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Steffen Baumgart kehrt zu seinem Herzensverein zurück
Steffen Baumgart kehrt zu seinem Herzensverein zurück © Imago
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München und Paderborn - Paderborn-Trainer Steffen Baumgart spricht im SPORT1-Interview über Urs Fischer und Union Berlin. Wie es für ihn nach dieser Saison weitergeht, lässt er offen.

Für Steffen Baumgart und den SC Paderborn läuft es in dieser Saison in der 2. Liga noch nicht nach Plan. Da kommt der DFB-Pokal als Abwechslung zum Abschluss des Jahres möglicherweise gerade Recht.

Die Ostwestfalen sind in der 2. Runde zu Gast bei Union Berlin - Baumgarts Herzensverein. (DFB-Pokal: Union Berlin - SC Paderborn ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Der Trainer verrät im SPORT1-Interview wieso er den Pokal so mag, was ihm Urs Fischer noch voraus hat und spricht darüber hinaus über seine Zukunft in Paderborn.

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SPORT1: Herr Baumgart, wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?  

Steffen Baumgart: Das ganze Jahr 2020 war für alle ein sehr schwieriges, für uns auch. Damit meine ich jetzt nicht den Abstieg, damit konnten wir uns lange beschäftigen. Insgesamt sind wir nicht da, wo wir uns das vorstellen. Wir hatten zwischendurch eine sehr gute Phase, jetzt zum Ende wieder nicht und müssen sehen, dass wir in der Spur bleiben.

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SPORT1: Was sind die Gründe für die schwachen Leistungen zuletzt?  

Baumgart: Wir haben uns über weite Strecken viele Torchancen erarbeitet. Dann lag es so ein bisschen an der mangelnden Auswertung oder an der Chancenverwertung und jetzt ist einfach so, dass wir vieles von dem, wie wir uns das vorstellen, was wir gut gemacht haben über einen langen Zeitraum nicht mehr so umgesetzt kriegen. Das liegt natürlich auch oft am Gegner, aber wir müssen Lösungen finden und die haben wir im Moment nicht. So wie Momentaufnahmen positiv sind, haben wir im Moment eine negative Momentaufnahme und hoffen, dass wir schnell wieder aus dieser Situation rauskommen. 

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SPORT1: Wie realistisch ist dahingehend der Traum vom Wiederaufstieg? 

Baumgart: Wiederaufstieg? (lacht) Realismus ist, dass wir in der 2. Liga angekommen sind und da jedes Spiel hart umkämpft und sehr eng ist. Jeder kann irgendwo hinfahren und gewinnen. Wir gewinnen in Darmstadt 4:0, Darmstadt gewinnt in Fürth 4:0. Die zweite ist die spannendste Liga, weil es hoch und runter geht, weil der Erste gegen den Letzten verlieren kann und umgekehrt. Auf Dauer wird sich aber die höhere Qualität durchsetzen und die müssen wir zeigen.

SPORT1: Wie besonders ist der DFB-Pokal für Sie? 

Baumgart: Der DFB-Pokal ist einer der geilsten Wettbewerbe, die wir haben. Man sieht, dass die Wertigkeit des Wettbewerbs immer mehr an Zuwachs gewonnen hat. Es ist nicht so, dass man nur einen Titel gewinnen kann, es geht auch immer um viel Prestige. In der ein oder anderen Runde auch um eine ganze Menge Geld - für jeden Verein. Wir haben alle finanziell die gleichen Schwierigkeiten im Moment und deswegen ist der Wettbewerb aus vielerlei Gründen ein sehr wichtiger. Aber vor allem ist er ein sehr schöner und spannender. Die Möglichkeit zu haben, bei einem Erstligisten auflaufen zu dürfen, gibt dir nur der Pokal. 

SPORT1: Welchen Pokal-Moment empfinden Sie persönlich als den prägendsten? 

Baumgart: Ich glaube, dass wir gerade hier in Paderborn - zumindest seitdem ich hier sein darf - eine sehr gute Historie haben, was die Pokalspiele angeht. Wir sind in der 3.Liga jeweils gegen Pauli und Ingolstadt damals eine Runde weitergekommen, haben den Landespokal geholt. Der Pokal ist für mich persönlich sehr wichtig, weil ich als Trainer nicht jedes Mal die Möglichkeit habe, um eine deutsche Meisterschaft zu spielen. Als Spieler war ich zweimal im Halbfinale, bin dort jedoch gescheitert. Es ist immer noch ein Traum, das Finale in Berlin einmal unten an der Seitenlinie erleben zu dürfen. 

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SPORT1: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie Union zugelost bekamen? 

