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München - Jürgen Klopp und Thomas Tuchel haben bereits den Meistertitel. Ein dritter Deutscher kann es ihnen gleichtun. SPORT1 zeigt die Bilanz deutscher Trainer in Europa.

Jürgen Klopp hat Maßstäbe gesetzt. Mit dem ersten englischen Meistertitel seit 30 Jahren hat sich der Welttrainer des Vorjahres beim FC Liverpool unsterblich gemacht.

Doch nicht allen deutschen Trainern im europäischen Ausland war in der von Corona zerrissenen Spielzeit ein ähnliches Happy End beschieden. SPORT1 schaut auf die Bilanz der deutschen Coaches, die zum Teil noch um den Lohn der Saison kämpfen.

England - Premier League:

Jürgen Klopp (FC Liverpool): Für den Meistertrainer der Reds geht es in der Kür der Saison nur noch darum, der bis zur Coronapause märchenhaften Saison ein Sahnehäubchen aufzusetzen. Bei bislang 93 Punkten und noch drei ausstehenden Partien können die Reds Manchester City Punkterekord von 100 Zählern sogar noch knacken.

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Daniel Farke (Norwich City): Genau entgegengesetzt ist die Stimmungslage bei Farke, der mit Norwich City nach dem überraschenden Aufstieg gleich wieder in die Championship hinunter muss.

Das 0:4 am Samstag gegen West Ham United besiegelte das Schicksal der Canaries mit ihren acht deutschen Spielern. "Wir sind unglaublich enttäuscht", sagte Farke anschließend der BBC. "Vom ersten Tag an lagen unsere Überlebenschancen vielleicht bei fünf Prozent. Wenn sich der Staub gelegt hat, sehen wir das Ergebnis, das wir erwartet haben."

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Frankreich – Ligue 1:

Thomas Tuchel (Paris St. Germain): Die zweite Spielzeit des früheren Mainzers und Dortmunders an der Seine war (und ist) keine einfache. Dabei führte er das Starensemble so souverän durch die französische Liga, dass sich keinerlei Widerspruch regte, als PSG nach dem Abbruch der Saison Anfang März zum Meister erklärt wurde.

Doch Tuchels Auftrag ist der Sieg in der Champions League. Für das Finalturnier muss er sein Team quasi komplett neu hochfahren. Als "Vorbereitungsspiele" stehen die Finals im Pokal gegen St. Etienne (24. Juli) und im Ligapokal gegen Lyon (31. Juli) auf dem Programm. Nach dem gewonnenen Machtkampf mit Sportdirektor Antero Henrique hat Tuchel mit PSG also noch weitere Erfolge vor Augen.

Russland - Premjer Liga:

Domenico Tedesco (Spartak Moskau): 2001 war Spartak letztmals russischer Meister. Als Tedesco im vergangenen Oktober beim zehnmaligen Titelträger einstieg, lag der Klub bereits sieben Punkte hinter den europäischen Plätzen. Inzwischen sind es zehn.

Der frühre Schalke-Coach haderte zuletzt wiederholt mit Schiedsrichterentscheidungen. Beim jüngsten 1:1 im Stadtderby gegen Lokomotive Moskau musste er mit Gelb-Rot auf die Tribüne. Nach einer angeblich folgenden Handgreiflichkeit gegen den Unparteiischen wurde er für drei Partien gesperrt. In den letzten Partien bis zum Saisonende steht daher Tedescos Assistent Andreas Hinkel an der Seitenlinie.  

Niederlande - Eredivisie:

Frank Wormuth (Heracles Almelo): Der ehemalige Trainerausbilder des DFB hat den früher gerne latent abstiegsgefährdeten Klub auch in seiner zweiten Saison auf einen stabilen Mittelfeldplatz (Rang 8) geführt, ehe Corona der Spielzeit ein vorzeitiges Ende setzte. Geerdet, mit klarer Linie und deshalb unumstritten.

Mit Roger Schmidt (PSV Eindhoven) und Thomas Letsch (Vitesse Arnheim) haben Anfang Juli zwei weitere deutsche Trainer ihre Arbeit in der Eredivisie aufgenommen.

Belgien – Jupiler Pro League:

Hannes Wolf (KRC Genk): Mitte November 2019 stieg der ehemalige Coach des VfB Stuttgart und des Hamburger SV in Genk ein. Der Vorjahresmeister war auf Platz acht abgerutscht. Unter Wolf ging es bis zum Abbruch der Liga nach 29 Spielrunden nur noch einen Platz nach oben – zu wenig, um in der neuen Saison in Europa mitzumischen. Eine herbe Enttäuschung für den KRC.

