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München - Joachim Löw sortiert drei Weltmeister aus, die auch in der Hierarchie tragende Rollen innehatten. Diese Lücken gilt es zu füllen - SPORT1 zeigt die Kandidaten.

Ein "deutliches Signal der Erneuerung" nannte Bundestrainer Joachim Löw seinen überraschenden Vorstoß, gleich drei Weltmeister auf einen Schlag auszubooten.

Mit seinem Verzicht auf die Bayern-Stars Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller vollzog Löw einen radikalen Schnitt.

Zwar sorgte der Zeitpunkt seiner Entscheidung für Irritationen beim Rekordmeister, und auch Müller reagierte erbost, doch vordergründig ging es dem 59-Jährigen darum, "die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir wollen der Mannschaft ein neues Gesicht geben."

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Mannschaftsrat: Neuer und Kroos übrig

Der Kader für die ersten Länderspiele des Jahres in zwei Wochen dürfte mehr als nur ein Facelifting bekommen. Hinzu kommt: Innerhalb des Teams müssen die Hierarchien neu geordnet werden.

Denn mit Müller, Boateng, Hummels und dem seit Herbst nicht mehr berücksichtigten Sami Khedira rasierte Löw nun zwei Drittel des Mannschaftsrats - nur Kapitän Manuel Neuer und Toni Kroos sind von der WM 2018 noch übrig.

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Diese Leerstellen gilt es jetzt zu besetzen. Auch um die Mission EM 2020, die am 24. März mit dem ersten Qualifikationsspiel in den Niederlanden startet, nicht zu gefährden. "Die jungen Nationalspieler erhalten den nötigen Raum zur vollen Entfaltung. Sie müssen nun die Verantwortung übernehmen", erklärte Löw.

Kimmich und Draxler als Führungsspieler?

Als Kandidat für eine der Führungsrollen drängt sich Joshua Kimmich auf, der zuletzt bei Bayern immer mehr in diese Position hineingewachsen ist.

Auch Julian Draxler, der die DFB-Auswahl als Kapitän zum Sieg beim Confed Cup 2017 führte, gilt als aussichtsreicher Nachrücker.

Dazu kämen Leon Goretzka und Niklas Süle als legitime Nachfolger der Bayern-Achse infrage. Auch Timo Werner oder Matthias Ginter (immerhin auch 2014er Weltmeister) und Marco Reus wären denkbar für die Neubesetzung des Mannschaftsrates. Vor allem BVB-Kapitän Reus wuchs zuletzt an seiner Rolle im Verein.

Süle, Ginter und Rüdiger als Dreierkette

So sehr das Aus für Müller, Hummels und Boateng eine Lücke ins Mannschaftsgefüge reißt, ob zum Länderspielauftakt gegen Serbien am 20. März wirklich so viele neue Gesichter auf dem Platz stehen werden, ist fraglich. Schließlich fehlte schon beim Testspiel gegen Russland Mitte November das Bayern-Trio in der Startelf.

Löw schickte sein Team damals in einer 3-4-3-Grundordnung aufs Feld - mit einer Dreierkette bestehend aus Süle, Ginter und Antonio Rüdiger.

Im rechten Mittelfeld agierte Thilo Kehrer, im Zentrum zog Leverkusens Kai Havertz die Fäden. In Jonathan Tah wurde ein weiterer Vertreter der jüngeren Generation eingewechselt.

Ter Stegen fordert Neuer heraus

Und in der Offensive wirbelte das Trio um Leroy Sane, Werner und Serge Gnabry, die auch vier Tage später in der gleichen taktischen Formation gegen die Niederlande von Beginn an aufliefen.

Im Tor stand damals Neuer, der sich seines Stammplatzes allerdings nach den jüngsten Aussagen von Löw auch nicht mehr sicher sein kann. "Ich habe vergangenes Jahr gesagt, dass momentan Manuel die Nummer eins ist, auch, weil er der Kapitän ist. Aber in diesem Jahr haben wir einen kleinen Neubeginn. Marc wird bei der EM-Quali seine Chancen bekommen", kündigte Löw am Rande des Clasicos zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona am Samstag an.

Der Kampf um die Nummer eins im DFB-Tor zwischen Neuer und ter Stegen ist damit offiziell eröffnet.

Wen zaubert Löw aus dem Hut?

Der Verzicht auf Hummels, Müller und Boateng schafft zugleich Platz für mögliche Nachrücker, die Löw bei der Nominierung seines Kaders in der kommenden Woche aus dem Hut zaubern könnte. Als mögliche Debütanten kämen etwa die Herthaner Arne Maier und Niklas Stark infrage, sowie Werders Taktgeber Maximilian Eggestein oder Frankfurts Laufwunder Danny da Costa.

Dazu hat der seit September 2018 nicht mehr berufene Ilkay Gündogan mit starken Leistungen für Manchester City wieder auf sich aufmerksam gemacht.

Am Ende entscheidet Löw. Dass er dabei immer für Überraschungen gut ist, hat er am Dienstag bewiesen.

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