Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Atlético Madrid wirkte im Januar bereits wie der Meister in La Liga. Doch nun wackelt die Tabellenspitze vor dem Stadt-Duell gegen Real. Wieso kriselt es bei Atlético?

Joao Félix hätte sich eigentlich freuen können. Immerhin hatte er Atlético Madrid den Treffer zum 2:0-Endstand gegen den FC Villarreal am vergangenen Sonntag erzielt. Er tat es aber nicht. 

Stattdessen legte er seinen Finger auf seine Lippen und schimpfte dann klar zu erkennen in Richtung eigene Bank. Der Grund: Er kam nur als Joker. 

"Ich liebe es, wenn Spieler rebellieren und Stolz zeigen", sagte Coach Diego Simeone.

Anzeige

Trotz des Schlichtungsversuchs wird deutlich: Die Anspannung bei Atlético wird immer größer. 

Noch vor wenigen Wochen wirkte das Team wie der sichere Meister. Doch nun spürt der Spitzenreiter Barca und Real in seinem Nacken. (La Liga: Atlético Madrid - Real Madrid am So., ab 16.15 Uhr im LIVETICKER)

Meistgelesene Artikel

Am Wochenende könnte der Vorsprung, der einmal acht Punkte bei einem Spiel weniger betrug, auf zwei Zähler schrumpfen. Die Nachholpartie hat Atlético nach wie vor in der Hinterhand, doch das Polster wäre bei verbleibenden 13 Spielen nicht mehr groß. 

Barca und Real können an Atlético herankommen

Atlético empfängt am Sonntag Real Madrid. Gewinnen die Königlichen das Derby und Barca gegen Osasuna, ist das Duo also wieder ganz nah dran. (Tabelle von La Liga)

"Die Liga brennt", titelte die spanische Zeitung As deshalb kürzlich.

Dabei sah es noch vor Wochen so aus, als würde Atlético eine Rekord-Saison hinlegen und zum Titel spazieren. 

Der CHECK24 Doppelpass am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1 

Nach 21 Spieltagen hatten die Rojiblancos 16 Siege, drei Remis und nur eine Niederlage auf dem Konto. 

Atlético: Pokal-Blamage und Pleite gegen Chelsea

Es folgten jedoch zwei Ausrutscher, die die Konkurrenz wieder hoffen ließ. Erst gab es ein 2:2 bei Celta Vigo, dann ein 1:1 gegen Levante in einem Nachholspiel und direkt danach ein 0:2 erneut gegen Levante

Das 0:1 im Pokal gegen Drittligisten UE Cornellà und das 0:1 gegen Chelsea in der Champions League zeigten, dass Atlético wieder schlagbar ist. 

Aber wieso ist der Tabellenführer aus dem Tritt gekommen?

"Die Spielzeiten sind immer gleich. Es gibt schwere Momente für jeden. Diejenigen, die in schlechten Momenten stark genug sind, erreichen ihre Ziele", lautete jüngst die nüchterne Analyse von Simeone. (Alles zu la Liga)

Dabei steckt mehr hinter dem Zwischentief - und Simeone trifft eine Mitschuld. 

Simeone deutete Abschied an

Im Januar hatte er völlig überraschend nach der Pokal-Blamage seinen Abschied angedeutet. 

"Wir werden nach Lösungen suchen - wenn wir nächstes Jahr noch da sind", sagte der Trainer. "Der Fußball ändert sich, man muss offen für alle Möglichkeiten sein. Ich bin glücklich hier, aber man muss offen sein für alles, was der Verein entscheidet."

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Das hinterließ Spuren. Immerhin ist der 50-Jährige seit 2012 im Amt und der Erfolgsarchitekt. 

Seit dem vergangenen Sonntag ist Simeone sogar der erfolgreichste Atlético-Trainer der Geschichte. Er zog mit seinem 308. Sieg gleich mit Luis Arágones. Die Legende brauchte aber 100 Partien mehr als Simeone für die Marke. (Ergebnisse von la Liga)

Félix, Lemar und Co: Corona-Welle im Februar

Im Februar wurde das Team zudem von einer Corona-Welle getroffen. Mit Félix, Moussa Dembélé, Héctor Herrera und Thomas Lemar fielen vier wichtige Spieler durch die Krankheit aus. 

Der erste Meistertitel seit 2014 wackelt aber auch, weil die sonst so starke Defensive zuletzt schwächelte. Vor dem Villarreal-Sieg gab es sieben Gegentore in vier Ligapartien. 

Werde Deutschlands Tippkönig! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden

Gehen einigen Spielern in der eng getakteten Saison die Kräfte aus?

Filipe Luis: "Simeone hat kein Herz"

Simeone lässt einen sehr laufintensiven und harten Fußball spielen. Das geht an die Substanz. 

Der Ex-Spieler Luis Filipe erklärte der Daily Mail kürzlich: "Es ist nicht leicht, für Simeone zu spielen. Er hat kein Herz. Er sagt nie zu sich: 'Armer Spieler.' Er entscheidet alles, um zu gewinnen." 

Sollte am Ende dann aber doch der Meistertitel herausspringen, werden ihm seine Spieler sicherlich verzeihen. 

Nächste Artikel
previous article imagenext article image