Bernd Hollerbach (Royal Excel Mouscron): Für den früheren Würzburger Aufstiegstrainer und langjährigen Assistenten von Felix Magath endete das Engagement in Mouscron nach knapp einem Jahr am 10. Juni. Zwischenzeitlich hatte Hollerbach mit einer Lungenentzündung länger pausieren müssen.

Der 10. Rang zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs war angesichts des kleinsten Budgets der Liga aller Ehren wert. Corona verschärfte die finanzielle Lage allerdings noch einmal, Hollerbachs Dienste konnten sich die Belgier anschließend nicht mehr leisten.

Bernd Storck (Cercle Brügge): Hollerbachs Vorgänger in Mouscron übernahm am 12. Dezember 2019 beim Tabellenletzten. Bis zum Saisonabbruch führte der ehemalige Dortmunder Bundesligaprofi das Team zumindest noch zwei Plätze weiter nach oben.

Den Abstieg hätte Brügge im Normalfall also vermieden. Ende Mai beendete Storck sein Engagement in Belgien und übernahm Dunajska Streda, den aktuellen Tabellendritten der slowakischen Liga.

Mit Alexander Blessin ist in der neuen Saison beim KV Oostende ein weiterer deutscher Trainer involviert.

Schweiz – Super League:

Peter Zeidler (FC St. Gallen): Der 57-Jährige ist auf einem guten Weg, mit den Espen ein Husarenstück auf die Beine zu stellen. Seit Wiederbeginn der Super League stehen für den Pressingverfechter der frühen Hoffenheimer und späteren Salzburger Schule und sein Team vier Siege, eine Niederlage und zwei Remis zu Buche. Letzteres, ein 1:1 bei Servette Genf, brachte die Rückeroberung der Tabelleführung.

Sechs Spielrunden vor Schluss liegt Zeidlers Team einen Punkt vor Titelverteidiger Young Boys Bern (Rang zwei). Der erste Meistertitel seit 20 Jahren ist greifbar. Eine Entscheidung könnte im finalen Showdown am letzten Spieltag im direkten Duell im Berner Wankdorfstadion fallen. Wenn die Spielzeit nicht noch abgebrochen wird: Der FC Zürich meldete zu Wochenbeginn zehn Corona-Fälle.

Österreich – Bundesliga:

Alexander Schmidt (SKN St. Pölten): Von Mitte Juni 2019 bis zum 9. März dieses Jahres dauerte die Amtszeit des 51-Jährigen in Niederösterreich. Die unvermindert hohe Anzahl an Gegentoren waren der offensichtliche und von der Klubführung angeführte Trennungsgrund.

Mehrere Medien berichteten zudem von zwischenmenschlichen Problemen. Schmidt hielt die Trennung für "überraschend und unverständlich". In der neuen Saison steht er bei Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München auf der Kommandobrücke.

Reiner Geyer (Admira Wacker Mödling): Sechs Spieltage hielt Geyer, der im Oktober 2018 zur Admira gekommen war, in der vergangenen Spielzeit noch durch.

Doch ein Punkt als Gesamtausbeute war zu wenig für den ehemaligen Nürnberger Bundesligaprofi. Am Ende der Saison brachte Mödling, dann unter Trainer Zvonimir Soldo, lediglich die WSG Tirol in der Tabelle noch hinter sich. In der nächsten Spielzeit assistiert Ex-Nationalspieler Patrick Helmes Soldo auf der Trainerbank.

Türkei - Süper Lig

Erol Bulut (Alanyaspor): In der Saison 1999/2000 spielte der Links- und Innenverteidiger sieben Mal für Eintracht Frankfurt. Als Trainer ist der 45-Jährige – gebürtig aus dem hessischen Bad Schwalbach – seit Juni 2019 verantwortlich bei Alanyaspor.

Und das mit durchschlagendem Erfolg. Drei Spieltage vor Saisonende steht Buluts Team auf Rang sechs vor Fenerbahce, mit nur zwei Punkten Rückstand auf einen Europapokalplatz.

Griechenland – Super League:

Michael Oenning (Aris Saloniki): Seit Oktober 2019 ist der 54-Jährige in der zweitgrößten griechischen Stadt aktiv. Von Platz 9 führte er Aris unter die ersten Sechs und damit in die Playoffs um die europäischen Plätze.

Dort liegt das Team des früheren Nürnberger und Hamburger Coachs zwei Spieltage vor Saisonende auf Rang fünf – dem letzten Platz, der für die Europa-League-Teilnahme berechtigt.

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