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Kurz vor Beginn der Frauen-WM meldet sich erstmals Julia Simic zu Wort. Ihren ersten Beitrag startet die SPORT1-Kolumnistin mit einem flammenden Appell.

Hallo Fußball-Fans,

eines vorweg: Ich freue mich, dass ich die Weltmeisterschaft der Frauen bei SPORT1 als Kolumnistin begleiten darf. Für mich eine Premiere, aber ich kann euch versprechen: Von mir wird es Klartext geben statt Phrasen.

Simic bei Frauen-WM live vor Ort

Persönlich bin ich übrigens schon im WM-Fieber, obwohl sich viele fragen: "Hä, WM?" Heute geht es jedenfalls mit dem Auftaktspiel Frankreich gegen Südkorea los. Morgen trifft die DFB-Elf in Rennes auf China. Ich werde mir das Spiel im Stadion live anschauen (Frauen-WM: Deutschland - China, Sa. ab 15 Uhr im LIVETICKER).

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Meine erste Kolumne möchte ich jetzt aber mit einem Appell an diejenigen in Fußball-Deutschland starten, die dem Frauen-Fußball immer noch nichts abgewinnen können: Akzeptiert endlich, dass wir Frauen auch Fußball spielen und das auch in Zukunft tun werden – ob ihr unsere Namen kennt oder nicht!

Uns begleitet ja seit jeher, dass wir auf dem medialen Radar sind, wenn eine WM oder EM stattfindet oder die Olympischen Spiele. Ansonsten kaum. Danach geht's immer ziemlich schnell zurück in den tristen Liga-Alltag. Das liegt auch daran, dass man es bisher noch nicht geschafft hat, das kurzzeitig aufflackernde Interesse in den Liga-Alltag mitzunehmen.

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Dieses Mal habe ich aber ein besseres Gefühl. Daher auch ein Hoch auf alle Sponsoren und Unternehmen, die pünktlich zur WM emotionale Werbespots produziert haben – mit Gänsehaut-Potential. Vor allem der Werbespot von der Commerzbank. Das soll jetzt keine Schleichwerbung sein, aber ich finde die Botschaft darin klasse.

Diese lautet: Wir wollen endlich ernst genommen werden!

Klar, der Vergleich zwischen Frauen und Männern ist mühsam, da wir rein physisch niemals auf einem Level sein werden. Aber junge Spielerinnen sollen auch von vollen Stadien träumen dürfen. Von großen Medienauftritten. Allerdings müssen sie dafür auch selbst ein bisschen mehr tun.

"Mädels müssen sich immer noch rechtfertigen"

Der Weg zur Nationalspielerin ist verglichen mit dem Werdegang der männlichen Kollegen ja auch mit ganz anderen Hindernissen verbunden. Während den Jungs viel Bewunderung auf ihrem Weg nach oben entgegen gebracht wird, müssen wir Mädels uns häufig immer noch dafür rechtfertigen und erklären, warum wir eigentlich Fußball spielen.

Es geht im Vergleich zwischen Männer- und Frauen-Fußball gar nicht um die Frage des finanziellen Ausgleichs. Es geht uns um viel mehr: Anerkennung.

Im Ausland stelle ich fest, dass durch die weibliche Sport-Szene längst ein Ruck geht. In Spanien werden Spiele in der ersten Männer-Liga verlegt, damit das Champions-League-Finale der Frauen live verfolgt werden kann. Die Fußballerinnen von Juventus Turin gewinnen in einem Ligaspiel vor einer Rekordkulisse von 39.000 Zuschauern gegen den AC Florenz.

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Ich selbst habe mit West Ham United im FA-Cup-Finale vor 43.000 Fans gespielt. In Norwegen werden den Nationalspielerinnen die gleichen Prämien wie den männlichen Kollegen gezahlt. In den USA sind Spielerinnen sogar erfolgreich gegen ihren Verband vor Gericht gezogen, um auf gleiche Zahlung und Behandlung zu klagen.

In England wurde die Bekanntgabe des Frauen-WM-Kaders übrigens von berühmten Persönlichkeiten übernommen. So wurde den Spielerinnen ihre Nominierung in Form von kleinen Videobotschaften durch Prinz William, David Beckham oder Emma Watson mitgeteilt.

Simic fordert Gleichheit

Der Tenor all dieser medienwirksamen Maßnahmen: Gleichheit. Davon sind wir in Deutschland noch ein ganzes Stück entfernt.

Für mich steht fest, dass es unsere Mädels verdient haben, nachhaltig Aufmerksamkeit zu bekommen, weil jede Spielerin eine tolle Geschichte zu erzählen hat. Meiner Meinung nach sollte man dieses Potential mehr nutzen und die Spielerinnen selbst können sich auch noch mehr als Marke darstellen, als sie es bislang tun – wenn sie es denn überhaupt wollen. Die Geschichten hinter den Spielerinnen ziehen in England total.

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Zwei DFB-Mädels, die ihr euch auf jeden Fall merken solltet und denen ich zutraue, dass sie ihr Star-Potential nutzen, sind Lina Magull und Giulia Gwinn.

Vielleicht treffen sie ja Samstag zum WM-Auftakt. Mein Tipp: 2:0 für uns.

Bis zum nächsten Mal,
Eure Julia Simic

Julia Simic gilt als eine der bekanntesten deutschen Fußballerinnen. In der Frauen-Bundesliga lief die 30-Jährige insgesamt 186 Mal für Bayern München, Turbine Potsdam, den VfL Wolfsburg und zuletzt für den SC Freiburg auf (53 Tore). Mit den Wölfinnen wurde sie 2017 Deutscher Meister und gewann mit ihnen zweimal den DFB-Pokal. Ein weiteres Mal gelang ihr der Pokal-Coup mit den Bayern. Aufgrund schwerer Verletzungen absolvierte Simic für die deutsche Nationalmannschaft nur zwei Länderspiele. Für SPORT1 berichtet sie während der WM in Frankreich als Kolumnistin.

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