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München - Uwe Gensheimer ist das Gesicht des DHB-Teams und Deutschlands Vorzeigehandballer. Nur ein internationaler Titel fehlt ihm noch. Bei der Heim-WM soll sich das ändern.

Kaum ein anderer Handballspieler dürfte hierzulande so eine Popularität genießen wie Uwe Gensheimer. Er ist der einzige Weltstar, der aktuell aus Deutschland kommt. Ihn erkennen die Menschen auf der Straße und folgerichtig ist er für die Fans auch das Gesicht der Heim-WM 2019. (Handball-WM: Korea - Deutschland am Donnerstag, 18.15 Uhr im LIVETICKER)

Er soll vorangehen und mit dafür sorgen, dass sich das Wintermärchen von 2007 wiederholt und Deutschland erneut im eigenen Land den Titel holt. (Alle Infos zur Heim-WM 2019)

Aber nicht nur für die Handball-Fans ist dieses Turnier ein Besonderes. Gerade für Gensheimer dürfte die Weltmeisterschaft einen Stellenwert einnehmen, den man sich als Außenstehender nur schwer vorstellen kann.

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Nur Zuschauer beim Wintermärchen 2007

Beim Wintermärchen war der Linksaußen bereits Nationalspieler. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft feierte er 2005. Aber beim Turnier reichte es für den damals 20-Jährigen nicht in den endgültigen Kader.

So verfolgte er den denkwürdigen 29:24-Finalsieg gegen Polen auf der Tribüne. Natürlich jubelte auch Gensheimer wie alle Zuschauer. Aber er war eben nur Zuschauer. "Das Finale war der Wahnsinn. Wobei ich neben der Gänsehaut auch gemischte Gefühle hatte. Ich hätte viel lieber auf dem Feld gestanden", erinnert er sich bei Handball Inside.

Rückschläge im DHB-Team

Es sollte ein Vorgeschmack auf seine weitere Karriere in der Nationalmannschaft werden, die er seit 2014 sogar als Kapitän aufs Feld führt. Immer nah dran, aber beim Feiern ist der Linksaußen mit dem Zauber-Handgelenk, mit dem er Trickwürfe drauf hat, die kaum ein anderer Handballer auf diesem Planeten so fabriziert, nur Nebendarsteller.

Beim enttäuschenden Achtelfinal-Aus gegen Katar bei der WM 2017 in Frankreich musste er ebenso vor den Kameras seinen Kopf hinhalten wie beim Hinrunden-Aus bei der EM ein Jahr später.

Aber Gensheimer ist nicht der Typ, der kneift. Er hat sich vor sein Team gestellt und die Last der Verantwortung auf sich genommen. Bundestrainer Christian Prokop glaubt, dass all das Gensheimer nur noch stärker gemacht hat. "Uwe hat speziell nach dem letzten Turnier sehr viel reflektiert und vieles zum Positiven verändert", sagte er dem SID: "Er ist ein offener Kapitän, der für jeden Spaß zu haben ist, aber auch immer ein offenes Ohr für Sorgen hat."

Auch den EM-Titel 2016 verpasst

Umso enttäuschender war es für ihn, dass er ausgerechnet beim größten Erfolg des DHB in den Jahren seit dem Wintermärchen nicht dabei war. Bei der EM 2016 in Polen führte Coach Dagur Sigurdsson die Bad Boys sensationell zum Titel.

Gensheimer war allerdings da, wo er auch schon 2007 war – auf der Tribüne, diesmal wegen einer Verletzung.

Trotz Tribünenplatz - Uwe Gensheimer hat beim EM-Titel 2016 mitgefiebert
Trotz Tribünenplatz - Uwe Gensheimer hat beim EM-Titel 2016 mitgefiebert © https://www.instagram.com/uwegensheimer/?hl=de

Weltklasse ohne großen internationalen Titel

So kommt es zu der kuriosen Situation, dass der wohl beste Linksaußen der Welt auf Vereinsebene zahlreiche Meisterschaften und nationale Pokale gewonnen hat und als Toptorjäger vom Dienst auch immer Leistungsträger war - große internationale Titel hat der gebürtige Mannheimer aber noch nicht im Trophäenschrank stehen. Lediglich den zweitklassigen EHF-Pokal 2013 mit den Rhein-Neckar Löwen.

Auch bei Paris Saint-Germain, seinem aktuellen Verein, ist aus dem großen Traum vom Titel in der Champions League (noch) nichts geworden. Dabei war das einer der Hauptgründe, nach 13 Jahren seine Rhein-Neckar Löwen zu verlassen.

Kehrmann: "Wir brauchen keinen Teamleader"

Aber in diesem Jahr will es Gensheimer nochmal wissen. Ein Titel mit dem DHB-Team im eigenen Land, das wäre für ihn das Größte. "Die Nationalmannschaft hat einen sehr großen Stellenwert in meinem Leben. Das Team für sein Land auf das Feld führen zu dürfen, ist etwas ganz Großes", weiß Gensheimer die große Ehre zu schätzen. Nun hofft er, dass "wir ganz Deutschland wieder elektrisieren können".

Ein Spieler, der 2007 auf dem Feld stand und weiß, wie sich ein WM-Titel im eigenen Land anfühlt, ist Florian Kehrmann. Im SPORT1-Interview versuchte er etwas Druck von den Schultern des Kapitäns zu nehmen.

"Wir brauchen keinen Teamleader. Wir haben so ein unglaublich gutes Kollektiv, so eine unglaublich gute Mischung, dass man die Betrachtung der Mannschaft nicht auf eine Person beschränken sollte", erklärte der 41-Jährige, der zugleich dennoch anmerkte: "Uwe ist unbestritten einer der besten Linksaußen der Welt. Er wird die Mannschaft sicherlich in gewissem Maße führen."

Mit Fleiß zum Erfolg

Gensheimers ganz persönliches Ziel ist in diesem Jahr das Halbfinale. Doch bei allem Druck: Er hat in seiner Karriere gelernt, dass man immer einen Schritt nach dem anderen machen muss. "Wir haben in der Vergangenheit leider den Fehler gemacht, zu weit hinauszuschauen."

Das will er diesmal unbedingt vermeiden - und trainierte dafür hart wie eh und je. "Ich arbeite immer an mir und an meinen Würfen", berichtete Gensheimer. Schließlich habe er den Anspruch, "dieses Niveau zu halten".

Denn nur mit einem Gensheimer in Weltklasseform hat der DHB die Chance auf den zweiten Titel bei einer Heim-WM. Für den unvollendeten Anführer wäre es dann der erste große internationale Titel und das Ende einer langen Reise. Begonnen hat sie 2007, 2019 soll sich der Kreis schließen.

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