Rose: "Wir glauben an unsere Chance"
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Ismaning - Vor dem Halbfinal-Rückspiel des FC Salzburg in der UEFA Europa League gegen Olympique Marseille spricht Coach Marco Rose bei SPORT1 über Chancen aufs Weiterkommen und Bundesliga-Begehrlichkeiten.

Marco Rose ist der Shootingstar auf dem Trainermarkt. Seit Sommer 2017 ist der 41-Jährige Cheftrainer beim FC Salzburg, seiner ersten Station als Proficoach. Und das mit großem Erfolg.

Mit den Österreichern steht Rose im Halbfinale der UEFA Europa League - und muss im Rückspiel gegen Olympique Marseille (Do., ab 21.05 Uhr im LIVETICKER) das 0:2-Hinspiel wettmachen.  

Roses Arbeit ist auch einigen Bundesligisten aufgefallen: Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund sollen interessiert sein - nach SPORT1-Informationen gibt es bereits konkreten Kontakt.

Vor dem Marseille-Duell spricht der frühere Bundesligaspieler Rose im SPORT1-Interview über seine Arbeit, Schwächen und den plötzlichen Hype um seine Person. 

SPORT1: Herr Rose, wie nehmen Sie den Erfolg mit dem FC Salzburg als Cheftrainer wahr?

Marco Rose: Es ist eine schöne Momentaufnahme, de facto wurde aber noch nichts erreicht. Wir sind weder Meister noch Pokalsieger, und in der Europa League haben wir vom Ergebnis her ein Hinspiel abgeliefert, das nicht zum Ausruhen einlädt. Wir freuen uns, im Halbfinale und im Pokalendspiel zu sein. Doch in der Meisterschaft müssen wir den letzten Schritt noch gehen. Die Jungs haben bis hierhin schon viel geleistet, aber jetzt müssen wir uns am Ende noch belohnen. Erst danach kann man Lobeshymnen singen.

SPORT1: Aber es ist  eine sehr positive Saison bis jetzt.

Rose: Absolut. Es ist außergewöhnlich, was die Mannschaft bisher geleistet hat - und das Zeugnis von harter Arbeit und großartigen Mentalität meiner Spieler. Ich bin jetzt im fünften Jahr in Salzburg und fühle mich sehr wohl. Sowohl im Nachwuchsbereich als auch bei den Profis herrschen außergewöhnliche Rahmenbedingungen. Es gibt eine tolle Infrastruktur, es gibt eine grundsätzliche Idee im Verein, nach der gearbeitet wird. Die Summe daraus ergibt eine Atmosphäre, in der man erfolgreich arbeiten kann.

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SPORT1: Wofür stehen Sie als Coach?

Rose: Für mich steht das Team über allem, das ist mein Grundgedanke. In Salzburg ist es wie in einer Familie, aber auch nicht immer alles heile Welt. Mir ist es aber wichtig, dass man offen und ehrlich damit umgeht, dass man die Dinge anspricht und versucht ein Arbeitsklima zu schaffen, das vor allem erfolgsfördernd ist.

SPORT1: RB Leipzig wird immer noch angefeindet. Belastet Sie das in Salzburg?

Rose: In Österreich werden wir auch nicht überall mit Kusshand empfangen. Am Ende zählt nur das Ergebnis. Manche Traditionsvereine haben viel falsch gemacht, da hilft eine ruhmreiche Vergangenheit wenig. Wir sind dabei, uns eine Tradition zu schaffen - und wenn man sieht, wie viele Titel wir uns schon national geholt haben, kann man stolz darauf zurückblicken.

SPORT1: Wie sehen Sie den FC Salzburg im Vergleich zu RB Leipzig?

Rose: Wir sind zwei separate Klubs, jeder hat seine eigene Identität, eine eigene Führung und ganz eigene Ziele. Als die Geschichte beider Vereine anfing, war es noch anders. Da wurden damals mit Ralf Rangnick (Sportdirektor RB Leipzig, d. Red.) als gemeinsamen Sportdirektor Parallelen geschaffen, die es jetzt nicht mehr gibt.

SPORT1: Wie angespannt sind Sie vor dem Rückspiel gegen Olympique?

Rose: Genauso angespannt wie vor jedem wichtigen Spiel. Wir wissen, dass wir ein Ergebnis mit nach Salzburg gebracht haben, wo wir einiges zu tun haben. Es ist eine große Herausforderung und wir müssen höllisch aufpassen.

SPORT1: Sie haben einmal gesagt, der FC Salzburg ist der FC Bayern Österreichs. Gibt Ihnen das Ihr Selbstverständnis für solch wichtigen Spiele?

Rose: Dass wir uns in diese Richtung entwickeln, wäre unser nächster Schritt. Unser Selbstverständnis ist, dass wir national um die Titel mitspielen. Und dann wollen wir auch international immer wieder Ausrufezeichen setzen. Aber wir haben natürlich etwas andere Voraussetzungen als Bayern.

SPORT1: Was für ein Typ sind Sie privat?

Rose: Ich bin ein sehr emotionaler Typ, ein absoluter Familienmensch. Wenn ich etwas gerne mache und mich darauf einlasse, ist das für mich eine Herzensangelegenheit.

SPORT1: Haben Sie Schwächen?

Rose: Oh ja. Ich bin ziemlich vergesslich, hier und da etwas verpeilt, das Thema Ordnung steht bei mir auch nicht oben auf der Agenda.

SPORT1: Ihr Name wird immer öfter auch in der Bundesliga genannt. Macht Sie das stolz?

Rose: Verunsichern tut mich das jedenfalls nicht, es zeigt, dass in Salzburg gut gearbeitet wird. Dass meine Arbeit Begehrlichkeiten weckt, freut mich. Es geht aber nicht nur um mich, sondern um das Team und die Mannschaftsleistung. Man steht als Trainer zwar an vorderster Front, aber unser Erfolg hat viele Väter. Das Thema Bundesliga nehme ich natürlich wahr, es schmeichelt mir auch. Aber ich konzentriere mich voll und ganz auf meine Aufgabe in Salzburg.

SPORT1: Und was passiert nach dem Sommer bei Ihnen?

Rose: Ich will authentisch, offen und ehrlich sein. Wenn der Zeitpunkt da ist, dann werde ich Gespräche führen. Momentan aber haben wir noch viele große Aufgaben vor der Brust. Wie gesagt: Ich fühle mich sehr wohl in Salzburg, habe noch ein Jahr einen Vertrag. Der FC Salzburg ist mein erster Ansprechpartner.

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