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München - Olympique Lyon mit Dzsenifer Marozsán dominiert den Fußball der Frauen in beispielloser Weise - weil der Klub konsequent auf Gleichberechtigung setzt.

Eine beispiellose Macht. Eine Dynastie. Das vielleicht beste Team des Planeten - nicht im Fußball der Frauen, nicht im Fußball, sondern überhaupt.

Kaum ein Superlativ war der New York Times groß genug, als sie im vergangenen Jahr einen näheren Blick auf das Team warf, das an diesem Sonntag der Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg auf dem Weg zum Triple im Weg steht.

Olympique Lyon mit der deutschen Ausnahmespielerin Dzsenifer Marozsán ist im vergangenen Jahrzehnt zum Maß der Dinge in ihrer Sportart angewachsen. 13 Mal in Folge gewannen sie die nationale Meisterschaft, in sechs der vergangenen neun Spielzeiten die Champions League.

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Die Strahlkraft des Projekts ist längst eine globale, auch die US-Stars Alex Morgan und Megan Rapinoe haben davon profitiert, ließen sich von ihren Heimatklubs in die Rhone-Alpen ausleihen, als Weiterbildungsmaßnahme - und schwärmten hinterher von den "perfekten" Bedingungen, die dort geherrscht hätten.

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Was steckt hinter dem phänomenalen Erfolg?

Megan Rapinoe verlor 2013 das Champions-League-Finale mit Lyon gegen Wolfsburg
Megan Rapinoe verlor 2013 das Champions-League-Finale mit Lyon gegen Wolfsburg © Getty Images

Olympique Lyon hat Frauen konsequent gleichgestellt

Früher und konsequenter als andere europäische Topklubs verordnete sich Lyon eine Philosophie, die die größtmögliche Gleichbehandlung der Männer- und Frauenteams vorsieht.

Die Frauen nutzen bei Lyon dieselben Trainingsstätten wie die Männer, bekommen dieselben Betreuungsmöglichkeiten, wurden im vergangenen Jahr auch mit einem Privatjet zum Finale geflogen - ein zweiter brachte Partner und Familie zu ihnen nach Budapest.

Auch der langjährige Klubboss Jean-Michel Aulas lebt das Credo vor, ist ebenso oft bei Männer- und Frauenspielen zu sehen. Dank der Investitionen des 71 Jahre alte Software-Unternehmers bezahlt Lyon den weiblichen Stars auch weit mehr Geld als üblich.

Ada Hegerberg, die derzeit verletzte Top-Stürmerin, soll immerhin um die 500.000 Euro pro Jahr verdienen. Die als resolute Kämpferin für Gleichberechtigung bekannte Norwegerin, die aus Protest über die Verhältnisse sogar die WM 2019 boykottierte, lobt ihren Klub, dass "er den Frauen die Rolle gegeben hat, die ihnen zusteht".

Ada Hederberg mit Präsident Jean-Michel Aulas
Ada Hederberg mit Präsident Jean-Michel Aulas © Getty Images

Mit Dzsenifer Marozsán zum Rekord

Das All-Star-Team lockte auch Maroszán an, die im Jahr 2016 die Bundesliga mit der Begründung verließ, dass in Lyon das "professionellste Team Europas" auf sie wartete.

Die Tochter des früheren ungarischen Nationalspielers János Marozsán zieht seitdem im Mittelfeld von Lyon die Fäden und trug entscheidend dazu bei, ihrem Heimatland die Führungsrolle im europäischen Fußball abzuluchsen.

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Mit Marozsán holte Lyon in den vergangenen drei Jahren seine Champions-League-Trophäen 4 bis 6, löste ihren Ex-Klub 1. FFC Frankfurt als Rekordsieger ab, jedesmal führte der Weg zum Triumph dabei auch über die Wolfsburgerinnen um Marozsáns DFB-Kollegin Alexandra Popp, 2018 waren sie Finalgegner, in den beiden anderen Jahren wurde das Siegerteam von 2013 im Viertelfinale ausgeschaltet.

In diesem Jahr schaffte es Lyon trotz der spürbaren Schwächung durch den Hederberg-Ausfall wieder ins Endspiel, räumte im Finalturnier in Spanien den FC Bayern und Ligakonkurrent Paris Saint-Germain aus dem Weg.

Dzsenifer Marozsan (M.) setzte sich mit Lyon im Halbfinale gegen PSG durch
Dzsenifer Marozsan (M.) setzte sich mit Lyon im Halbfinale gegen PSG durch © Getty Images

Fußball der Frauen lockte immer mehr Fans an

Marozsán hat erst im Juni bis 2023 bei Lyon verlängert, nachdem die Corona-Pandemie ihre Pläne durchkreuzte, in den USA bei den Utah Royals nochmal eine neue Erfahrung zu machen.

Die 28-Jährige dürfte auch so vor spannenden Zeiten stehen: Immer mehr europäische Topklubs haben sich vorgenommen, mit den Frauenteams einen ähnlichen Weg zu gehen wie Lyon.

Torhüterin Katriina Talaslahti (r.) von Olympique Lyon bei der Platzbesichtigung vor dem Viertelfinale gegen Bayern
Katriina Talaslahti (r.) von Olympique Lyon bei der Platzbesichtigung vor dem Viertelfinale gegen Bayern © Getty Images

Neben einem wachsenden gesellschaftlichen Druck und davon beeinflussten Förderprogrammen spielt dabei auch der Zuschauerboom eine Rolle, der vor Corona zu beobachten war: Frankreichs Top-Spiel zwischen Lyon und PSG lockte im vergangenen Jahr 26.000 Fans an, auch in England, Italien und Spanien gab es Rekordkulissen, nur an Deutschland zog der Trend vorbei.

In Spanien sahen dagegen 60.000 beim Ligaspiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Barcelona zu, im Wembley-Stadion 77.000 beim Länderspiel zwischen England und Deutschland - was Erinnerungen an die 90.000 Fans beim legendären WM-Finale 1999 in den USA weckte. Dort sind die Fußballerinnen bekanntlich über Jahrzehnte hinweg populärer gewesen als ihre männlichen Widerparts.

In Europa ist es trotz allem noch nicht ganz so weiter. Außer eben in Lyon.

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