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Kasper Schmeichel (r.) parierte gegen Kroatien drei Elfmeter, den entscheidenden von Ivan Rakitic nicht
Kasper Schmeichel (r.) parierte gegen Kroatien drei Elfmeter, den entscheidenden von Ivan Rakitic nicht © Getty Images
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Nischni Nowgorod und München - Kasper Schmeichel rettet Dänemark mit einem gehaltenen Strafstoß ins Elfmeterschießen - und glänzt dort. Aber Kroatiens Keeper Subasic gelingt Historisches.

Kasper Schmeichel kämpfte mit den Tränen. Trost spendete Leipzigs Yussuf Poulsen, doch der tragische Held der Dänen war untröstlich.

"Es ist alles ein bisschen scheiße. Wir haben so viel hineingesteckt und nichts daraus gemacht", haderte Schmeichel mit dem bitteren Achtelfinal-Aus bei der WM im Elfmeterschießen gegen Geheimfavorit Kroatien. (Spielplan und Ergebnisse)

Insgesamt drei Elfmeter parierte Schmeichel beim 3:4 (1:1, 1:1). Den ersten noch in der Schlussphase der Verlängerung gegen Luka Modric (116.), wodurch sich der Europameister von 1992 überhaupt erst ins Elfmeterschießen rettete. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

"Es war bitter für mich, den Elfmeter zu verschießen, weil ich den ganzen Vormittag damit verbracht hatte, zu studieren wie ich gegen Schmeichel am besten schieße", erklärte Modric, der später im Nervenspiel vom Punkt erneut antrat und Schmeichel nur mit viel Glück mit einem zentralen Schuss überlistete.

Die Versuche von Milan Badelj und Josip Pivaric wehrte der Sohn des dänischen Torwart-Idols Peter Schmeichel ab - allein, es half nichts.

Kroatiens Keeper Subasic schreibt WM-Geschichte

Denn Kroatiens Keeper Danijel Subasic gelang Historisches: Erst zum zweiten Mal in der WM-Geschichte zeigte ein Torhüter im Elfmeterschießen drei Paraden, das gelang zuvor nur Portugals Ricardo 2006 gegen England. Christian Eriksen, Lasse Schöne und Nicolai Jörgensen scheiterten an Subasic.

"Normalerweise sind unsere drei besten Schützen angetreten, aber sie haben nicht getroffen", sagte Dänemarks Trainer Age Hareide. "Es tut mir für das ganze Team leid, aber so brutal ist Fußball." Den entscheidenden Elfmeter verwandelte der Ex-Schalker Rakitic.

"Gott sei Dank war unser Torwart dreimal an der richtigen Stelle. Jetzt möchten wir das Turnier weiter genießne, ein Viertelfinale gegen den Gastgeber ist einfach unglaublich", sagte Rakitic mit Blick auf das Duell mit Russland am Samstag in Sotschi (20 Uhr im LIVETICKER).

Der dramatische Sieg lässt den WM-Dritten von 1998 jetzt vom ganz großen Wurf träumen. "Das war ein glückliches Drama, aber wir hatten es auch verdient", sagte der Coach: "Es war ein schwieriges Spiel, ein großartiger Kampf. Wir sind wieder zurückgekommen."

Turbulente Anfangsminuten

Das vierte K.o.-Spiel lieferte die bislang spektakulärste Anfangsphase in Russland, nie in der WM-Geschichte erzielten beide Teams so schnell jeweils ein Tor. Das Spiel lief gerade 58 Sekunden, als Mathias Jörgensen nach einem langen Einwurf von Jonas Knudsen und einem Zuspiel des Neu-Dortmunders Thomas Delaney aus dem Gewühl heraus traf. Kroatiens Torwart Danijel Subasic, der den Ball mit dem Fuß ins eigene Tor lenkte, machte keine glückliche Figur.

Die Führung währte nicht mal drei Minuten, und das zweite Tor hatte eine noch kuriosere Vorgeschichte als das erste: Henrik Dalsgaard wollte den Ball im Strafraum mit einem Befreiungsschlag klären, traf aber seinen Mit spieler Andreas Christensen im Gesicht. Mandzukic fiel der Ball vor die Füße, der Ex-Münchner schoss ihn ins kurze Eck.

Nach dem Ausgleich mussten sich beide Teams erst mal schütteln: Vor allem versuchten sie, ihre Defensivreihen zu ordnen und zu schließen. Das gelang ihnen recht gut. Vor allem die spielbestimmenden Kroaten schafften es nur noch selten bis in den Strafraum der Dänen.

Das Team mit den Bundesliga-Profis Delaney und Yussuf Poulsen setzte aber auch eigene Akzente und hatte die erste große Chance nach der hektischen Anfangsphase. Subasic war diesmal gegen Martin Braithwaite auf dem Posten.

Eriksen setzt Lupfer ans Lattenkreuz

Die Kreativabteilung der Kroaten mit "Chef" Modric (Real Madrid), Rakitic und Ivan Perisic (Inter Mailand) war gefragt, doch vor der Pause überzeugte nur Modric als Ballverteiler. Der Geheimfavorit auf den Titel, der mit drei Siegen durch die Vorrunde marschiert war, blieb spielbestimmend - doch Dänemark war näher dran an der Führung. In der 42. Minute traf Christian Eriksen, Spielmacher von Tottenham Hotspur und Chef im dänischen Team, mit einem genialen Heber von der Strafraumgrenze das Lattenkreuz.

Nach der Pause wurde das Spiel immer zäher. Die ungemein giftigen Dänen ließen den Kroaten kaum noch Luft zum Atmen. Von der Leichtigkeit, mit der das Team von Coach Zlatko Dalic etwa Argentinien mit 3:0 entzauberte, war nichts mehr zu sehen. Modric ließ sich immer weiter zurückfallen, um sich für eine sinnvolle Spieleröffnung Platz zu verschaffen, doch sogar dem hochgelobten Spielgestalter des Champions-League-Siegers fiel kaum etwas ein.

Beide Teams kamen in der regulären Spielzeit und der Verlängerung zwar noch zu Chancen, richtig zwingend war aber keine davon - bis Modric mit einem genialen Pass Frankfurts Pokalheld Ante Rebic in Szene setzte, den Torschütze Jörgensen von den Beinen holte. Doch Modric vergab den fälligen Elfmeter.

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