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München - Bei PSG beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde ohne Störfeuer. Ein für den Klub ungewöhnlicher Umstand, der wohl vor allem Thomas Tuchel zu verdanken ist.

Edinson Cavani im Kraftraum. Verbissenes Gesicht, eine Hantel in jeder Hand. An sich ein wenig spektakuläres Bild. Und doch sagt es zu Jahresbeginn eine Menge aus.

In den letzten Jahren war es alles andere als selbstverständlich, dass der bisweilen exzentrische Uruguayer pünktlich zum Trainingsauftakt von PSG wieder in Paris weilte.  

Vor einem Jahr verpasste er wie Mitspieler Javier Pastore den Trainingsauftakt unter Unai Emery und wurde vorübergehend aus dem Kader gestrichen, 2015 bekam er eine Geldstrafe, weil er und Sturmkollege Ezequiel Lavezzi ihren Urlaub eigenständig um vier Tage verlängert hatten.

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Dieses Mal war er da. Rechtzeitig. So wie all seine Teamkollegen.

Tuchel als "Meister der Uhren" gefeiert

Allem Anschein nach ein Verdienst von Thomas Tuchel. Dem "Meister der Uhren", wie ihn die französische Boulevardzeitung Le Parisien ob des ungewohnt termingerechten Eintreffens seiner Schützlinge taufte.

Anders als seinen Vorgängern Carlo Ancelotti (Javier Pastore, Diego Lugano und Lavezzi kehrten 2012 zu spät zurück), Laurent Blanc (Cavani und Lavezzi 2015) und Emery (Cavani und Pastore 2018) blieb ihm der fast schon obligatorische Winter-Ärger erspart.

"Ich sehe zwei Dinge: Erstens, Tuchel kontrolliert alles und zweitens, er tut das mit großem Geschick", lobte Gerard Houllier, ehemaliger Trainer von PSG und Liverpool in Le Parisien. "Er hat eine sehr herzliche Beziehung zu seinen Spielern, basierend auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Großzügigkeit."

Tuchel schützt Neymar und Co.

Der ehemalige BVB-Trainer betonte immer wieder wie physisch und mental anstrengend eine Saison im Anschluss an eine WM ist und gewährte insbesondere seinen südamerikanischen Spieler, für die im Sommer noch die Copa America ansteht, immer wieder Pausen.  

Mitte Oktober beispielsweise verordnete Tuchel Neymar trotz eines anstehenden Ligaspiels Sonderurlaub.

Eine Maßnahme, die sich nun offenbar auszahlt. Paris‘ Brasilien-Connection rund um Neymar und Kapitän Thiago Silva kehrte sogar drei Tage "zu früh" aus dem Urlaub zurück, um beim Pokalspiel gegen den Fünftligisten GSI Pontivy mitzuwirken. 

"Vor Weihnachten haben wir ein bisschen mit dem Trainer gesprochen. Er bot an, erst am 7. Januar zurückzukehren", erklärte Thiago Silva. "Ich dachte an das Team und entschied mich, früher zu kommen, um dieses Spiel gut zu spielen."

Nachdem er sich vor einem Jahr wegen der Disziplinlosigkeit von Cavani und Pastore noch genötigt sah, deutliche Worte an seine Teamkollegen zu richten, zeigte sich der 34 Jahre alte Routinier dieses Mal zufrieden.

"Das ist wichtig, weil wir Profis sind. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir pünktlich am vereinbarten Tag eintreffen müssen. Besonders diejenigen, die sich etwas mehr ausgeruht haben", so der Brasilianer.

Tuchel gibt viel und erwartet noch mehr

Tuchel lässt seine Stars an der langen Leine, erwartet im Gegenzug aber auch eine Menge von ihnen. Tanzt jemand aus der Reihe, greift der 45-Jährige durch. Losgelöst von Namen.

Als sich Jungstar Kylian Mbappe vor einem Spiel zu spät zu einer Teamsitzung einfand, fand er sich sofort auf der Bank wieder.

Auch diese Konsequenz und Gleichbehandlung kommt laut Houllier im Team an.

"Die neue Generation an Spielern ist wahrscheinlich individualistischer, aber sie mögen es trotzdem, geführt zu werden und Teil eines Team zu sein. Und in diesem Team macht es Spaß", erklärte der 71-Jährige.

Augenscheinlich so viel Freude, dass selbst Edinson Cavani lieber im Kraftraum als am Strand schwitzt. Dem Meister der Uhren sei Dank.

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