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SPORT1-Experte Thomas Strunz analysiert in seiner Kolumne das deutsche WM-Aus. Einen Umbruch mit Joachim Löw schließt er nicht aus, Toni Kroos spricht er Führungsqualitäten ab.

Hallo Fußball-Freunde,

das blamable WM-Aus beschäftigt uns alle noch immer - und wirft natürlich viele Fragen auf, vor allem auch zur Zukunft von Joachim Löw.

Meine Meinung dazu: Ein Umbruch mit ihm kann durchaus gelingen, der Bundestrainer ist in der Lage, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Aber wenn von tiefgreifenden Veränderungen die Rede ist, dann muss das Umfeld des Bundestrainers neu sein - oder eben doch der Bundestrainer selbst.

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Soll heißen: Entweder geht der Bundestrainer und Oliver Bierhoff  bleibt, oder umgekeht. Denn: Nach dieser WM ist die Position des Bundestrainers an dessen Zusammenspiel mit dem Nationalmannschaftsmanager geknüpft.

Bierhoff ist ja der starke Mann beim DFB, die Frage lautet deshalb: Welcher Trainer passt zu Bierhoff? Man stelle sich vor, eine polarisierende Figur wie Lothar Matthäus würde das machen...

Matthäus genießt hohes Ansehen und macht das im Fernsehen als Experte inzwischen richtig gut - er würde auch wollen. Miroslav Klose ist dagegen keine Option für das Löw-Erbe, schließlich ist ja bereits Mitglied des bestehenden DFB-Teams.

Für dessen schlechtes Abschneiden ist vor allem Löw verantwortlich: Er hätte schon Manuel Neuer nicht nominieren dürfen, denn damit hat er das Leistungsprinzip ad absurdum geführt.

Auch die Erdogan-Affäre wurde unterschätzt. Man hätte den Mut haben müssen, Ilkay Gündogan und Mesut Özil nicht zu nominieren. Man stelle sich mal vor, Thomas Müller oder Neuer hätten sich mit einem AfD-Politiker ablichten lassen.... Auch die DFB-Funktionäre haben in diesem Zusammenhang dem Ansehen Deutschlands geschadet.

Wenn dann der Eindruck entsteht, dass sich Özil im Nationalelf-Trikot nicht wohlfühlt, dann ist es für mich auch keineswegs polemisch, das zu sagen. 

Während des Turniers war schließlich die Fokussierung auf den nächsten Gegner nicht da. Die Motivation fehlte, allen voran bei Toni Kroos. Er ist einfach kein Leader, er ist nicht der Typ dazu. Und manchmal hat man das Gefühl, dass er im Interview Dinge sagt, die er eigentlich gar nicht sagen will.

An einem Wendepunkt sind wir meiner Meinung nach auch bei der Frage der Nachwuchsarbeit angelangt: Wo haben wir denn einen Kylian Mbappe oder einen Antoine Griezmann? 

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz ist als Experte im CHECK24 Doppelpass tätig. Der Europameister von 1996 wechselt sich in dieser Saison bei der sonntäglichen Doppelpass-Kolumne mit Reinhold Beckmann und Marcel Reif ab.

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