vergrößernverkleinern
Bundestrainer Christian Prokop schwört bei der Handball-EM seine Spieler ein
Bundestrainer Christian Prokop schwört seine Spieler ein © Getty Images
teilenE-MailKommentare

Deutschland verpasst gegen Mazedonien in letzter Sekunde den Gruppensieg. Dank der Ergebnisse der Konkurrenz bleibt das Halbfinale dennoch in Reichweite.

Bundestrainer Christian Prokop nuckelte nach einem weiteren Handball-Krimi enttäuscht an seiner Trinkflasche, seine Spieler blickten betreten auf den Boden: Der verpasste Gruppensieg bei der EM in Kroatien lässt den Titelverteidiger ratlos zurück.

Durch das 25:25 (12:11) gegen Mazedonien sind die Medaillenchancen der Bad Boys zwar leicht gesunken. Weil aber auch die Konkurrenz schwächelt, hat das DHB-Team im Kampf um eine EM-Medaille alles noch in der eigenen Hand.

"Wir haben weiter alle Optionen, müssen jetzt aber Vollgas geben", sagte Prokop nach der Partie. Nach dem klaren Sieg der Slowenen gegen Montenegro (28:19) nimmt das deutsche Team zwei Punkte mit in die Hauptrunde.

Dort trifft der Titelverteidiger am Freitag auf Außenseiter Tschechien, am Sonntag auf Olympiasieger Dänemark (beide 18.15 Uhr) und am Mittwoch auf Ex-Weltmeister Spanien (20.30), die allesamt ebenfalls zwei Zähler mit in die nächste Turnierphase bringen.

Mazedonien (3 Punkte) hat die beste Ausgangslage, Slowenien (1 Punkt) die schlechteste.

"Wir hatten die Chance auf den Sieg, spielen es aber zu undiszipliniert in der letzten Szene", sagte Prokop in der ARD mit Blick auf den letzten deutschen Angriff, der nicht zum erhofften Sieg führte.

Dabei hatte Torhüter Silvio Heinevetter mit einer sensationellen Parade gegen Kreisläufer Stojanche Stoilov 13 Sekunden vor Schluss die Chance auf den zweiten Turniersieg ermöglicht.

Schon in dieser Szene hatte das Team sich nicht gut an die Vorgaben Prokops gehalten.

Im Anschluss spielte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) die letzte Aktion dann schlecht aus. 

In Überzahl passten Prokops Mannen den Ball ganz nach rechts an den Kreis zu Patrick Groetzki, der dann durch ein Foul gestoppt wurde. Mit dem letzten Freiwurf aus spitzem Winkel scheiterte Steffen Fäth dann an der mazedonischen Mauer.

Weber hadert mit Ende gegen Mazedonien

"Wir spielen das zu undiszipliniert in der letzten Szene. Der Plan ist, dort, wo der Ball ist, eine Entscheidung zu suchen. Ob im Rückraum oder vor allem auch über den Kreis, vielleicht auch über Uwe (Kapitän Gensheimer, d.Red.), der eine sehr gute Hand hatte. Aber ein Diagonalpass war von den Optionen sicherlich die schlechteste heute."

Hanning: "Sieg leichtfertig vergeben"

"Ich bin einfach unglaublich sauer gerade", schimpfte Torwart Andreas Wolff. Und DHB-Vizepräsident Bob Hanning kritisierte: "Die letzte Aktion war einfach nicht gut genug. Da haben wir den Sieg leichtfertig vergeben."

Der kurzfristig nachnominierte Finn Lemke blickte da schon nach vorne: "Jetzt geht das Turnier erst richtig los. Jetzt kommt die heiße Phase. Ich hab' richtig Bock auf die Hauptrunde. Das werden coole Spiele. Dänemark ist geil, Spanien macht immer Spaß und Tschechien ist eine Wundertüte."

Die Qualifikation fürs Halbfinale haben Lemke und Co. trotz der zwei Unentschieden in der Vorrunde noch in der eigenen Hand.

"Vor zwei Jahren hat man gesehen, was mit zwei Punkten möglich ist", sagte Kreisläufer Patrick Wiencek und spielte damit auf den sensationellen EM-Triumph in Polen an. Auch damals hatte das deutsche Team vor der Hauptrunde dieselbe Ausgangssituation.

Für den nächsten großen Wurf muss sich der Titelverteidiger aber steigern. Gegen Mazedonien setzte Prokop im Tor wieder auf Wolff, Lemke durfte erstmals nach gut drei Minuten ran. 

Wie schon die Slowenen zwei Tage zuvor erwischte auch Mazedonien die deutsche Mannschaft zunächst auf dem falschen Fuß. Das Team vom Balkan spielte von Beginn an jeden Angriff mit dem zusätzlichen Feldspieler aus und zog die massive deutsche Deckung so auseinander.

Licht und Schatten wechseln sich ab

Im Angriff leistete sich die DHB-Auswahl einige Fehlwürfe und technische Fehler. Die Folge war ein 2:5-Rückstand gegen den Außenseiter. (8.).

Doch dann steigerte sich Wolff immer weiter, Lemke stabilisierte den Mittelblock und brachte viel Emotion ins Spiel. Mit Worten und Gesten riss der Melsunger seine Mitspieler mit.

So verwandelte der mit neun Europameistern angetretene Olympia-Dritte einen 5:7-Rückstand (16.) mit fünf Toren in Folge in eine 10:7-Führung (22.), auch weil der wurfgewaltige mazedonische Topstar Kiril Lazarov in der ersten Halbzeit nur zwei seiner acht Versuche verwandelte.

"Wir haben nicht gut begonnen. Aber wir haben dann mehr Sicherheit bekommen und einfache Tore gemacht", sagte Kapitän Uwe Gensheimer in der Halbzeitpause.

Allerdings wechselten beim DHB-Team auch nach dem Wechsel Licht und Schatten. Im Angriff wurden einige Aktionen zu überhastet abgeschlossen. Nach einer missglückten Aktion von Julius Kühn in Überzahl schlug DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor Entsetzen die Hände vors Gesicht.

Weinhold mit acht Treffern

Prokop trieb seine Mannschaft immer wieder lautstark an und reagierte: Beim 16:19 (42.) brachte er Silvio Heinevetter für Wolff ins Tor und nahm eine Auszeit.

"Wir müssen die Ruhe bewahren und brauchen mehr Überzeugung in unseren Aktionen", sagte der Bundestrainer. Seine Mannschaft setzte die Vorgabe zunächst um und glich durch Kreisläufer Hendrik Pekeler zum 20:20 (49.) aus, der starke Weinhold sorgte mit seinem achten Treffer für die erste Führung seit dem Seitenwechsel (51.).

Es entwickelte sich eine umkämpfte Schlussphase, Patrick Wiencek leitete mit einer starken Defensivaktion den Treffer von Patrick Groetzki zum 24:23 ein (57.). Doch es blieb spannend, Mazedonien glich erneut aus (25:25/58.). Heinevetter rettete in der Schlussminute wenigstens einen Zähler.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image