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München - Ex-Real-Star Robinho will es zum wohl letzten Mal in seiner brasilianischen Heimat wissen. Dass er nur für einen Mindestlohn spielt, ist irrelevant, geht es doch um seinen Seelenfrieden.

"Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss"

Vielleicht erklärt dieses bekannte Zitat von Johann Gottfried von Herder am besten, warum Robinho einmal mehr zum FC Santos zurückgekehrt - und wie es um seinen Gemütszustand inzwischen bestellt ist.

Es ist kaum zu erwarten, dass der frühere Fußball-Superstar zu dem vor gut 200 Jahren verstorbenen deutschen Dichter und Philosophen eine besondere Affinität hat. Und doch erscheint es, als befände sich Robinho im Jahr 2020 endlich am Ende einer ganz langen Reise. Seiner persönlichen Reise.

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Die hat offenbar nicht nur mit Fußball zu tun, sondern vielmehr mit der Erfüllung langersehnter persönlicher Zufriedenheit. Mit Geld jedenfalls schon mal gar nichts.

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Robinho: Mindestlohn von 230 Euro

Es ist ein symbolisches Salär, ein Monatsgehalt von umgerechnet 230 Euro und damit so etwas wie hierzulande der Mindestlohn, den Robinho einstreicht bei der nunmehr vierten Heimkehr zu seinem brasilianischen Jugendverein. 

Es ist ebenso die Rückkehr eines vielerorts Gescheiterten, der nun womöglich als Profi-Sportler seinen finalen Seelenfrieden gefunden hat.

"Hier bin ich aufgewachsen, hier war schon immer mein Zuhause", sagte Robinho nun bei seiner Vorstellung auf der vereinseigenen Internetseite. "Es ist ein wunderbares Gefühl, zu dem Verein zurückkehren zu können, der mich für den Fußball erst möglich gemacht hat."

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Robinho: Erwartungen wie an einen Weltfußballer

Für den heute 36-Jährigen wäre nach seinem ersten Fortgang vom Pelé-Klub, bei dem auch Neymars Stern aufging, sogar noch viel mehr möglich gewesen: Für viele Experten galt das Mega-Offensivtalent zu Beginn des Jahrtausends schon als der kommende Weltfußballer.

Zur Erinnerung: Mit 21 Jahren wechselt Robinho 2005 zu Real Madrid. Einer der ganz Großen wird er trotzdem nicht – zu sehr blockiert die große Erwartungshaltung den brasilianischen Shootingstar.

Und das, obwohl mit dem Landsmann-Coach Vanderlei Luxemburg und zig brasilianischen Mitspielern der Boden für den heute 100-maligen Nationalspieler der Selecao bestens geebnet ist.

Von den Königlichen (137 Spiele, 35 Tore) verschlägt es Robinho drei Jahre später und nach einem geplatzten Wechsel zum FC Chelsea zu Manchester City, damals als Großprojekt der Scheiche aus den Arabischen Emiraten noch in der Entwicklungsphase.

Robinho: Eskapaden bei ManCity

Statt auf der Insel noch einmal voll durchzustarten, kommt der damals 24-Jährige indes erneut vom Weg ab, verliert sich allzu sehr im Nachtleben der Arbeiterstadt.

"Ich mochte Manchester, den Verein, die Restaurants… aber natürlich auch die Klubs", gab Robinho einmal in der Marca zu. Es folgten Vorwürfe und Sanktionen - es fehlten dafür Erfolge. "Wenn es etwas zu bereuen gibt, dann, dass ich mit City keinen Titel gewonnen habe", erklärte der 1,72 Meter große Dribbler, mit Real immerhin zweimal spanischer Meister.

Robinhos Karriereverlauf bleibt in der Folge durchwachsen. Nach einem Leihgeschäft zurück zu Santos wechselt er 2010 fest zum AC Mailand, offenbar auf Wunsch von Zlatan Ibrahimovic.

"Zlatan erzählt oft, dass er Milan davon überzeugte, mich zu verpflichten", sagte Robinho, für den Ibrahimovic ein Vorbild ist. "Für mich ist er alles, was ein Stürmer sein sollte: Entertainer und Sieger."

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Robinho: Verurteilt nach Gruppenvergewaltigung 

Robinho selbst hätte wohl nur allzu gern darauf verzichtet, 2017 dann auf unangenehmste Weise im Rampenlicht zu stehen: Wegen einer Gruppenvergewaltigung wird er zu neun Jahren Haft verurteilt, das Urteil aber nicht rechtskräftig.

In der Serie A (108 Spiele, 25 Tore) ist Robinhos Glanzzeit da eh schon längst vorbei, die große Karriere rein sportlich spätestens mit seinem Wechsel nach China zu Guangzhou Evergrande im Jahr 2015, nach einer erneuten Leihe zum FC Santos.

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Über Intermezzi bei Atlético Mineiro (Brasilien) und Sivasspor in der Süperlig ist Robinho in diesem Sommer dann zumindest noch einmal der türkische Meistertitel im Trikot von Istanbul Başakşehir vergönnt, ehe er am Bosporus im August den Laufpass bekommt.

Immer wieder Vergleiche mit Pelé

Im Spätherbst seines Sportlerlebens gibt sich der Flügelflitzer geläutert, scheint auch den Vergleich mit dem großen Pelé endlich hinter sich gelassen zu haben, der ihn so lange begleitet hatte.

"Wenn Pelé über dich spricht, hören die Leute natürlich zu. Sie machen diese Vergleiche, aber es gibt keinen neuen Pele, nicht jetzt und niemals in der Zukunft", sagt Robinho.

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Ihm reicht es, noch einmal Wertschätzung zu erfahren - in der bedeutendsten Hafenstadt Lateinamerikas. In Santos, wo er in 246 Spielen 109 Tore erzielte und das mit ihm zuletzt 2002 und 2004 brasilianischer Meister wurde. 

"Mein Ziel ist es, auf und neben dem Platz zu helfen und den FC Santos nach oben zurückzubringen - dorthin, woher er nie hätte weggehen dürfen", erklärt Robinho.

Robinho: Nur Mindestlohn aus Sparzwängen

Dass sein letzter Tusch begleitet wird von Sparzwängen und einem Nicht-Gehalt für einen Fußballer, spielt dabei keine Rolle.

Unter dem Hashtag #TheLastPedal, optisch garniert mit einem Fahrrad-Emoji und in Anspielung auf die Serie "The Last Dance" hinsichtlich der Karriere von Ex-NBA-Superstar Michael Jordan, genießt Robinho in der Heimat die Reaktionen auf seine zunächst in Form eines Fünf-Monats-Vertrags angelegte finale Rückkehr.

"Das kleine Rotkehlchen ist wieder da", jubiliere etwa die Zeitung O Globo. Auf Familienvater Robinho mag auch das wirken wie bei einem weiteren deutschen Schriftsteller namens Ernst Wichert:

"In der Fremde erfährt man, was die Heimat wert ist, und liebt sie dann um so mehr."

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