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München - Joachim Löw muss mit Oliver Bierhoff das Spanien-Debakel aufarbeiten. Entscheidend wird die Meinung der Nationalspieler sein. Es gibt neben Kritik auch Lob.

In neun Tagen klärt sich die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw!

Dann muss Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff auf einer DFB-Präsidiumssitzung vortragen, wie Löw das schlingernde DFB-Schiff wieder auf Kurs bekommen will. Es sei denn, der Bundestrainer geht vorher selbst von Bord.

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Stand jetzt lautet Bierhoffs Auftrag: Löw retten und Argumente sammeln, die für seinen Verbleib sprechen - trotz des 0:6-Debakels in Spanien und der DFB-Tristesse in Fußball-Deutschland.

Weltmeister um Neuer halten zu Löw

Bierhoff und DFB-Präsident Fritz Keller sind Fürsprecher Löws, doch wie sieht es innerhalb der Mannschaft aus?

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Innerhalb des Teams hat Löw noch immer eine breite Front an Unterstützern hinter sich: Vor allem seine Weltmeister von 2014 (Manuel Neuer, Toni Kroos, Matthias Ginter, Julian Draxler). Etliche Neu-Nationalspieler, darunter Florian Neuhaus oder Luca Waldschmidt, sind dem Bundestrainer ohnehin zu großem Dank verpflichtet.

Dennoch muss sich Löw nach SPORT1-Informationen vor allem einen mannschaftsinternen Vorwurf gefallen lassen: Dass er taktisch zuletzt zu viel experimentiert und die Mannschaft vor allem defensiv ungeordnet und teilweise planlos hat agieren lassen. Dass zu viele Spieler auf dem Platz ihr sprichwörtlich eigenes Süppchen kochen.

Gegen Spanien wird von einigen Spielern bemängelt, dass es zu wenig taktische Hilfsmittel seitens des Trainerteams gegeben hat. Auf dem Platz kam das Löw-Team in kaum einen Zweikampf, zu kaum einem Torschuss und spielte viel zu behäbig. Im Laufe des Spiels fand keine Besserung statt. Löw setzte aber von außen kaum Impulse, resignierte stattdessen auf der Trainerbank.

Bundestrainer zu emotionslos?

Löw wirkt schlaff, dabei sind viele deutsche Nationalspieler aktive und emotionalere Trainer gewohnt: Thomas Tuchel in Paris, Pep Guardiola in Manchester, Frank Lampard bei Chelsea, Julian Nagelsmann in Leipzig, Marco Rose in Mönchengladbach.

Was Löw weiterhin positiv nachhallt sind seine Ansprachen. Nationalspieler berichten, dass sie der Bundestrainer damit erreicht und motiviert. Löw wird innerhalb des Teams ernst genommen. An seinem Stuhl sägt niemand. Die Stimmung untereinander soll bis zum Spanien-Debakel sehr gut gewesen sein.

Hinzu kommt: Löw hat 2020 bewusst viel auf dem Platz ausprobiert (Dreierkette, Viererkette, Manndeckung, ein Sechser, zwei Achter), um für die EM das passende Konzept ausfindig machen zu können. Bislang nur mit mäßigem Erfolg. Auch, weil es bei der Nationalmannschaft an taktischen Trainingseinheiten mangelt.

Zuletzt absolvierte die Löw-Auswahl drei Spiele in einer Woche. Die Trainingsgruppen unterteilten sich zumeist in aktiv und regenerativ trainierende Spieler. Taktisch trainiert werden konnte mit dem gesamten Kader oft nur im Abschlusstraining vor den Spielen.

Bierhoff hört sich im Team um

Viele Nationalspieler sind sich daher sicher, Löws Vorgaben binnen weniger Trainingstage, etwa in Form eines Trainingslagers kurz vor der EM, einstudieren zu können.

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Auch Bierhoff wird dieser Tage genau hinhören, was die Nationalspieler berichten! Deren Meinung wird ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit seiner Löw-Analyse sein.

Doch der 52-Jährige weiß auch: Löw steht wie nie zuvor in seiner 14-jährigen Amtszeit in der Kritik. Auch seitens etlicher verdienter Nationalspieler wie Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, die Weltmeister von 2014, Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Olaf Thon, Weltmeister von 1990.

Auch beim DFB knistert es. Längst sind nicht mehr alle Funktionäre von Löw überzeugt. Verbandsintern wird ihm vereinzelt vorgeworfen, in den vergangenen Monaten zu viel beschönigt zu haben. Zudem wird angeprangert, dass er und sein seit Jahren vertrautes Trainerteam um Marcus Sorg und Andreas Köpke in der Praxis zu wenig externe Veränderungen zulassen und zu sehr auf ihren Prinzipien beharren.

Auf Bierhoff wartet viel Arbeit.

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