Baumgart: Ich kann Weihnachten zu Hause feiern (lacht). Wir hätten uns über jedes Los gefreut, aber für die Familie, für mich persönlich ist es erstmal schön. Ich bin in meiner Heimat. Ich darf mir mal wieder ein Spiel in der Alten Försterei angucken, aber grundsätzlich geht es um den Wettbewerb und wir wollen gewinnen. Ich glaube, dass Union im Moment sehr guten Fußball spielt und es für uns eine sehr große Herausforderung wird. Aber wir fahren dahin, um weiterzukommen, und das muss auch zu sehen sein. 

SPORT1: Wie schätzen Sie die Entwicklung von Union ein? 

Baumgart: Sehr gut, sehr kontinuierlich, sehr klar, sehr sachlich. Die Transfers, für den einen oder anderen überraschend und vielleicht im ersten Moment nicht nachvollziehbar, greifen alle. Sowohl im letzten Jahr als auch in diesem Jahr. Was Union besser gemacht hat als wir damals: Sie haben einfach ganz anders investiert und das trägt jetzt auch Früchte. Ich bin gespannt und hoffe, dass ich so schnell wie möglich ihr wahres Ziel erreichen und nicht das, was ihnen eingeredet wird. 

"Das was Urs Fischer macht ist sensationell"

SPORT1: Was zeichnet Union als Mannschaft aus? 

Baumgart: Sie haben eine sehr starke, robuste, kampfstarke Mannschaft. Aber wer genau hinguckt sieht auch, dass sich der Fußball ganz schön entwickelt. Na klar spielen sie den ein oder anderen langen Ball, aber sie spielen immer mehr von hinten raus, haben eine klare Struktur im Spiel und sind noch dazu überragend bei Standardsituationen. Also ich habe keine Mannschaft im Moment auf dem Schirm, die so stark bei Standardsituationen ist. Ich habe größten Respekt vor Urs Fischer, nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch. Es ist bemerkenswert, wie er mit der Situation umgeht. Ich glaube, dass er den Verein auch da hingeführt hat, wo er heute steht. Das größte, was du als Trainer erreichen kannst, ist, dass ein ganzer Verein deine Entwicklung mitgeht. Was Urs Fischer macht ist für mich sensationell. 

SPORT1: Fliegt er etwas unter dem Radar? 

Baumgart: Entscheidend ist, dass er eine gute Arbeit macht. Das hat er nicht nur bei Union gemacht, das hat er auch vorher gemacht. Er ist ein Trainer, der sich nicht blenden lässt, der sich nicht verleiten lässt, sondern eine ganz klare Idee hat und die umsetzt. Das schwierigste am Trainer-Job ist, dass du immer bei dir bleibst und auch immer eine Klarheit behältst. Das macht er sehr gut. Ich freue mich auf das Duell. 

"Union liegt mir besonders am Herzen"

SPORT1: Sie waren zweimal Unioner des Jahres. Wie steht es um Ihre Verbundenheit zum Verein? 

Baumgart: Es gibt immer Vereine, die einem besonders am Herzen liegen und Union ist so ein Verein. Aus meiner Spielersicht ist Union der Verein, der mir am meisten gegeben hat. Nicht von den Erfolgen her, sondern was drumherum passiert, was du von den Fans bekommst. Ich kann jetzt aber auch sagen, dass Paderborn aus Trainersicht inzwischen auch geworden ist. Auch Cottbus und Rostock sind ganz wichtige Vereine für mich, aber Union und Paderborn stehen ganz oben bei mir auf der Liste. Ich bin bei beiden Klubs Mitglied und bleibe das auch.  

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SPORT1: Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wissen Sie schon, wie es für Sie weitergeht? 

Baumgart: Der Vertrag läuft aus, aber jetzt haben wir erstmal eine Aufgabe zu erfüllen. Meine Aufgabe muss es sein, den Verein in sicheres Fahrwasser zu bringen, dort sind wir im Moment nicht. Deswegen brauchen wir auch nicht über irgendwelche Verträge reden. Mir geht es darum, Punkte zu holen und alles andere wird kommen. 

SPORT1: Heißt, Sie lassen sich Zeit? 

Baumgart: Nein, nicht ich, sondern wir lassen uns Zeit. Wir sind alle in einer sehr schwierigen Situation. Wir dürfen die Corona-Situation nicht außen vor lassen, wir wissen überhaupt nicht, wie es weitergeht. Keiner weiß genau, wann Zuschauer wiederkommen und wie das ganze drumherum aussieht. Wir sollten alle ganz vorsichtig sein mit irgendwelchen Schnellschüssen. Wir müssen schauen, wohin der Weg geht und dann sind wir alle guter Hoffnung, was die Zukunft angeht.

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