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München - Paris Saint-Germain gibt derzeit weder auf noch neben dem Platz das beste Bild ab. Wird die Luft für Thomas Tuchel schon wieder dünn?

Es ist noch gar nicht lange her, da wähnte sich Paris Saint-Germain am Ziel.

Das Team von Trainer Thomas Tuchel stand im Finale der Champions League und griff nach dem langersehnten Henkelpott.

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Doch PSG zog gegen den FC Bayern München knapp den Kürzeren - und nur drei Wochen später regiert in Paris das blanke Chaos. Nach zwei Spielen in der Ligue 1 steht die Tuchel-Elf bei null Punkten, schon zuvor gab es Wirbel um diverse Corona-Infektionen im Team.

Höhepunkt dieser turbulenten Entwicklung war das Duell mit dem Erzrivalen Olympique Marseille, bei dem in der Nachspielzeit gleich fünf Spieler vom Platz flogen.

Neymar rastet aus

Superstar Neymar gehörte zu den Rotsündern, er wurde für einen Schlag auf den Hinterkopf seines Gegenspielers bestraft. Bei der Rudelbildung, die schon fast den Charakter eine Massenschlägerei aufwies, kassierten von Paris auch Layvin Kurzawa und Leandro Paredes einen Feldverweis, bei Marseille traf es Jordan Amavi und Darío Benedetto.

Warum verloren die PSG-Stars dermaßen die Beherrschung? "In erster Linie liegt es daran, dass die PSG-Spieler Niederlagen nicht ertragen können. Sie glauben, dass sie in Frankreich die Besten sind und akzeptieren daher nicht, wenn eine Mannschaft ihre Dominanz bricht. Besonders, wenn der Gegner Marseille heißt", erklärt David Fioux, Reporter von L'Équipe, bei SPORT1.

Seitdem Qatar Sports Investment (QSI) um Scheich Nasser-Al-Khelaifi als Besitzer des französischen Serienmeisters auftritt, finden Superstars ihren Weg in die französische Hauptstadt.

"Mit den Weltstars kaufen sie auch deren Diven-Verhalten, das war schon bei Zlatan Ibrahimovic so. Aktuell ist Neymar das beste Beispiel. Er kann den gegnerischen Provokationen einfach nicht widerstehen. Dazu erlauben sich jetzt auch Spieler wie Paredes üble Gesten", meint Fioux.

Neymar wirft Gegner Rassismus vor

Noch beim Verlassen des Feldes warf Neymar zudem seinem Gegenspieler Álvaro González Rassismus vor.

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Via Twitter legte der Brasilianer nach dem Spiel nach. González habe ihn als "Affensohn einer Hure" beleidigt und hätte ebenfalls Rot sehen müssen, außerdem schrieb er: "Das Einzige, was ich bedauere, ist, dass ich diesem Ar******* nicht ins Gesicht geschlagen habe."

Mit einem Tag Abstand sah er es geringfügig anders. "Der Typ war ein Dummkopf", schrieb er auf Instagram. "Aber ich habe mich auch wie ein Dummkopf verhalten, weil ich mich darauf eingelassen habe. Hätte ich es ignorieren sollen? Ich weiß es noch nicht. Heute, mit kühlem Kopf, würde ich Ja sagen. Aber in dem Moment haben meine Teamkollegen und ich die Schiedsrichter um Hilfe gebeten und wurden ignoriert."

Rassismus habe "weder im Sport noch in der Gesellschaft Platz", hatte Tuchel nach dem Spiel erklärt. "Aber da ich davon nichts mitbekommen habe, kann ich dazu nichts sagen." González wies die Vorwürfe via Twitter zurück. Es gebe in der Tat keinen Platz für Rassismus, manchmal müsse man aber schlicht lernen, zu verlieren und das auf dem Feld anzuerkennen.

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Probleme nicht nur auf dem Platz

Doch die Probleme bei PSG liegen nicht nur auf dem Platz. Schon kurz nach dem verlorenen Finale von Lissabon wurde bekannt, dass sich mehrere Spieler – darunter auch Neymar - mit dem Coronavirus infiziert hatten.

Einige dieser Akteure waren für einen Kurzurlaub nach Ibiza geflogen und hatten sich dort offenbar angesteckt. "Alle Fußballer waren auf Ibiza. Jedes Team hat positive Fälle, aber es ist ein Skandal, wenn es Paris passiert" verteidigte Sportdirektor Leonardo seine Schützlinge bei Canal+.

Zudem infizierte sich auch noch Kylian Mbappé. Das hatte zur Folge, dass die Tuchel-Elf stark dezimiert zu ihrem ersten Saisonspiel am vergangenen Donnerstag antrat und mit 0:1 beim RC Lens verlor. Gegen Marseille standen einige dieser Profis bereits wieder auf dem Platz, das Ergebnis war aber das gleiche. Damit steht PSG nach zwei Spielen bei null Punkten.

Tuchel schon wieder unter Druck

"Die Stimmung bei PSG ist fast nie ruhig", erklärt Fioux. Dies komme allerdings zum Teil auch von den Bossen. "Leonardo klagt regelmäßig darüber, dass Paris benachteiligt wird, was die Schiris-Entscheidungen und den Terminkalender angeht."

Sportlich kann das Star-Ensemble den verpatzten Auftakt verschmerzen. "Grundsätzlich ist die aktuelle Situation nicht so schlimm. Der Meistertitel ist trotz des Fehlstarts nicht in Gefahr, da keine Mannschaft dauerhaft so stark wie Paris ist", erklärte Fioux.

Doch was bedeutet das neuerliche Chaos für Tuchel? Trotz der erfolgreichen Saison mit dem nationalen Triple plus dem Finale in der Champions League gab es jüngst wieder Gerüchte, dass die Bosse um Leonardo nicht mit dem Deutschen weitermachen wollen. Sky Italia brachte den vorherigen Juventus-Trainer Massimiliano Allegri als möglichen Nachfolger ins Spiel.

"Wir werden mit den Spielern reden. Die Lage ist sehr ernst", erklärte Leonardo nach dem Spiel. Zwischen Leonardo und Tuchel gab es schon in der Vergangenheit immer wieder Spannungen.

Fioux meint: "Er hat durch das Erreichen des CL-Finals zwar Kredit gewonnen, im Fußball kann es aber schnell gehen. Leonardo gibt seinem Trainer kaum Rückendeckung. Zudem fällt es Tuchel schwer, seiner Mannschaft seine Spielweise einzuimpfen."

Durch die sportlichen Erfolge hatte Tuchel Ruhe in die Diskussion um seine Position bei PSG gebracht. Doch drei Wochen später ist es mit dieser bereits wieder passé.

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