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München - Englische Top-Klubs wie der FC Liverpool und Manchester United planen offenbar die Einführung einer internationalen Liga. Englische Ex-Kicker reagieren kritisch.

Der neue Plan für eine Super League in Europa stößt nicht auf Gegenliebe. Mehrere Akteure in England äußerten sich kritisch zu der Idee.

"Der Fußball frisst sich selbst auf", urteilte Ex-Nationalspieler Gary Neville beim TV-Sender Sky Sports, "denn die Fans werden sich abwenden." Der frühere Liverpool-Star Jamie Carregher twitterte einfach nur: "Verpisst euch."

Auch Jürgen Klopp wurde auf die Gerüchte angesprochen, wollte sich jedoch nicht konkret dazu äußern. "Ich habe absolut keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Ich bin da nicht involviert, ich kümmere mich um das Tagesgeschäft", sagte der Reds-Coach auf einer PK.

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Europäische Spitzenklubs planen offenbar einen neuen Versuch in Sachen eigener Liga. Das berichtete Sky Sports. Die Pläne seien dem Bericht zufolge schon relativ konkret.

Wall-Street-Bank mit Milliarden-Spritze?

Demnach befinden sich die englischen Spitzenklubs FC Liverpool und Manchester United in Gesprächen über ein neues, von der FIFA unterstütztes Turnier, das Platz im Fußball-Kalender finden soll. Die sogenannte "European Premier League" soll von Geldgebern mit umgerechnet fünf Milliarden Euro unterstützt werden.

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Laut eines nicht weiter genannten Fußball-Managers soll sich die Wall-Street-Bank JP Morgan in Gesprächen über eine Fremdfinanzierung der "European Premier League" in Höhe des besagten Betrags befinden. Dieser könne dann aus künftigen Übertragungseinnahmen des Wettbewerbs zurückgezahlt werden. Der Quelle zufolge könnten die Pläne bereits Ende des Monats der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Neben den beiden Klubs sollen auch mehr als ein Dutzend Mannschaften aus England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien darüber verhandeln, Gründungsmitglieder des Wettbewerbs zu werden. Es soll sogar ein Starttermin schon im Jahr 2022 diskutiert worden sein.

Auch FC Bayern involviert?

Dem Bericht zufolge sei auch die FIFA an der Entwicklung des neuen Formats beteiligt gewesen. Die "European Premier League" soll voraussichtlich bis zu 18 Mannschaften umfassen, die in einem Ligensystem gegeneinander spielen sollen. Am Ende sollen die bestplatzierten Teams im K.o.-Format den Sieger ausspielen. Insgesamt sollen pro Jahr Hunderte Millionen Euro an Preisgeldern ausgeschüttet werden.

Real Madrid soll ebenfalls einer der Hauptarchitekten der Schaffung der neuen Liga sein. Key Capital Partners, ein spanisches Finanzhaus, soll wie Florentino Pérez hinter dem Projekt stehen. Der langjährige Real-Präsident soll sich im vergangenen Jahr mit FIFA-Präsident Gianni Infantino zu Reformplänen ausgetauscht haben.

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Auch der FC Bayern München, Paris Saint-Germain und Juventus Turin könnten dem Bericht zufolge angesprochen worden sein, Gründungsmitglieder der Liga zu werden. Demnach winken jedem der Gründungsteam allein für die Teilnahme hunderte Millionen Euro.

Rolle der UEFA unklar

Es soll allerdings immer noch Probleme geben, die das Projekt als Ganzes zum Scheitern bringen könnten. Sollte das Turnier die Unterstützung des europäischen Fußballverbandes haben, könnte es als eine Art neue Champions League fungieren.

Die UEFA zeigte sich wenig begeistert von den angeblichen Plänen der englischen Teams. "Der UEFA-Präsident hat bei vielen Gelegenheiten klargestellt, dass er sich stark gegen eine Superliga ausspricht", sagte ein UEFA-Sprecher der BBC.

Es ist nicht die einzige kritische Stimme. "Diese Untergrundprojekte sehen nur gut aus, wenn man darüber um 5.00 Uhr morgens nach einer Nacht in einer Bar nachdenkt", kommentierte Javier Tebas, Präsident der spanischen La Liga, den neuesten Vorstoß.

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Abwertung der Champions League?

Kommt von der UEFA keine Unterstützung, würde die neue Liga wohl eine Konkurrenzveranstaltung zur Champions League darstellen und diese damit abwerten.

Bereits im Jahr 2018 hatte der Spiegel, der sich auf Football-Leaks-Dokumente bezog, über Pläne einer europäischen Super League berichtet. Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte sich erst im März gegen eine solche Liga ausgesprochen. "Die Superliga wird es in den nächsten zehn Jahren nicht geben – an welchem Rad auch immer gedreht werden sollte", sagte er der FAZ.

Erst vor wenigen Wochen war ein Reformprojekt der sechs größten Premier-League-Klubs - ebenfalls angeführt von Liverpool und Manchester United - krachend gescheitert. Der Plan der "Big Six" des englischen Fußballs war es gewesen, die Premier League von 20 auf 18 Teilnehmer zu verkleinern und den großen Klubs mehr Macht zu gewähren.

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