Das sind Barcas Super-Brasilianer
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München - Kia Joorabchian zog die Fäden beim Transfer von Philippe Coutinho zu Barca. Er ist einer der einflussreichsten Macher der Branche - und nicht unumstritten.

Der Wechsel von Philippe Coutinho zum FC Barcelona ist der Hammer des aktuellen Winter-Transfermarkts - und ohne diesen Mann wäre er nicht möglich gewesen.

Kia Joorabchian, 46 Jahre alt, gebürtiger Iraner, ehemaliger Öl-Broker und Hedgefonds-Manager, ist Coutinhos Vertrauensmann hinter den Kulissen, der Strippenzieher hinter dem großen Deal.

Einem Deal, der ein Schlaglicht darauf wirft, wie ein der breiten Öffentlichkeit eher unbekannter Verhandler in den vergangenen 15 Jahren zu einem der wichtigsten Männer im Weltfußball aufgestiegen ist.

Einer der einflussreichsten Agenten der Welt

Die englische Zeitung Telegraph setzt Joorabchian in einem Ranking der einflussreichsten Agenten auf Platz vier hinter den Top-Beratern Jonathan Barnett (u.a. Gareth Bale), Mino Raiola (u.a. Paul Pogba und Zlatan Ibrahimovic) und Jorge Mendes (u.a. Cristiano Ronaldo, James Rodriguez und Jose Mourinho).

Joorabchian arbeitet neben Coutinho auch mit dessen Landsleuten David Luiz, Oscar und Willian.

Für Luiz hat er gleich drei Top-Transfers für insgesamt mehr als 110 Millionen Euro auf den Weg gebracht: Von Benfica Lissabon zum FC Chelsea, von Chelsea zu Paris Saint-Germain und von PSG zurück nach London. Oscar transferierte er im Januar 2017 für umgerechnet 58 Millionen Euro von Chelsea zum chinesischen Erstligisten Shanghai IPG.

Außerordentlich gut vernetzt

Joorabchian hat zwar keine offizielle Berater-Lizenz, ist aber international außerordentlich gut vernetzt und beschäftigt ein Team, das Spieler schon in jungen Jahren scoutet. Coutinho beobachtete sein Team seit dessen 12. Lebensjahr.

Im Sommer 2016 brachte er die Transfers des portugiesischen Europameisters Joao Mario und des brasilianischen Talents Gabriel Barbosa zu Inter Mailand für insgesamt mehr als 70 Millionen auf den Weg. 

Ein weiterer großer Coup des englisch-iranischen Unternehmers war der Transfer des ehemaligen Real-Stars Robinho im Jahr 2008 für die damalige englische Rekordsumme von 32,5 Millionen Pfund (ca. 37 Mio. Euro) zu Manchester City.

Verbindungen zu Ismaik und Abramowitsch

Auch in Deutschland hat der quirlige Geschäftsmann seine Verbindungen. Er gilt als enger Vertrauter von 1860-Investor Hasan Ismaik und soll für den Jordanier Ende 2016 den Portugiesen Vitor Pereira als Trainer zu den Löwen geholt haben. Das war am Ende dann einer seiner weniger erfolgreichen Verkupplungsgeschäfte.

Joorabchian wird auch ein sehr gutes persönliches Verhältnis zu Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch nachgesagt.

Joorabchian brachte Costa zum FC Bayern

Dank seiner guten Brasilien-Connections lotste er für den Abramowitsch-Klub unter anderem den Brasilianer Willian von Schachtjor Donezk nach London. In Donezk hatte er bis zu sechs Profis gleichzeitig unter seinen Fittichen, Douglas Costa fand von dort aus 2015 für 30 Millionen Euro den Weg zum FC Bayern.

Sein wachsender Einfluss sorgte nicht zuletzt deswegen für Ärger. Ex-Schachtjor-Trainer Mirca Lucesco beschuldigte ihn, er übe Druck auf die Klubführung aus und wolle Transfers erzwingen.

Dubiose Geschäfte in Brasilien

Joorabchians Karriere im Fußball hatte 2004 begonnen, als er mit der von ihm gegründeten Firma Media Sport Investments (MSI) mit 52 Millionen Dollar als Geschäftspartner beim brasilianischen Traditionsklub Corinthians in Sao Paulo einstieg. MSI wurde durch einen Fond von nicht genannten Geldgebern finanziert, der Verdacht der Geldwäsche stand im Raum.

Für fast die Hälfte des Investments holte er Carlos Tevez von den Boca Juniors, 2006 transferierte er den Argentinier zusammen mit dem heutigen Barca-Profi Javier Mascherano an West Ham United.

Doch es gab Ärger, weil Joorabchian mit MSI weiterhin die Transferrechte an Tevez hielt und dadurch gegen englische Regularien verstieß.  

Carlos Albertos Transfer sorgt für Wirbel

Joorabchian brachte Tevez schon 2007 bei Manchester United unter und leitete später den Wechsel des Argentiniers zum Stadtrivalen Man City ein. Mascherano wechselte 2007 mit seiner Hilfe zum FC Liverpool und 2010 nach Barcelona.

Ebenfalls 2007 machte der Transfers des Brasilianers Carlos Alberto zu Werder Bremen Schlagzeilen. Joorabchian spielte damals Werder und den Hamburger SV gegeneinander aus.

Treffen in Boston mit Liverpools Klubbesitzern

Nun also Coutinho. Etwa 120 Millionen soll Barca an den FC Liverpool für den Brasilianer gezahlt haben, inklusive erfolgsabhängiger Variablen könnte der Deal auf insgesamt 160 Millionen kommen.  

Böse Überraschung für Barca bei Coutinho-Medizincheck

Nach einem Bericht der spanischen Zeitung Sport hatte Joorabchian schon im September ein Treffen in Boston organisiert. Dort habe er den Wechseln mit Coutinho, dessen Brüdern und Vertretern der Fenway Sports Group, die den FC Liverpool besitzt, bereits ausverhandelt.

"Wenn ein Verein wie Barcelona einen Coutinho holen will, können sie nicht einfach Liverpool anrufen", sagte ein namentlich nicht genannter englischer Sportdirektor der Zeitung Daily Mail. "Er (Joorabchian) hat die Verbindungen und wird einen Weg finden, um mit den Klubbesitzern Kontakt aufzunehmen und zu verhandeln. Er ist ein Macher."

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