Nach 22 Jahren: Wenger verlässt Arsenal
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München - Arsene Wenger tritt am Saisonende nach 22 Jahren beim FC Arsenal ab - offenbar nicht aus freien Stücken. Die Bosse sollen ihm das Aus angedroht haben.

Man sollte meinen, ein Trainer, der 22 Jahre lang in ein und demselben Verein trainiert, dürfe sich den Zeitpunkt seines Rückzugs selbst aussuchen.

Und es sah ja zunächst danach aus, als wäre genau das beim FC Arsenal auch geschehen. Arsene Wenger hat dort am Freitag seinen Abschied zum Saisonende verkündet.

Aber tat er es wirklich aus freien Stücken, aus eigenem Antrieb? Mittlerweile legen Berichte seriöser Medien starke Zweifel nahe.

"Geh' oder du wirst gefeuert"

"Nach sorgfältiger Überprüfung und in Folge der Gespräche mit dem Klub fühle ich, dass es der richtige Zeitpunkt für mich ist, am Saisonende zurückzutreten", ließ er über eine Mitteilung des Vereins ausrichten. 

Wer dieses Statement genau liest, dem fällt die Passage mit den Gesprächen ins Auge. Und in England machen nun auch seit Samstag Meldungen die Runde, wonach die Klub-Oberen Wenger in besagten Gesprächen mehr oder weniger deutlich zum Rücktritt gedrängt haben. 

Die Times etwa betitelt einen ihrer Artikel mit der Zeile "Go or be sacked". Zu deutsch: "Geh' oder du wirst gefeuert".

Die Geschichte beschreibt Vorgänge hinter den Kulissen. Dem Vernehmen nach haben Arsenals Verantwortliche um Geschäftsführer Ivan Gazidis Wenger zum baldigen Rücktritt gedrängt und ihm lediglich überlassen, wann er diesen bekanntzugeben gedenkt. 

Der frühere MLS-Ligamanager Ivan Gazidis ist seit 2009 Geschäftsführer des FC Arsenal
Der frühere MLS-Ligamanager Ivan Gazidis ist seit 2009 Geschäftsführer des FC Arsenal © Getty Images

Auch Fan-Ärger besorgte FC-Arsenal-Bosse

Anderenfalls, so schreibt die Zeitung, sei dem Trainer eine "unehrenhafte" Entlassung im Sommer angedroht worden. Dieser kam Wenger mit seiner Erklärung vom Freitag einfach nur zuvor.

Dazu passt eine Meldung des Guardian. Auch darin heißt es, dass "die sehr reale Bedrohung eines Rauswurfs am Ende der Saison" entscheidender Faktor bei Wengers Entschluss war. 

Demnach haben die Bosse Arsenals sportliche Entwicklung unter Wenger mit Argwohn betrachtet - und auch die immer lauter werdende Fan-Kritik am Coach, die sich zuletzt auch in sinkenden Zuschauerzahlen manifestierte.

33 Punkte liegen die Gunners hinter Meister Manchester City zurück. Der schwerreiche Investor Stan Kroenke soll eine baldige Neuausrichtung des Klubs angeregt haben - mit anderem Coach.

Los Angeles Rams v Seattle Seahawks
US-Milliardär Stan Kroenke ist auch Mitbesitzer der L.A. Rams (NFL), Colorado Avalanche (NHL) und der Denver Nuggets (NBA) © Getty Images

Nachfolge von Wenger längst eingeleitet

Deshalb, so schreibt der Guardian, sei das Ende der Ära Wenger bewusst geplant und bereits seit geraumer Zeit Pläne für dessen Nachfolge entworfen worden.

Mit diversen Personalentscheidungen sei die schon vorbereitet worden, unter anderem auch mit der Verpflichtung des früheren Dortmunder Chefscouts Sven Mislintat.

So lange, wie sich Wenger bei Arsenal im Amt gehalten hat, konnte man zuletzt das Gefühl bekommen, er sei so etwas wie ein Alleinherrscher. Dabei haben im Verein ganz andere Kräfte das Sagen.

Er sei dankbar, erklärte Wenger in seiner Abschiedsrede, "dass ich dem Klub für so viele denkwürdige Jahre dienen durfte". Auch seine Bosse schickten ihm viele warme Worte hinterher.

Wie es scheint, waren seine Dienste über die Saison hinaus trotzdem nicht länger erwünscht.

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