wir haben einen guten Zug im Training. Wir freuen uns auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison mit ihm."

Weniger erfolgreich lief hingegen der erste Tegernsee-Tag für Franck Ribery. Der Franzose knallte bei einer Flanken-Übung mit dem Gesicht an einen Pfosten und zog sich eine schmerzhafte Platzwunde zu. Mit einem Turban musste er vorzeitig in die Kabine.

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