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München - Eintracht Frankfurt macht Racing Straßburg nach dem turbulenten Europa-League-Playoffduell schwere Vorwürfe. In Frankreich erzählen sie die Story anders.

Eintracht Frankfurt hat den Wiedereinzug in die UEFA Europa League geschafft - aber in die Freude mischte sich auch Wut über den unterlegenen Gegner.

Nach dem turbulenten 3:0 im Rückspiel gegen Racing Straßburg erhob Sportdirektor Bruno Hübner schwere Anschuldigungen: "Die Offiziellen von Straßburg müssen sich schon überlegen, was sie da machen. Der Trainer der gegnerischen Mannschaft (Thierry Laurey, Anm. d. Red.) hat auch zugeschlagen", klagte er beim Sender Nitro an. Auch Torhüter Kevin Trapp schimpfte: "Was in der Halbzeit los war, geht einfach nicht."

Im Kabinengang war es zu Tumulten zwischen Spielern und Offiziellen gekommen, nachdem Frankfurts Ante Rebic eine umstrittene Rote Karte sah.

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Wer aber verschuldete wirklich die anschließende Eskalation, in die sogar die Sicherheitskräfte eingriffen? In Frankreich erzählen sie die Geschichte etwas anders.

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Frankfurt-Spieler soll Coach Laurey angerempelt haben

Der Sender RMC Sport berichtet, dass Laurey im Tunnel von einem Frankfurter Spieler angerempelt worden sei. Zudem sei der israelische Schiedsrichter Orel Grinfeld auf dem Weg dorthin von Zuschauern bespuckt worden.

Stein des Anstoßes war in jedem Fall der Platzverweis für Rebic nach einer Kollision mit dem belgischen Racing-Keeper Matz Sels.

Filip Kostic war beim Gang in die Kabine auf Keeper Sels losgegangen, dem er bei der Roten Karte von Rebic Simulation vorwarf - seine Teamkollegen hielten ihn zurück und verhinderten einen Übergriff. Laurey machte nach dem Spiel aber auch den Frankfurter Verantwortlichen Vorwürfe: "Die Frankfurter haben mit dem ganzen Verein Druck auf den Schiedsrichter und auf unsere Mannschaft ausgeübt."

Der Unparteiische sah es offensichtlich ebenfalls so, dass Grenzen überschritten wurden: Er schickte Hübner auf die Tribüne, Frankfurts Coach Adi Hütter sah zuvor die frisch eingeführte Gelbe Karte für Trainer.

Kevin Trapp kritisiert Schiedsrichter Orel Grinfeld

Im Gespräch mit den französischen Journalisten trat übrigens auch noch Trapp gegen den Schiri nach. "Meiner Meinung nach war der Schiedsrichter heute nicht auf der Höhe", hielt er fest: "Er war sehr arrogant - ich weiß gar nicht, warum. Es war natürlich auch für ihn ein schwieriges Spiel, aber sein Verhalten war etwas merkwürdig. Man konnte gar nicht mit ihm reden."

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Aus Laureys Sicht erreichten die Frankfurter letztlich dennoch genau das, was sie gewollt hätten: "Wir wussten, dass es einen Ausgleich geben würde (für die Rote Karte gegen Rebic, Anm. d. Red.). Wir durften nicht auf sie hereinfallen, und unser Verhängnis war, dass wir ihnen doch auf den Leim gegangen sind. Das ist bedauerlich."

Worauf Laurey anspielte: In der 55. Minute flog Racing-Profi Dimitri Liénard nach einer Tätlichkeit gegen Dominik Kohr vom Platz. Und Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic gab offen zu, dass Kohr es darauf auch angelegt hatte: "Dominik hat das natürlich auch ein bisschen provoziert. Er ist ein bisschen härter eingestiegen, da bekommt er ja auch die Gelbe Karte für."

Das ganze Team hätte die taktische Vorgabe gehabt, "dass wir weiter hart rangehen. Es gibt in der Europa League ja keinen Videobeweis. Das tut mir manchmal ja fast schon leid, aber das ist der Fußball, den wir lieben. Auch mit Fehlern. Aber das haben wir natürlich sehr gut ausgenutzt."

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Straßburgs Martin lässt keine Ausreden gelten

Schlitzohrigkeit siegt - das war am Ende die positive Deutung der Eintracht, für die nach der Führung durch Stefan Mitrovics Führungstor (26.) ein Traum-Freistoß von Kostic (60.) und Danny da Costa (66.) das Weiterkommen sicherstellten.

Auch die Straßburger erkannten letztlich an, dass Frankfurts Sieg nicht unverdient war und bemühten sich, die Nebengeräusche abzuhaken.

"Das ist keine große Sache. Das gehört beim Fußball auch mal dazu", sagte Mittelfeldspieler Jonas Martin. Eine kleine Stichelei gab es nur noch im Vorbeigehen: "Man muss seinen Charakter auf dem Platz zeigen. Im Gegensatz zu ihnen sind wir ruhig geblieben."

Als Ausrede wollte Martin den Tunnel-Tumult aber ebenso wenig gelten lassen wie die Schiedsrichter-Leistung: "Wenn man 0:3 verliert, war der Gegner besser. Sie hatten mehr Erfahrung, das hat heute Abend glaube ich den Unterschied gemacht. Sie waren nicht umsonst letztes Jahr im Halbfinale."

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