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München - Am 16. Oktober 2004 ging sein Stern auf. Seit seinem Profidebüt im Stadtderby gegen Espanyol hat er sich zur Legende gemacht - Lionel Messi.

Deco grinste. Er hatte ein gutes Spiel gemacht an diesem 16. Oktober 2004. Dem Portugiesen war das frühe Führungstor für den FC Barcelona gelungen. Acht Minuten vor dem Ende führten die Katalanen mit 1:0 beim Stadtrivalen Espanyol. Deco durfte frühzeitig Feierabend machen und trabte zum Spielfeldrand.

Dort stand ein Bursche bereit, dem gar nicht nach Grinsen zumute war. Der Fußballer mit dem Milchbubengesicht wirkte schüchtern, sogar etwas nervös. Das war nicht verwunderlich. Er stand schließlich vor seinem ersten Spiel in der Primera Division – das im Alter von 17 Jahren, drei Monaten und 24 Tagen.

Deco merkte seinem Teamkollegen die Anspannung an. Er umarmte ihn bei der Einwechslung. Auf der Bank klatschte Trainer Frank Rijkaard aufmunternd in die Hände. Und dann legte der Spieler mit der Rückennummer 30 los. Er zeigte sofort, dass die Fans sich seinen Namen merken sollten: Lionel Messi.

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Er spielte in seinem Kurzeinsatz vor genau 15 Jahren mit Weltstars zusammen. Der brasilianische Virtuose Ronaldinho stand für Barca auf dem Platz, ebenso der schwedische Torjäger Henrik Larsson. Im Mittelfeld zog Xavi die Fäden, Carles Puyol organisierte die Viererkette.

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Pochettino beim Debüt dabei

Doch Messi war der Spieler, der in der Schlussphase des Derbys die Blicke auf sich zog. So sieht es zumindest auf den Videos aus, die von der Partie existieren. Er streichelte den Ball mit seinem linken Fuß, schlug Haken, ließ seine Gegenspieler stehen. In einer Szene nahm er es mit dem erfahrenen Espanyol-Abwehrspieler Mauricio Pochettino auf. Jenem Mann, der jetzt als Trainer der Tottenham Hotspur die großen Messi-Shows erlebt.     

Es waren nur acht Minuten plus Nachspielzeit, in denen der schmächtige Argentinier seine Brillanz zeigen konnte. Doch wer an diesem Abend unter den 34.400 Zuschauern im Olympiastadion war, ahnte mit Sicherheit, von diesem Messi noch mehr zu hören.

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Der Spieler hatte allerdings auch schon vor seinem Debüt für Aufsehen gesorgt. Da war seine ungewöhnliche Biografie. Die des kleinen Jungen aus Rosario, der ab seinem achten Lebensjahr für den Traditionsklub Newell’s Old Boys spielte. Kurz nach seinem 13. Geburtstag musste der kleine Lionel seine Heimat jedoch verlassen. Die Familie Messi verließ Argentinien aufgrund einer Wirtschaftskrise.

Barcelona zahlt Hormonbehandlung für Messi

In Barcelona fanden die Eltern ein neues Zuhause – und einen Verein, der dem talentierten Fußballer unter ihren vier Kindern helfen konnte. Lionel Messi litt an einer Wachstumsstörung. Der katalanische Top-Klub zahlte eine Hormonbehandlung in Höhe von 900 US-Dollar pro Monat.

Die Investition sollte sich rentieren. Messi kam in die Jugendakademie "La Masia". In seinem ersten Spiel für Barcelona erzielte er gleich fünf Tore. Es dauerte nicht lange, bis sich sein Name bis zu den Profis herumgesprochen hatte. Im November 2003 durfte "La Pulga", der Floh, bereits in einem Testspiel mitwirken. Trainer Rijkaard setze ihn damals gegen den FC Porto ein.

Es folgte jenes Pflichtspiel-Debüt beim 1:0-Sieg im Derby. Die Partie, in der ein Stern aufging. Trainer Rijkaard wollte sein Juwel aber nicht verheizen. Er setzte Messi in der Saison 2004/2005 nur in sieben Spielen ein – stets als Joker. Immerhin gelang dem damals 17-Jährigen noch ein Treffer. Am 1. Mai 2005 bereitete Ronaldinho gegen Albacete Balompié Messis erstes Ligator vor.

Sechs Mal zum Weltfußballer gewählt

Barca gewann in der Spielzeit die spanische Meisterschaft. Mittlerweile hat Messi diesen Titel zehn Mal gewonnen. Dazu kommen vier Triumphe in der Champions League. Sechs Mal konnte Messi zudem mit Barcelona die Copa del Rey gewinnen.

So oft zeichnete die FIFA den Argentinier zum Weltfußballer des Jahres aus. Auch die 604 Tore in 692 Pflichtspielen im Barca-Trikot sprechen für Messis Ausnahmestellung.

Im Alter von 32 Jahren ist er weiterhin der Fixpunkt im Barca-System. Äußerlich hat sich Messi gewandelt: Er trägt nicht mehr seine Kickermatte, sondern einen modischen Kurzhaarschnitt. Der Bart und die vielen Tätowierungen nehmen ihm das bubenhafte Aussehen. Den leichtfüßigen Spielstil hat er sich aber bewahrt. Und die Gier nach Erfolgen sowieso. 

Guardiola spricht von einem Privileg

Der introvertierte Profi ist aber keiner, der über seine eindrucksvolle Karriere viele Worte verliert. Das machen andere. So wie Pep Guardiola, der mit Messi in Barcelona insgesamt 14 Titel gewann. "Es ist ein Privileg ihm zusehen zu können", sagte der Trainer kürzlich. "Ich will kein einziges Barca-Spiel verpassen, weil ich glaube, dass wir etwas verlieren werden, was unwiederholbar ist, wenn er aufhört."

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Auch von seinem langjährigen Mitspieler Ronaldinho gab es einen bemerkenswerten Ausspruch: "Ich habe ihm gesagt: 'Leo, du bist besser als ich.'" Der Brasilianer wusste, wovon er spricht. 2008 war kein Platz mehr für ihn im Barca-Kader. Da hatte Messi die Superstar-Rolle bereits übernommen.

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