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Christian Prokop kämpft um seinen Job als Bundestrainer
Christian Prokop kämpft um seinen Job als Bundestrainer © Getty Images
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München und Wien - Der Bundestrainer reagiert gereizt auf die Debatte um seine Person. Nach dem Sieg über Österreich fordert er, sein Team nicht nur aufgrund nackter Zahlen zu beurteilen.

Das große Ziel hatten die deutschen Handballer schon vor dem vorletzten Hauptundenspiel bei der EM gegen Österreich verpasst.

Dass es in dieser Partie aber sehr wohl noch um sehr viel ging, war vor allem Christian Prokop anzumerken. Viel wurde vor dem Nachbarschaftsduell über seine Zukunft diskutiert.

Umso kämpferischer zeigte sich Prokop nach dem überlegenen 34:22-Sieg. Von der Diskussion um seine Person habe er nur deswegen etwas mitbekommen, weil er viele Freunde habe, die nachfragten, was da los sei, sagte er in der ARD. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-EM)

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Prokop: "Das ist schon sehr bitter"

"Ich finde es schon ein Unding (...). Ich kann vieles verstehen, wenn man einen Trainer infrage stellt", erklärte der 41-Jährige: "Aber wenn man gegen Kroatien so einen Fight hinlegt und am Ende unglücklich verliert, wenn man sieht, was für eine kurze Vorbereitungszeit wir hatten, wie viele Spieler sich einspielen mussten und sich gesteigert haben von der Vorrunde über die Trainingseinheiten bis in die Hauptrunde - und dann wird das Thema aufgemacht? Das ist schon sehr bitter." 

Entscheidend in der Bewertung des Turniers sei für ihn weniger das nackte Resultat als die Erkenntnis, "wie die Mannschaft sich zerreißt, die deutschen Fans mitnimmt. Das haben wir in zwei Spielen in der Hauptrunde hervorragend gemacht".

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Einige Minuten später äußerte sich Prokop, für den ARD-Experte Dominik Klein "öffentliche Rückendeckung" forderte, in einer weiteren Presserunde ähnlich. Wenn man von den Diskussionen erfahre, "ist man schon nachdenklich und unruhig, und dann ist es keine schöne Situation zu coachen".

Er "finde es völlig überflüssig, wenn ich das ehrlich sagen kann. Wir haben gegen Kroatien mit einem Tor verloren, nach einem riesigen Kampf - ist das in Deutschland der Maßstab, dass danach der Trainer infrage gestellt wird, wenn man Kroatien nicht schlägt? Dann muss ich das so hinnehmen, ich glaube aber nicht."

Hanning fühlt sich falsch zitiert

DHB-Vizepräsident Bob Hanning hatte die Diskussionen um Prokop auch mit angestoßen, fühlte sich aber im Nachhinein aber falsch zitiert. Vor dem Spiel gegen Österreich habe er nicht gesagt, "wir müssen sehen, was die Mannschaft mit dem Trainer macht", sondern "was die Mannschaft und der Trainer macht. Das ist der Unterschied in der Formulierung", stellte er in der ARD klar.

Allerdings bekam SPORT1 vom Sportinformationsdienst (SID) noch einmal die Bestätigung, dass Hanning das Wort "mit" benutzt hat.

Später erklärte sich Hanning so: "Mannschaft und Trainer müssen ein gutes Turnier spielen und sich präsentieren, dass sie ein gutes Gefühl haben. Was ist daran falsch? Das ist doch ein völlig richtiger Satz zu einer richtigen Situation. Natürlich kann man den Satz deuten, wie man ihn deuten will. Aber dann muss man schon sehr böswillig sein und genau diesen Teil rausnehmen aus einem Gesamtkontext. Man muss nur alle Interviews dazu lesen und dann man weiß man genau, wie ich dazu stehe."

DHB-Stars stärken Prokop

Die Spieler stärkten Prokop den Rücken, als sie in der Mixed Zone auf Hannings Zitat angesprochen wurden. "Ich denke, dass die Mannschaft den Trainer behalten will, wenn sie mit zwölf Toren gewinnt", erklärte Andreas Wolff auf SPORT1-Nachfrage.

Timo Kastening, gegen Österreich mit sechs Toren Deutschlands treffsicherster Schütze, ergänzte: "Das (die Frage nach dem Trainer, Anm. d. Red.) haben wir ja entschieden. Eindrucksvoll."

Und Matchwinner Johannes Bitter betonte: "Die Gemeinschaft zwischen Mannschaft und Trainer steht, egal was passiert. Wir sind wieder perfekt vorbereitet worden. Für uns stellt sich überhaupt keine Trainerfrage, null."

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Hanning plädiert weiter für detaillierte Analyse

Dass das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer intakt ist, betonten auch Hanning und Oliver Roggisch unisono.

"Die Mannschaft konnte immer mit dem Trainer", sagte Hanning: "Die Mannschaft hat nicht einmal nicht mit dem Trainer gekonnt. Es hat auch nie irgendeiner irgendwas irgendwie gesagt. Nicht mal im Nebensatz."

Von der detaillierten Analyse der Situation, die er schon in den vergangenen Tagen für die Zeit nach der EM angekündigt hatte, wollte Hanning allerdings ebenso nicht abweichen wie Roggisch.

"Wir wollten ins Halbfinale. Das haben wir nicht erreicht, darüber müssen wir sicherlich sprechen", erklärte der Teammanager: "Aber da gehören auch alle dazu."

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