Copa Libertadores: Argentinien heiß auf Jahrhundert-Finale
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München - Beim 1. FC Nürnberg wird Javier Pinola zur Legende, nun steht er auch in seiner argentinischen Heimat vor dem letzten Schritt in die Unsterblichkeit.

Zehn Jahre lang beackerte Javier Pinola die linke Außenbahn des 1. FC Nürnberg und spielte sich durch seine hitzige Spielweise in die Herzen der Fans. 

2015 gab die Vereinsführung um den damaligen Sportvorstand Martin Bader bekannt, dass der auslaufende Vertrag des argentinischen Publikumslieblings nicht verlängert wird. 

Drei Jahre später scheint "El Pelado" (deutsch: der Glatzkopf, Anm. d. Redaktion) so stark wie nie. Der 35-Jährige ist bei River Plate in seiner Heimat unumstrittener Stammspieler und steht nun unmittelbar vor dem größten Triumph seiner Karriere. 

Vor dem heiß erwarteten Superclasico zwischen River Plate und Boca Juniors im Finale der Copa Libertadores (Sa. ab 20.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im Stream) erzählt SPORT1 die märchenhafte Geschichte des Javier Horacio Pinola.

"Robin Hood ist ein Dreck dagegen"

Pinolas Durchbruch in Deutschland datiert aus dem Jahr 2005. Als 22-Jähriger wechselte der Argentinier vom spanischen Top-Klub Atletico Madrid zunächst auf Leihbasis nach Nürnberg.

Sein erstes Tor im Club-Trikot erzielte er ausgerechnet im Derby gegen den FC Bayern, als er Oliver Kahn mit einem Freistoß aus knapp 30 Metern tunnelte.

Insbesondere sein giftiges Auftreten sorgte dafür, dass die Nürnberger Fans ihn schnell ins Herz schlossen. In 287 Spielen sammelte er insgesamt 87 gelbe Karten und vier Platzverweise. Als ihn Hans Meyer zwei Jahre später in einem Spiel nach 20 Minuten stark gelb-rot-gefährdet vom Feld nahm, warf er seinem Trainer sein Trikot vor die Füße. 

Dass der vom südamerikanischen Temperament geprägte Pinola stets über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügte, was ihn zu teils heftigen Diskussionen mit den Schiedsrichtern verleitete, kommentierte Meyer einst mit den Worten: "Robin Hood ist ein Dreck dagegen."

Nürnberg liegt "Amigo Pino" zu Füßen

2007 feierte Pinola mit dem Gewinn des DFB-Pokals seinen bisher größten Erfolg. Im Finale gegen den VfB Stuttgart (3:2 n.V.) lieferte er die Vorlage zum 2:1. Im Anschluss kürte ihn der Kicker zum besten Außenverteidiger der Bundesliga.

Knapp zwölf Monate später stand "Amigo Pino" nach dem Abstieg aus der Bundesliga weinend vor der Fankurve. Zu diesem Zeitpunkt deutete vieles darauf hin, dass es der letzte Auftritt des damals 25-Jährigen für die Franken war. Doch die Club-Fans riefen die Aktion "Pinola-muss-bleiben" ins Leben. Innerhalb kürzester Zeit sprachen sich über 22.500 Fans für den Verbleib des Publikumslieblings aus.

Pinola zeigte sich gerührt und schlug Angebote von Champions-League-Teilnehmern wie dem FC Schalke aus. Der Argentinier trat den bitteren Gang in die zweite Liga an und hatte maßgeblichen Anteil am Wiederaufstieg.

Sieben weitere Jahre lang erlebte Pinola sämtliche Höhen und Tiefen im Club-Trikot, ehe im Jahr 2015 endgültig beschlossen wurde, den Vertrag mit dem inzwischen 32-Jährigen nicht noch einmal zu verlängern.

Das Kapitel Nürnberg endete für Pinola, inzwischen zum Innenverteidiger umgeschult, fast schon klassisch mit einer gelb-roten Karte gegen 1860 München.

Auch heute schallt noch "Pinola! Pinola! Pinola!" durch das Nürnberger Max-Morlock-Stadion, wenn er mal wieder in der Stadt zu Gast ist, die ihm nach eigener Aussage genauso viel wert ist wie seine argentinische Heimat.

Spätes Comeback in der Nationalmannschaft

Als Pinola im Alter von 32 Jahren zum argentinischen Erstligisten CA Rosario wechselte, dachten viele, dass er seine Karriere in seiner Heimat ausklingen ließe.

Doch Pinola wollte es noch einmal wissen und avancierte auf Anhieb zum besten Innenverteidiger der Liga. Er feierte sogar sein Comeback in der Nationalmannschaft und wechselte zum Top-Klub River Plate.

Dort gilt der einstige Hitzkopf inzwischen als Musterprofi, ist unumstrittener Führungsspieler und geht vor jedem Training eine Stunde in den Kraftraum.

Zwei Spiele bis zur Ewigkeit?

Jetzt ist er nur noch zwei Spiele von der Ewigkeit entfernt. Im Finale der Copa Libertadores kommt es am Wochenende ausgerechnet zum argentinischen Superclasico, dem vielleicht emotionalsten Duell der Fußballwelt zwischen River Plate und Boca Juniors.

Bereits im Vorfeld des ersten rein argentinischen Copa-Finals herrscht in Buenos Aires Ausnahmezustand. Seit 2013 sind beim Duell der ewigen Stadtrivalen aufgrund von diversen Gewaltexzessen keine Gästefans mehr zugelassen. Pinolas Trainer Marcelo Gallardo mahnte zudem, dass sich der Verlierer zwei Jahrzehnte lang nicht von der Niederlage erholen könne.

Gegen das Ikonen-Ensemble von Boca um Fernando Gago und Carlos Tevez könnte Pinola seine märchenhafte Karriere krönen und seine erste internationale Trophäe in die Höhe recken.

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