Wenger schwärmt nach Tor-Debüt von Aubameyang

München - Der FC Arsenal ist wieder wettbewerbsfähig - dank der namhaften Zugänge. Aubameyang und Mkhitaryan zaubern gleich bei der Premiere. Das Traumduo hat sich wiedergefunden.

Der arme Aaron Ramsey konnte einem leidtun. Im Spektakel-Geschäft Fußball kommt es wahrlich selten vor, dass sich nach Abpfiff nicht alles um einen Spieler dreht, der drei Tore geschossen hat. 

Zum ersten Mal überhaupt in seiner Profi-Karriere bejubelte Arsenals walisischer Mittelfeldstratege einen Dreierpack. Und doch scherte sich nach der 5:1-Gala gegen Everton kaum jemand um ihn.

Ramseys Schicksal ergab sich durch den Plot, den sich die Dramaturgen für diesen Fußballabend ausgedacht hatten. Denn noch lieber als eine Heldengeschichte ist dem Publikum eine romantische Story. Und sei sie nur sportlicher Natur. 

90 Minuten im Zeichen von Aubameyang und Mkhitaryan

Für deren Hauptrollen waren andere gemacht, nicht Ramsey. Die 90 Minuten, das wurde schnell klar, standen ganz im Zeichen der Wiedervereinigung von Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkitaryan

Nach anderthalb Jahren läuft das einstige BVB-Traumduo neuerdings wieder gemeinsam für einen Klub auf. Zwar nicht mehr in Gelb gekleidet, sondern in Rot. Aber diese Farbe passt ja ohnehin viel besser zu Romantik. 

Aubameyang und Mkhitaryan also. Die beiden waren schon immer gut darin, sich in Szene zu setzen, wenn man sie als Protagonisten auserwählt hatte. Bei diesem Talent war es fast absehbar, dass gleich das erste Zusammenspiel im neuen Verein ein formidabler Akt werden würde.

Es dauerte keine sechs Minuten, bis Aubameyang zu Mkhitaryan durchsteckte, der in die Mitte passte und Arsenal 1:0 führte. Dass der Torschütze Aaron Ramsey hieß: geschenkt. 

Von dem Moment an verständigten sich die Sturmpartner auf die alte Aufgabenteilung aus Dortmunder Zeiten. Mkhitaryan gab den Vorbereiter, Aubameyang versuchte sich als Vollstrecker.

Den Armenier sah man fortan abwechselnd am rechten Flügel oder zwischen den Räumen - stets im Bemühen das Erlebnis herbeizuführen, welches das ganze Stadion ersehnte: das Tor-Debüt Aubameyangs. 

Arsenal-Ikone vergleicht Aubameyang mit Henry

Es fiel das 2:0, es fiel das 3:0, doch Aubameyangs großer Moment, er sollte kommen. 

Bei Mkhitaryans erstem Pass in den freien Raum waren dem Torjäger noch die Beine von Evertons Keeper im Weg (32.). Beim nächsten Zuspiel seines Sturmadjutanten chippte er den Ball dann gekonnt über Jordan Pickford hinweg ins Netz (37.). Zwar aus Abseitsposition, aber das schien in diesem Moment nicht mal den Linienrichter zu kümmern. 

Den früheren Arsenal-Profi Martin Keown, inzwischen TV-Experte in England, erinnerte Aubameyangs Abschluss an den bis dato für unnachahmlich befundenen Stil von Klubikone Thierry Henry, wenngleich er diesen Vergleich doch arg verfrüht anstellte. 

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Jedenfalls hatte der kostspielige Winterneuzugang die Erwartungen bei seiner Premiere schon vor der Pause erfüllt. Mkhitaryan dagegen war auch im zweiten Abschnitt noch aufgedreht.

Als er Gegenspieler Dominic Calvert-Lewin listig den Ball stibitzte und ihn in den Rücken der Abwehr passte, empfing er mal keine Danksagung Aubameyangs, sondern die Aaron Ramseys. 

Mkhitaryan der heimliche Matchwinner

Ramsey erzielte seinen dritten Treffer (74.). Der wahre Matchwinner des Abends hatte zu dem Zeitpunkt genauso viele vorbereitet: Henrikh Mkhitaryan. 

Als das Spiel vorüber war, schwärmte Mesut Özil bei Twitter von einer "brillanten Leistung" seines Teams, "kreativ" und "entzückend" habe Arsenal gespielt. "Fußball wie aus einem Guss."  

Das Urteil eines Mannes, der derlei Verzierungen gerne für sein eigenes Spiel beansprucht. Diesmal waren es Aubameyang und Mkhitaryan, die den Gegner damit entzauberten. 

Für Torheld Ramsey mag das mit einer gewissen Tragik verbunden gewesen sein, aber dem englischen Fachboulevard war die Romanze der beiden Ex-Dortmunder eine Titelgeschichte wert.

Wie gut das Traumduo bereits wieder harmonierte, war auch an der Reaktion von Evertons Coach Sam Allardyce abzulesen. "Das ganze Team hat sch..ße gespielt", fauchte der nach dem Spiel in die Mikrofone der Reporter. Er sprach von jenen Spielern, die Aubameyang und Mkhitaryan zuvor vorgeführt hatten. 

Duelle gegen Tottenham und ManCity stehen an

Vielleicht lieferte Allardyce' Reaktion einen Vorgeschmack für aller Trainer, die Arsenal in naher Zukunft als Gegner begegnen werden. Mal abgesehen von Östersunds FK in der UEFA Europa League sind das Tottenham Hotspur und zweimal Manchester City.

Genau rechtzeitig zu den wichtigen Spielen in Liga und Pokal ist Arsenal wieder wettbewerbsfähig. Vor allem durch zwei namhafte Wintertransfers. 

Ob von ihm in den kommenden Spielen noch mehr zu sehen sein werde, wurde Pierre-Emerick Aubameyang am Samstagabend gefragt. Er antwortete so, wie er zuvor gespielt hatte, verheißungsvoll: "Ich denke doch." 

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