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München - Wegen einer Verletzung verpasst Brasiliens Stürmerstar die Copa América. Es ist der nächste Tiefpunkt einer Karriere voller Rückschläge, Skandale und Eskapaden.

Jetzt auch noch diese Verletzung.

Beim vorletzten Testspiel vor der Copa América im eigenen Land hat sich Brasiliens Superstar Neymar in der Anfangsphase bei einer unglücklichen Aktion den rechten Fuß verdreht. Ausgerechnet der Fuß, an dem er schon zweimal verletzt war.

Der brasilianische Verband brachte schon kurz nach dem 2:0-Sieg gegen Katar die Mitteilung heraus, dass der 27-Jährige die Südamerika-Meisterschaft, die am 14. Juni beginnt, definitiv verpassen werde. Durch die erlittene Blessur - ein Bänderriss - werde er "weder fit sein noch rechtzeitig genesen, um teilzunehmen", hieß es von der CBF.

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Schon vor der Begegnung mit dem Gastgeber der kommenden WM hatte Neymar von "einem der schwierigsten Spiele meiner Karriere" gesprochen. Was eher weniger an der sportlichen Qualität des Gegners lag.

Denn um Sport geht es beim Stürmer von Paris Saint-Germain in diesen Tagen schon lange nicht mehr. Den schwersten Kampf seines bisherigen Lebens muss er nicht auf dem Platz, sondern in der Öffentlichkeit austragen.

Vorwurf der Vergewaltigung gegen Neymar

Seit den Vergewaltigungsvorwürfen, die eine Brasilianerin gegen den teuersten Spieler des Planeten erhoben hatte, ist Neymars Privatleben so detailliert wie noch nie in die öffentliche Diskussion geraten. Auch in Venlo im Trainingslager des DFB-Teams ist Neymar ein Thema. "Ich bin mir sicher, dass da rauskommen wird, dass er unschuldig ist. Das traue ich ihm absolut nicht zu, dass da so was vorgefallen ist", verteidigte ihn sein PSG-Teamkollege Julian Draxler.

Daran, dass die Affäre in der Öffentlichkeit dermaßen breitgetreten wird, hat aber auch Neymar selbst einen Anteil. Nach den Vorwürfen sah er sich genötigt, sich zu verteidigen. Via Instagram veröffentlichte er nicht nur den Chatverlauf mit dem vermeintlichen Opfer, sondern auch äußerst pikante und freizügige Bilder - und hatte prompt das nächste Verfahren am Hals wegen öffentlicher Zurschaustellung intimer Fotos.

Zur Veröffentlichung angestiftet hatte ihn offenbar sein Vater.

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Vor diesem Hintergrund hatte bereits der Vizepräsident des brasilianischen Verbandes Neymars Teilnahme an der Copa in Frage gestellt.

"Er hat psychologisch gar nicht die Voraussetzungen, eine Copa América anzugehen, sich einem Heer von Journalisten auszusetzen", sagte Francisco Novelletto dem TV-Sender SBT noch vor Neymars Verletzung und schob vielsagend nach: "Ein Freund aus Rio de Janeiro hat mir gesteckt, dass es noch ein Video gibt, das in Umlauf gebracht werden soll."

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Liebesnacht in Paris

Die öffentliche Diskussion um seine Liebesnacht vom Mai in Paris ist nur die neueste Episode im Trauerspiel um den einst als größter brasilianischer Fußballer seit Pelé gefeierten Stürmer, dem erst vor gut einer Woche die Kapitänsbinde genommen wurde.

Es ist noch keine sechs Wochen her, da sorgte Neymar nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Rennes für Entrüstung, als er auf der Tribüne einem pöbelnden Fan ins Gesicht schlug. Dafür sperrte ihn der französische Verband für fünf Spiele, zwei davon auf Bewährung.

Auch in der Champions League ist er für die nächsten drei Spiele gesperrt. Der Grund: Nach dem dramatischen Aus im Achtelfinale gegen Manchester United attackierte er den Schiedsrichter - via Instagram, wieder in aller Öffentlichkeit, wie es bei ihm üblich ist.

Dabei stand er bei der 1:3-Niederlage von PSG gar nicht auf dem Platz. Verletzt musste er die Partie auf der Tribüne verfolgen - wie so manches Spiel in dieser Saison.

Seit er vor zwei Jahren vom Scheichklub aus Paris verpflichtet wurde, bestritt er nicht einmal die Hälfte der Pflichtspiele seines Klubs, auch aufgrund diverser Verletzungen.

Barca-Rückkehr so gut wie ausgeschlossen

So richtig angekommen ist er in Paris jedenfalls noch nicht. Eine Rückkehr zum FC Barcelona, von dem er heute noch schwärmt, ist allerdings auch so gut wie ausgeschlossen.

Man setze im Sturm eher auf Ousmane Dembélé, verkündete Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu unlängst beim Sender TVE. Der Franzose sei "schon jetzt ein viel besserer Spieler als Neymar", so Bartomeu weiter.

Allerdings dürfte Barcas Ablehnung auch damit zu tun haben, dass sich beide Parteien eine Auseinandersetzung vor Gericht liefern. Es geht um eine Bonuszahlung von 26 Millionen Euro für die Vertragsverlängerung bei Barca im Jahr 2016, neun Monate bevor Neymar seinen Wechsel zu PSG bekanntgab.

Außerdem wird in Spanien wegen Steuervergehen gegen Neymar ermittelt.

Nach seiner frühen Auswechslung beim Testspiel gegen Katar sah man Neymar auf der Bank sitzen, mit einem Eisbeutel am Fuß und Tränen in den Augen.

Ein Bild wie ein Symbol - für seine sportliche, vor allem aber für seine schwere seelische Krise.

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