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München - Er ist der teuerste Neuzugang Spaniens aller Zeiten. Doch beim FC Barcelona verkommt Philippe Coutinho immer mehr zum Mitläufer. Die Geschichte eines Dilemmas.

Kurz nach dem Jahreswechsel muss Philippe Coutinho wehmütig in seine alte sportliche Heimat geblickt haben. 

Dort fand das Gigantenduell in der Premier League statt: Manchester City gegen den FC Liverpool. Ein Fußball-Showdown der, das behaupten viele, zwei besten Teams der Welt derzeit. 

Es ist noch nicht lange her, da wäre es unvorstellbar gewesen, dass Coutinho bei einem Spiel dieser Bedeutung nicht mitwirken würde. Zumindest für Liverpooler Verhältnisse.

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Der Brasilianer war der große Superstar der Reds. Denker und Lenker ihres Spiel, Liebling von Jürgen Klopp. Ende 2017 war das.

Die Zeiten haben sich geändert. 

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Mit Coutinhos Abgang begann Liverpools Aufschwung

In der Nachbetrachtung wirkt es paradox: Aber mit Coutinhos Abgang begann Liverpools sportlicher Quantensprung - und die persönliche Krise des Spielers. 

Es ist die Geschichte eines 160-Millionen-Euro-Transfers, der zum teuren Missverständnis werden könnte. 

Beim FC Barcelona ist Coutinho inzwischen zum Mitläufer verkommen - im Schatten der großen Stars. Er, der teuerste Einkauf der spanischen Liga. 

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Coutinhos Dilemma beim neuen Klub hat mehrere Facetten. Sein sportlich größtes Problem derzeit heißt wohl Ernesto Valverde.

Der Mann ist sein Trainer und schenkt ihm kein Vertrauen. Zumindest nicht auf der Position, auf der sich Coutinho am liebsten sieht: zentral offensiv.

Valverde bevorzugt ein 4-3-3-System mit schnellen Außen. Eine Seite auf dem Flügel wird bis in alle Ewigkeit Lionel Messi vorbehalten sein, falls der denn so lange zu spielen gedenkt.

Und auf der anderen Seite hat sich in den vergangenen Spielen mit Nachdruck ein gewisser Ousmane Dembele empfohlen. 

Um den gab es bei Barca in dieser Saison ja schon ganz eigene Geschichten. So wie Dembele im Moment aufspielt, sind die aber offenbar ausgestanden. 

Was die Sache für Coutinho zum Problem macht.

Beim 3:0-Sieg gegen Eibar am Sonntag bekam er immerhin mal wieder eine Bewährungschance. In seinem ersten Liga-Einsatz über 90 Minuten seit Oktober bereitete er den Führungstreffer von Luis Suarez vor.

Coutinho kommt an Dembele nicht vorbei

Valverde betonte zuletzt, er sei glücklich mit Coutinho. "Manchmal spielen die einen, manchmal andere", sagte er dieser Tage. "Als Philippe spielte, haben sie mich gefragt, warum nicht Dembele. Jetzt ist es umgekehrt."

Nur ganz so einfach, wie der Trainer die Angelegenheit auszuräumen versucht, ist sie beileibe nicht. 

Nach seinem Elfmetertreffer gegen UD Levante neulich im Pokal sah man Coutinho den ganzen Frust an, den er mit sich herum trägt.

Meistens hockt der Brasilianer nämlich auf der Bank, wo er von Mal zu Mal missmutiger dreinblickt. Die AS titelte am Samstag passenderweise: "Coutinhos zerbrechlicher Geist bereitet Barcelona Sorgen."

Der Spieler gilt von Natur aus als sensibel. In Barcelona schlägt diese Eigenschaft doppelt durch. Was mit Sicherheit auch dem ständigen Vergleich geschuldet ist, dem er sich seit seiner Verpflichtung stellen muss.

Robert Fernandez, Barcas ehemaliger Sportdirektor, hat ihn erst in dieser Woche wieder beschworen. "Ich dachte immer", sagte er der Zeitung El Pais, "Coutinho sei der ideale Ersatz für Iniesta. Andres hat eine Ära im Weltfußball markiert."

Iniestas Fußstapfen zu groß für Coutinho

Iniesta ist so etwas wie ein Nationalheiliger in Katalonien. Eine Legende des Vereins, eine Ikone der Fans. Es gibt wenige Spieler auf diesem Planeten, die den Fußball so sehr geprägt haben wie er. 

Als verdienter Alt-Star lässt er seine Karriere in Japan ausklingen. Doch Iniestas Geist schwebt noch immer über dem Camp Nou. 

Die Zuschauer, die hier zu Tausenden zu Heimspielen pilgern, wurden jahrelang verköstigt mit Ballstafetten, die der kleine Künstler mit lichtem Haar lancierte und vorantrieb. 

Man kann diesem Philippe Coutinho den Spielstil des Andres Iniesta nicht abverlangen.

Er fühlt sich wohler zwischen den Räumen, wo sich zwangsläufig Lücken auftun, in die er hinein sprinten kann. So ist er berühmt geworden: in Liverpool und in der brasilianischen Nationalmannschaft. 

Valverdes System bietet für derlei Vorlieben allerdings keinen Platz. 

Flüchtet Coutinho zurück nach England?

Die Marca verglich Coutinhos Situation kürzlich mit der von Leidensgenosse Isco bei Real Madrid. Der Spanier findet seit dem Weggang von Zinedine Zidane auch keinen Platz im Team der Königlichen. In Spanien wird eifrig über einen Transfer spekuliert. 

Ein Thema, das auf Coutinho auch in absehbarer Zeit zukommen könnte, sollte sich seine sportliche Situation nicht verbessern. 

In England war am Wochenende ein angebliches Interesse von Manchester United großes Thema. Dem Vernehmen nach scheint Barca gewillt, eine Anfrage, so sie denn kommt, ernsthaft prüfen zu wollen. 

Sollte tatsächlich eine Flucht nach England Coutinhos Ausweg aus dem Barca-Dilemma sein? 

Laut Mundo Deportivo soll er sich zu einem Verbleib in Barcelona entschieden haben.

Bei einem Wechsel nach England würde der Spieler ohnehin nur zu einem Klub wechseln, der im Schatten des FC Liverpool agiert - fernab der Spitzenplätze der Premier League.

Es wäre der nächste Rückschritt in der Karriere des Philippe Coutinho. 

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