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Huddersfield und München - David Wagner spricht im SPORT1-Interview über den Klassenerhalt und das Saisonfinale gegen Arsenal. Die Gerüchte um seine Person ehren ihn.

David Wagner hat mit Huddersfield Town einen märchenhaften Aufstieg in England erlebt. Der 46-Jährige führte die "Terriers" 2017 nach 45 Jahren sensationell zurück in die Premier League. 

Und seit Mittwochabend ist gewiss: Die Terriers spielen auch in der nächsten Saison im englischen Oberhaus.

Huddersfield Town sicherte sich dank eines 1:1 (0:0) beim FC Chelsea einen Spieltag vor Schluss den Klassenerhalt. Der Vorsprung des Tabellen-16. auf die Abstiegszone beträgt vier Punkte. (Die Tabelle der Premier League)

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Im SPORT1-Interview spricht Wagner, im Übrigen Trauzeuge von Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, über seine Zukunft, Begehrlichkeiten bei anderen Klubs und das Saisonfinale gegen den FC Arsenal, zugleich das letzte Spiel von Arsene Wenger als Gunners-Trainer. (Spielplan der Premier League)

SPORT1: Huddersfield hat mit einem 30-Millionen-Etat den kleinsten der Premier League. Wie hoch ist der Klassenerhalt einzuschätzen?

David Wagner: Das ist ein Wunder. Für mich ist das die Steigerung und auch höher anzusiedeln als der letztjährige Aufstieg, weil du diese Dichte an hochklassigen Managern und Topspielern in dieser Liga weltweit nirgendwo findest. Wir hatten eine realistische Herangehensweise und haben diese Underdog-Rolle akzeptiert und angenommen. Wir sind mit Rückschlägen sehr entspannt umgegangen, weil wir wussten, dass uns das passieren wird. Die Underdog-Story findet jeder cool, das hat etwas Märchenhaftes.

SPORT1: Wie gehen Sie mit den Wechselgerüchten um ihre Person um? 

Wagner: Ich nehme das wahr. Ich habe viele Freunde und Bekannte, die mir herübertragen, was medial erzählt wird. Eine seriöse Aussage kann ich dazu nicht tätigen. Ich wusste kürzlich doch gar nicht, in welcher Liga wir nächstes Jahr spielen. Soll ich sagen 'ja auf jeden Fall'? Soll ich sagen, 'ich weiß es nicht'? Soll ich sagen 'Stand jetzt'? Wenn wir weiter in der Premier League spielen, sitze ich - wie letztes Jahr nach dem Wembley-Finale - mit dem Besitzer am Tisch und dann gehen wir viel konkreter in die ganzen Gespräche: Was können wir mit diesem Klub machen? Wie können wir es machen? Wir setzen wir uns hin und werden zusammen eine Entscheidung treffen.

SPORT1: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Wagner: Ich habe so viel Spaß an dem Klub. Ich habe dem Klub so viel zu verdanken. Der Besitzer war so extrem loyal zu mir, dass ich mich immer erst mit ihm zusammensetzen werde, bevor ich irgendwelche Entscheidungen treffe. Für mich ist das überhaupt nicht schwierig oder problematisch, weil mich vieles an letztes Jahr erinnert. Letztes Jahr hätte ich vor dem Wembley-Finale genau das gleiche gesagt.

SPORT1: Sie sind Trainer in der besten Liga der Welt. Ist eine Bundesliga-Rückkehr dann überhaupt noch realistisch?

Wagner: Ich habe ein größeres Grundinteresse an der Bundesliga als beispielsweise an der Ligue 1. Ich kann kein Französisch und habe die auch nicht als Kind laufend im Fernsehen geguckt. Ich verfolge die Bundesliga. Ich kriege hier auch mit, dass eher Negatives aus der Bundesliga herüber transportiert wird. Diskussionen um die 50+1-Regel, unzufriedene Fans, obwohl Spiele gewonnen werden, die Video-Schiedsrichter. Im Moment habe ich den Eindruck, dass eher ein bisschen negativer über die Bundesliga gesprochen wird, als noch vor drei, vier Jahren.

SPORT1: Im Umfeld von Eintracht Frankfurt fällt immer wieder der Name David Wagner als Nachfolger für Niko Kovac, der zum FC Bayern wechselt. Ehrt Sie das Interesse?

Wagner: Darüber habe ich bisher null Komma null nachgedacht. Prinzipiell findet es jeder cool, wenn eher positiv als negativ über einen gesprochen wird. Dass mich das ehrt, kann ich jetzt nicht sagen. Das ist einfach die Reflexion davon, dass das, was wir hier machen, in Deutschland wahrgenommen wird und nicht voll blind war. Prinzipiell sind mein Trainerteam und ich auf jeden Fall besser als wir vor fünf oder sechs Jahren waren. Ich brauche aber keine positiven Schlagzeilen, die mich antreiben. Ich weiß schon, dass das, was wir machen, nicht ganz so schlecht ist. Das Selbstvertrauen haben wir uns erarbeitet.

SPORT1: Arsene Wenger wird sein letztes Spiel als Arsenal-Trainer ausgerechnet gegen Sie bestreiten. Was bedeutet das für Sie und Huddersfield?

Wagner: Für unseren Verein ist es etwas Außergewöhnliches, das letzte Spiel gegen Arsene Wenger zu spielen. Arsene hat hier Herausragendes für den Fußball geleistet. Was er hier revolutioniert hat, wie er das Spiel verändert hat, die Professionalität der einzelnen Spieler - das ist ganz groß. 22 Jahre bei einem Verein herausragend erfolgreich tätig zu sein - es ist unglaublich, dass sowas funktioniert. Leider wird sein letztes Spiel hoffentlich nicht so erfolgreich sein, dafür werden wir alles tun. Abgesehen von diesem letzten Spiel, war alles, was er getan hat, Wahnsinn.

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