Tuchel setzt Buffon auf die Bank
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Thomas Tuchel äußerte vor der Saison konkrete Transferwünsche, wirklich erfüllt wurden sie nicht. Das rückt PSG-Sportdirektor Antero Henrique in den Fokus.

Vor der vergangenen Saison sicherte sich Paris Saint-Germain die Dienste von Neymar und Kylian Mbappe. Ein Offensiv-Duo für rund 400 Millionen Euro. Zusätzlich kam Dani Alves ablösefrei, einer der besten Außenverteidiger der Welt. Die Wünsche des damaligen Chefcoachs Unai Emery wurden erfüllt. Oder sogar übertroffen.

Und in diesem Jahr? Welchen Superstar holte der neue Klub von Trainer Thomas Tuchel jetzt? Die Antwort: nicht einen.

Zugegeben: Die Neuzugänge Thilo Kehrer (FC Schalke), Juan Bernat (FC Bayern) und Eric Maxim Choupo-Moting (Stoke) sind allesamt richtig feine Kicker. Das Attribut "Superstar" werden ihnen aber die wenigsten Experten zuschreiben.

Einzig Gianluigi Buffon (Juventus Turin) erfüllt diesen Anspruch. Vorerst wird laut Tuchel aber nicht der Altmeister, sondern Kollege Alphonse Areola das Tor der Pariser hüten.

Tuchels Wünsche bleiben unerfüllt

Nachvollziehbar, dass Tuchel damit nicht zufrieden ist. Vor allem, wenn man weiß, dass der 45-Jährige in Sachen Neuzugänge ziemlich genaue Vorstellungen hatte - und diese dem Transfer-Verantwortlichen frühzeitig mitteilte. Konkret: Antero Henrique, dem Sportdirektor des Hauptstadt-Klubs.

Einen starken Akteur für die Position vor der Abwehrkette hatte Tuchel haben wollen. Den allerdings bekam er nicht.

"Um ehrlich zu sein, bin ich nicht hundertprozentig mit unseren Transfers zufrieden. Wir waren auf der Suche nach einem Sechser, der Thiago Motta im Mittelfeld ersetzt, mit Talent und Persönlichkeit. Leider ist uns das in diesem Transferfenster nicht gelungen", erklärt Tuchel im Interview mit RMC Sport.

Das ist allerdings nicht die einzige Forderung, die Tuchel nicht erfüllt wurde. Chelseas Dauerrenner N'Golo Kante, Juve-Linksverteidiger Alex Sandro sowie die beiden Bayern-Stars Jerome Boateng und Renato Sanches; sie alle hätte sich der ehemalige BVB-Trainer dem Vernehmen nach in Paris gewünscht. Doch es blieb beim Wunsch.

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Belastetes Verhältnis zwischen Tuchel und Henrique

Die Hauptschuld an den Versäumnissen trägt offenbar Henrique - und das brachte Tuchel laut Le Parisien auch zum Ausdruck. Der Sportdirektor sei in Paris angezählt, seine Zukunft zumindest ungewiss. Ein baldiges Aus - spätestens nach Saisonende - gilt als wahrscheinlich.

In den französischen Medien wird schon seit längerem über ein angespanntes Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor spekuliert. Angeblich habe Henrique versucht, einen portugiesischen Coach als Nachfolger von Unai Emery zu installieren. Die katarischen Klubchefs entschieden sich letztlich aber für den deutschen Trainer.

Ein weiterer Krisenherd ist die Personalie Adrien Rabiot. Tuchel schätzt die Qualitäten des Mittelfeldspielers über die Maßen und will ihn unbedingt halten. Rabiots Beziehung zum Sportdirektor allerdings gilt - freundlich umschrieben - als schwierig. Da Henrique dementsprechend keine Einigung über eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags erzielen konnte, droht PSG den 23-Jährigen am Ende der Saison ablösefrei zu verlieren.

Krychowiak: Wurde nicht gut behandelt

Am Montag erhob dann Grzegorz Krychowiak Vorwürfe gegen Henrique. Der 28 Jahre alte Pole war nach einer starken EM 2016 für 27,5 Millionen Euro vom FC Sevilla zu PSG gewechselt, wurde vor Beginn dieser Spielzeit aber an Lokomotive Moskau verliehen, nachdem er bereits die letzte Saison als Leihspieler bei West Bromwich Albion verbracht hatte.

"Ich hatte keine Chance, in diesem Klub zu bleiben. Sie können nicht jemanden für fünf Jahre verpflichten und ihm nach drei Monaten sagen, dass er gehen kann", schimpfte er bei sport.pl.

"Der Sportdirektor von PSG hat mich nicht gut behandelt. Nach der ersten Saison wäre eine Leihe die beste Option gewesen. Aber sie wollten mich unbedingt verkaufen und haben mich gebeten, einen neuen Klub zu finden. So musste ich bis zum letzten Tag des Transferfensters warten. Irgendwann dachte ich, ich müsste mit ihnen Krieg führen."

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Auch Uli Hoeneß hatte Henrique bereits attackiert. "Ich würde Paris Saint-Germain raten, seinen Sportdirektor auszutauschen. Dieser Mann ist kein Aushängeschild für diesen Verein. Wenn PSG ein Weltklub sein will, kann sich der Verein einen solchen Sportdirektor nicht leisten", sagte der Präsident des FC Bayern im kicker. Auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic beschwerte sich über den 50-Jährigen.

Die Bayern hatten sich an Henriques Verhalten bei den Verhandlungen um Boateng und Sanches gestört. Angeblich hatte PSG Interesse am jungen Portugiesen gezeigt, einen Tag um die Transferentschädigung gefeilscht, sich dann aber nicht mehr gemeldet. Bei Boateng hatte Paris 38 Millionen Euro geboten, die Bayern wollten rund 50 Millionen.

Der amtierende französische Meister erwischte trotz aller Widrigkeiten einen Saisonstart nach Maß - zumindest ergebnistechnisch. Vier Spiele, vier Siege. Wirklich souverän war allerdings nur das 3:0 zum Auftakt gegen Caen.

In den übrigen Partien setzte sich Paris jeweils einzig aufgrund der individuellen Klasse von Neymar und Mbappe durch. Superstars eben.

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