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Bodo Illgner (r.) schreibt bei SPORT1 über den verstorbenen Lorenzo Sanz
Bodo Illgner (r.) schreibt bei SPORT1 über den verstorbenen Lorenzo Sanz © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
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Der ehemalige Real-Madrid-Keeper und 1990er Weltmeister Bodo Illgner spricht in seiner Gastkolumne bei SPORT1 über den Tod von Ex-Real-Präsident Lorenzo Sanz.

Ich hatte in der vergangenen Woche schon durch die Medien erfahren, dass Lorenzo Sanz in die Klinik eingeliefert worden war, das war natürlich ein schlechtes Zeichen. Ich habe dann auch die Worte seines Sohnes Fernando, mit dem ich bei Real Madrid zusammen gespielt habe, gehört, dass sein Vater bereits einige Tage Fieber hatte und sich nicht mehr zu Hause auskurieren konnte. Ich habe Fernando dann sofort kontaktiert und ihm und der ganzen Familie alles Gute gewünscht.

Dass Lorenzo in das Krankenhaus kam, war kein gutes Zeichen und das nimmt einen natürlich mit. Die gedankliche Vorbereitung darauf hilft dann ein wenig, wenn der Tod wirklich eintritt. Natürlich nimmt mich das mit, ich und meine Frau hatten direkten Kontakt mit ihm. Er war ein Präsident, der sehr spieler- und familiennah war. Lorenzo Sanz war ein Familienmensch. Beide Söhne haben bei Real Madrid auch mitgewirkt, der ältere in der Basketball-Abteilung und Fernando spielte mit mir zusammen in der ersten Mannschaft bei Real.

Wir hatten ein gutes und enges Verhältnis

Lorenzo war ein Präsident, der auch immer sehr herzlich war. Trotzdem war er als Arbeitgeber eine absolute Respektperson. Er war da ähnlich wie Fabio Capello, der einerseits ernst und streng war, aber einen Spieler dann auch in den Arm nehmen konnte und ihn geherzt hat. So war auch Lorenzo Sanz.

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In der Hommage, die Real in der Marca veröffentlicht hat, war zu sehen, wie er mich an sich drückt - nach dem Gewinn des Intertoto-Wettbewerbs in Japan. Wir hatten ein gutes und enges Verhältnis. Wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gab oder Themen zu besprechen waren, konnte ich immer zum Präsidenten kommen. Ich habe des Öfteren mit ihm gesprochen. Ebenso die anderen Spieler.

Die Tage aktuell in Spanien sind schlimm. Diese Nachricht vom Tode von Sanz ist für Real Madrid schrecklich, denn es gibt gerade sowieso wenig Ablenkung, weil wegen der Coronakrise der Sport ruht und auch keine Kultur-Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten stattfinden können.

Sanz stellte mit Mut eine ganz neue Mannschaft zusammen

Die Stimmung ist ohnehin schlecht im Land, weil viele Menschen in den Familien krank sind oder sterben. Der Tod von Lorenzo Sanz zeigt, dass dieses Virus vor niemandem halt macht - auch nicht vor dem Tod.

Viele Präsidenten haben diesen Klub geprägt und das war das Glück von Real, dass es tolle Präsidenten gab. Nicht zuletzt Santiago Bernabeu, nach dem das Stadion benannt wurde. Natürlich reiht sich Lorenzo Sanz in diese Reihe ein, aber man muss auch den aktuellen Präsidenten Florentino Perez nennen. Die jüngsten sportlichen und finanziellen Erfolge sind eng mit ihm verbunden.

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Den Beginn dieser neuen Ära war aber auf jeden Fall das Werk von Sanz zurückzuführen. Die Saison 1995/1996 war alles andere als erfolgreich, sie war für Real sogar katastrophal, denn man schaffte es nicht einmal in den internationalen Wettbewerb. Da gelang es Sanz mit Mut eine ganz neue Mannschaft zusammenzustellen. Angefangen mit einem starken Trainer Fabia Capello. Und wer holt sich einen starken Coach? Nur ein starker Präsident mit sehr viel Charakter und Selbstbewusstsein.

Kein gebührender Abschied wegen Corona

Capello hat dafür gesorgt, dass das Team so zusammengestellt wurde, dass es 1996/1997 die Meisterschaft gewann und den Grundstein für den Champions League-Gewinn 1998 mit Jupp Heynckes als Trainer legen konnte. Dass die ganze Familie Sanz da mit involviert war, zeigt, dass Real ganz wichtig für sein Leben war.

Er hinterlässt eine große Lücke, denn er war bis zuletzt bei den vielen Fan-Veranstaltungen und in den Medien präsent. Sanz wird immer in den Erinnerungen, in den Herzen der Spieler, die ihn einst live erlebten, bleiben. Auch in den Gedanken der Mitarbeiter des Vereins.

Sein Sohn sagte, dass sein Vater dieses Ende nicht verdient hat. Ich bin mir nicht sicher, was genau er damit meinte oder andeuten wollte.

Eines ist jedoch sicher: Leider wird es jetzt keinen großen, ihm gebührenden, Abschied aufgrund dieser Krise geben. Das verhindert leider auch, dass Menschen, die sich gerne von ihm verabschiedet hätten, das tun können. All das wird jetzt fehlen. Ich bin mir sicher, dass der Verein das nachholen wird, wenn sich im Land alles beruhigt hat.

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