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Moskau - Nach der überraschenden Auftaktpleite gegen Mexiko sitzt beim DFB-Team der Frust tief. Mats Hummels übt deutliche Kritik, Toni Kroos sieht das Team unter Druck.

Die deutsche Nationalmannschaft hat zum Auftakt in die WM in Russland eine überraschende 0:1-Niederlage gegen Mexiko kassiert(Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Damit steht das Team von Bundestrainer Joachim Löw vor den weiteren Gruppenspielen gegen Schweden und Südkorea bereits mächtig unter Druck - das sah auch Mittelfeldstratege Toni Kroos so. (Der WM-Spielplan auf einen Blick)

SPORT1 hat Stimmen von ZDF und aus der Mixed Zone gesammelt. (Die Tabelle der Gruppe F)

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Joachim Löw (Bundestrainer): "Der Start hat nicht geklappt. Jetzt müssen wir gewinnen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen. Wir hatten so eine Situation noch nicht, aber diese Widerstände müssen wir überwinden. In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut. In der zweiten Halbzeit wollten wir nach vorne spielen, aber wir hatten nicht die Kombinationssicherheit, die man von uns kennt und wie ich es mir vorstelle. Wir sind halbherzig im Spiel nach vorne. Wir haben um den Sechzehner herum zu viele Bälle verloren. Wir müssen es einfach schaffen, zum Abschluss zu kommen, dann haben wir weniger Probleme."

... über Probleme mit der Einstellung: "Das glaube ich nicht. Wir haben in den letzten Tagen gespürt, dass die Einstellung zu 100 Prozent da ist. Die Spieler haben sehr fokussiert gearbeitet. Wir sind nicht richtig ins Spiel gekommen und mussten einige Male hinterherlaufen. Dadurch waren wir ein bisschen verunsichert."

Oliver Bierhoff (Nationalmannschaftsmanager): "Wir haben einfach zu wenig gemacht. Wir haben es in der zweiten Halbzeit versucht, zu drehen. Wir haben natürlich dominiert, aber richtig zwingend war es nicht. Die Mexikaner haben es clever gemacht. Wir hatten teilweise nicht die Mittel und haben dann die Konter gefangen. Das ist ärgerlich und für ein Auftaktspiel zu wenig."

... über die Vorbereitung: "Ich war nach dem Spiel gegen Saudi-Arabien auch besorgt, aber in den letzten Tagen hatte ich ein sehr gutes Gefühl. Die Mannschaft hat sehr fokussiert und konzentriert gearbeitet. Wir wissen, wie schwer es die Weltmeister haben. Das haben wir jetzt richtig gespürt. Wir sind jetzt im nächsten Spiel gefragt, das kann für uns ein schwieriger Weg werden, aber den müssen wir jetzt gehen."

... über das Abwehrverhalten: "Wir haben darauf hingewiesen, dass wir nicht in die Falle laufen wollen. Eigentlich war die Ausrichtung, kompakt und gut zu stehen und erstmal keine Chancen zuzulassen."

... über Brasilien als möglichen Achtelfinal-Gegner: "Das ist jetzt mein hinterster Gedanke. Mein erster Gedanke ist Schweden. Wir müssen die volle Konzentration darauf richten und gut arbeiten, die Dinge ansprechen und Lösungen anbieten, dass wir gegen die Schweden auch dominieren können."

Mats Hummels (Deutschland): "Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt, nur gegen einen besseren Gegner. Wenn sieben oder acht Mann offensiv spielen, ist es klar, dass die offensive Wucht größer ist, als die defensive Stabilität. Das, was ich intern oft anspreche, fruchtet anscheinend noch nicht so ganz. Unsere Absicherung steht nicht gut. Oft sind nur Jerome und ich hinten. So haben sie uns heute gnadenlos ausgekontert. Der Weckruf war zu spät. Wir müssen zwei Spiele gewinnen, sonst war es das bei der WM. Wir hatten gegen Saudi-Arabien eigentlich unseren Weckruf. Ich verstehe nicht ganz, warum wir heute so gespielt haben, obwohl wir vor sieben Tagen erst einen Schuss vor den Bug bekommen haben."

...auf die Frage, ob er ein Vorrunden-Aus befürchte: "Wenn wir weiter so spielen, ja. Aber ich gehe jetzt davon aus, dass wir besser spielen."

Kimmich stimmt Hummels zu

Joshua Kimmich (Deutschland): "Mentalität ist so eine Sache, davon kann man nie genug haben. Qualität alleine reicht nicht. Wenn wir mal ein schlechtes Spiel an den Tag legen, müssen wir das durch Mentalität auffangen. Heute ist uns das nicht gelungen. Die vielen Fehler werden auf diesem Niveau bestraft."

... über Hummels' Kritik: "Er hat recht. Wenn wir im Spielaufbau sehr hoch stehen und solche Ballverluste haben, dann hat es Mexiko im Umschaltspiel gut gemacht. Da waren sie hinten oft alleine. Wir müssen den Gegner besser zustellen, bevor wir den Ball verlieren. Es ist anders als in der WM-Quali, wenn der Gegner die Ballverluste ausnutzt. Jetzt müssen wir da schleunigst etwas ändern."

... über die Angst vor einem Vorrunden-Aus: "Noch nicht, aber uns ist bewusst, dass jedes Spiel ein Endspiel ist. Das wäre absolut ein Super-GAU."

Toni Kroos (Deutschland): "Wir haben in der ersten Halbzeit keine Lösung gefunden gegen das, was Mexiko gemacht hat. Sie haben clever zugestellt und nur da Platz gelassen, wo sie Platz lassen wollten. In der zweiten Halbzeit haben wir es etwas besser gemacht. Man hat gemerkt, dass Mexiko müde wurde und die Räume größer. Natürlich sind wir unter Druck jetzt, ohne Frage. Wir müssen wenn möglich sechs Punkte holen aus den letzten beiden Spielen."

Marvin Plattenhardt (Deutschland): "Wir haben uns das anders vorgestellt, wir wollten natürlich gleich das erste Spiel gewinnen."

... über die Kritik von Hummels: "Er hat ein Stück weit schon recht. Der Gegner hat nur auf Konter gespielt, da ist es natürlich schwer, in Unterzahl hinten zu verteidigen. Wir waren phasenweise offen, das müssen wir in den nächsten Spielen ändern."

Juan Carlos Osorio (Trainer Mexiko): "Wir hatten einen Spielplan, den haben wir bereits vor sechs Monaten aufgestellt, schnell über Außen zu kommen. Hirving Lozano ist ein unglaublicher Stürmer, auch Miguel Layun. Wir haben uns sehr gut im Angriffsdrittel bewegt, haben sehr schnell umgeschaltet. Bei allem Respekt, aber wir waren sehr überlegen in der ersten Halbzeit."

Hirving Lozano (Torschütze Mexiko): "Ich bin sehr glücklich. Wir haben alles gegeben. Das ist das Resultat von harter Arbeit. Ich weiß nicht, ob es der größte Sieg Mexikos in der Geschichte ist, aber es ist sicher einer der größten."

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