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Hannover und München - Die deutsche Nationalmannschaft feiert kurz vor Beginn der Heim-WM einen Sieg gegen Tschechien. Vor allem die Offensive überzeugt.

Erst versammelte Kapitän Uwe Gensheimer seine Teamkollegen um sich und redete eindringlich auf sie ein, dann genossen die deutschen Handballer die Standing Ovations der Fans in Hannover. In einem WM-Härtetest mit viel Licht und etwas Schatten hat die Nationalmannschaft sechs Tage vor der Heim-WM Selbstvertrauen getankt und Vorfreude bei den Fans geschürt. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop gewann gegen Tschechien nach einem gelungenen Schlussspurt 32:24 (17:13) - einige Schwächen konnten sie verschmerzen.

Kapitän Uwe Gensheimer war mit zehn Treffern der beste Torschütze für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) und ging damit schon während dem Spiel in der mit 9967 Zuschauern ausverkauften Hannover-Arena als Leader voran. Beim EM-Sechsten Tschechien trafen Ondrej Zdrahala und Dieudonne Mubenzem (je 5) am häufigsten.

Prokop sieht wichtige Erkenntnisse

"Wir sind sehr positiv, das Spiel hat auch wichtige Erkenntnisse gebracht. Wir haben uns aus Schwächephasen immer wieder rausgekämpft, das war sehr wichtig", sagte Prokop in der ARD, und Gensheimer meinte: "Wir sind mit viel Lust in das Spiel gegangen, als wir die Atmosphäre gespürt haben. Wir hatten noch die ein oder anderen Abstimmungsprobleme, aber an den Kleinigkeiten arbeiten wir. Wir haben sehr viel Potenzial im Team."

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Bis zum Auftaktspiel am 10. Januar in Berlin (Alle Infos zur Handball-WM 2019) gegen ein vereintes Korea-Team wartet noch viel Arbeit auf Prokop und seine Spieler. "Wir waren alle ein wenig nervös, solche Fehler dürfen wir uns bei der WM nicht erlauben, da wird das noch härter bestraft", sagte Patrick Wiencek mit Blick auf die Phasen, in denen sich das Team mit einer Anhäufung von zum Teil leichten Fehlern das Leben schwer machte.

Auch Hendrik Pekeler schlug in die gleiche Kerbe. "Man hat bei den Jüngeren, vor allem bei Franz (Semper, Anm. d. Red.) gesehen, dass da ein wenig Nervosität dabei war. Das darf in der Häufigkeit nicht passieren."

Die WM-Generalprobe findet am Sonntag (ab 14 Uhr im LIVETICKER) in Kiel im Testspiel gegen Argentinien statt. Danach wird Prokop seinen Kader von 18 auf 16 Spieler kürzen.

Kaderentscheidung wird schwer

Bezüglich der Kaderreduzierung wollte sich der Bundestrainer auch nach dem vorletzten Test noch nicht in die Karten schauen lassen. "Es geht um die Eindrücke in den letzten Tagen und aus diesem Spiel. Aber natürlich sind es auch taktische Erwägungen. Es ist eine schwere Entscheidung", so Prokop weiter in der ARD.

Heinevetter überzeugt nach dem Wechsel

Die deutsche Mannschaft startet in ihr erstes Länderspiel des neuen Jahres hochmotiviert - aber auch sichtlich nervös. Selbst Kapitän Uwe Gensheimer, der nach dem Weihnachtsfest von Topklub Paris St. Germain zum Team stieß, unterliefen Anfangs ungewohnte Fehler. Zwei Großchancen ließ der Weltklasse-Linksaußen in den ersten sechs Minuten aus.

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Auch Torhüter Andreas Wolff, dem Bundestrainer Prokop auch bei der Weltmeisterschaft den Vorzug vor Silvio Heinevetter geben will, verließ nach einigen starken Paraden zu Beginn das Spielglück. Fortan bekam Heinevetter seine Bewährungschance, der Berliner überzeugte vor allem in der zweiten Halbzeit. Die Abwehr agierte zwar aggressiv, ließ aber auch zu viele Siebenmeter und Zeitstrafen zu.

Deutschland dreht am Ende auf

Die Tschechen, die ohne den inzwischen zurückgetretenen Welthandballer Filip Jicha antraten, waren keineswegs als Aufbaugegner gekommen und hielten gut dagegen. Zum Ende der ersten Halbzeit funktionierte aber das Aufbauspiel aus dem Rückraum deutlich besser, der Lohn war eine zwischenzeitliche Fünf-Tore-Führung.

Nach dem Seitenwechsel startete die deutsche Mannschaft aber ähnlich schläfrig wie zu Beginn und ließ den Gegner wieder herankommen. Mit leichtfertigen Ballverlusten, Abspielfehlern und Fehlwürfen machten sich die DHB-Spieler das Leben selbst schwer. Entsprechend energisch sprach Bundestrainer Prokop die Fehler bei seinen Auszeiten an. Danach lief es im deutschen Spiel deutlich besser. Erst in den letzten Minuten bekam das DHB-Team die löchrige Abwehr geschlossen und schloss einige Gegenstöße erfolgreich ab.

In dieser Phase konnte man sehen, dass Deutschland deutlich auf schnelles Umschlaten setzt - selbst bei Gegentreffern. Insgesamt versuchte das Team aggressiv zu Werke zu gehen, was manchmal zu Zeitstrafen und Lücken in der Defensive führte, aber auch zu leichten Gegenstößen.

Vor allem Silvio Heinevetter befürwortet die aggressive Herangehensweise. "Es ist wichtig, dass wir Emotionen reinkriegen ins Spiel. Dann sind wir stark."

Korea auf Friedensmission

Während die deutsche Mannschaft gegen Tschechien testete, absolvierte Auftaktgegner Korea an Freitag ein öffentliches Training. Dabei betonten Spieler und Trainer aus Nord- und Südkorea, dass sie bei der WM im ehemals geteilten Deutschland auch auf einer Friedensmission seien. "Mit dem Fall der Mauer ist man den Weg des Friedens gegangen. Deshalb möchten wir als gemeinsames Team zeigen, dass wir als Koreaner auch diesen Weg gehen können", sagte Cheftrainer Cho Young Shin.  

"Beim ersten Treffen haben wir noch etwas gefremdelt", gab Kapitän Jung Su Young zu. Sein nordkoreanischer Teamkollege Ri Song Jin erzählte aber von einem Kennenlernabend, "seitdem sind wir in Freundschaft verbunden."

Hier zum Handball-WM Spielplan

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