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Nach dem holprigen Start der deutschen Nationalmannschaft schätzt SPORT1-Kolumnistin Julia Simic die Titelchancen ein. Der Ausfall von Dzsenifer Marozsán schmerzt.

Hallo Fußball-Fans,

ich muss zugeben, dass mich unser 1:0-Auftaktsieg gegen China auch nicht von meinem Sitz im Stadion gerissen hat.

Es war ein holpriges Spiel, die Chinesinnen waren aggressiv, wir hatten Dusel.

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Der allein wird uns heute im zweiten Spiel gegen Spanien nicht reichen (Frauen-WM: Deutschland - Spanien, ab 18 Uhr im LIVETICKER). Ich bin mir aber sicher, dass uns das Spiel gegen die Tiki-Taka-verliebten Spanierinnen entgegenkommt – vor allem unseren schnellen Flügelspielerinnen um Svenja Huth und Giulia Gwinn.

Nachdem, was ich bislang bei der WM gesehen habe, steht für mich fest, dass wir nicht der absolute Top-Favorit auf den Titel sind. Nationen wie England, Frankreich und die USA wirken gefestigter. Ich habe mich in den vergangenen Tagen jedoch mit vielen Vertretern anderer Nationen unterhalten. Dabei fiel mir auf, welch hohe Anerkennung Deutschland in der (Frauen-)Fußballwelt noch immer genießt und als Turniermannschaft gefürchtet ist. Vielleicht kann das sogar zu unserem Trumpf bei dieser WM werden.

Was sich übrigens feststellen lässt, ist, dass sich bei dieser WM spielstarke Mannschaften oft im Ballbesitz verzetteln und sich dabei immer schwerer tun, ihre Dominanz in Tore umzumünzen. Bei der Männer-WM in Russland war das auch so.

Umso mehr profitieren davon England, Frankreich und selbst die Chinesen mit ihren schnellen Spitzen. Deren Marschroute ist das vertikale und direkte Spiel nach vorne. Voraussetzungen für diesen erfolgreichen Fußball à la Jürgen Klopp sind pfeilschnelle Stürmerinnen, die den Raum hinter der Abwehr nutzen. Aber es braucht natürlich auch Spielerinnen, die in der Lage sind, diesen Raum mit präzisen und vertikalen Pässen zu bespielen. Zu beidem ist die deutsche Elf in der Lage, aber das muss sie heute gegen Spanien auch zeigen.

Umso bitterer ist der Ausfall von unserer Spielmacherin Dzsenifer Marozsán, denn die Champions-League-Siegerin von Olympique Lyon ist die technisch beste Spielerin im DFB-Team. Sie wird extrem fehlen, denn sie ist eine Spielerin, die für besondere Momente sorgen kann und hat eine der besten Schussqualitäten im Frauen-Fußball. Als Ersatz kämen Lina Magull vom FC Bayern oder Lena Goeßling vom VfL Wolfsburg in Frage.

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Kleine Anekdote: Als ich die Spielerinnen nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen China vor dem Mannschaftsbus getroffen habe, hatte ich fast das Gefühl, das wir das Spiel verloren hätten. Man konnte den Spielerinnen kaum ein Lächeln abgewinnen, dafür war die Enttäuschung über die gezeigte Leistung umso deutlicher sichtbar.

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Die Mädels, so mein Eindruck, wollen sich sogar ein bisschen zu sehr beweisen und allen zeigen, was sie können. Aber nur, weil sie um die große Chance wissen, mit einer erfolgreichen WM nachhaltig etwas bewirken zu können.

Umso wichtiger ist es daher, dass Fußball-Deutschland unsere Mannschaft weiterhin unterstützt. Auch, wenn das Auftaktspiel noch kein großes Feuerwerk war.

Julia Simic gilt als eine der bekanntesten deutschen Fußballerinnen. In der Frauen-Bundesliga lief die 30-Jährige insgesamt 186 Mal für Bayern München, Turbine Potsdam, den VfL Wolfsburg und zuletzt für den SC Freiburg auf (53 Tore). Mit den Wölfinnen wurde sie 2017 Deutscher Meister und gewann mit ihnen zweimal den DFB-Pokal. Ein weiteres Mal gelang ihr der Pokal-Coup mit den Bayern. Aufgrund schwerer Verletzungen absolvierte Simic für die deutsche Nationalmannschaft nur zwei Länderspiele. Für SPORT1 berichtet sie während der WM in Frankreich als Kolumnistin.

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