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FC Arsenal, Mesut Özil, Unai Emery, Pierre-Emerick Aubameyang
FC Arsenal, Mesut Özil, Unai Emery, Pierre-Emerick Aubameyang © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images
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München - Trotz ausbleibender Neuzugänge ist es Neu-Trainer Unai Emery gelungen, das große Wenger-Erbe anzutreten. Deshalb ist der FC Arsenal bisher so erfolgreich.

Es sind diese Momente, weshalb wir diesen Sport so lieben.

Der Treffer zum 3:1 bei Arsenals Heimsieg über Leicester City durch Pierre-Emerick Aubameyang war in seiner Gesamtheit kaum zu überbieten. Eine Symphonie von einem Tor, komponiert von der gesamten Offensivabteilung der Gunners. Chefdirigent Mesut Özil, der maßgeblich an Entstehung und Vollendung beteiligt war.

Tor und Zauber-Assist! Özils Gala mit Rekordtreffer

Eingestaubtes Arsenal unter Wenger

Da war sie wieder, die Leichtigkeit des Seins beim FC Arsenal. Jenes One-Touch-Spiel, das Arsene Wenger dem Team über Jahre eingeimpft hatte. Das in den letzten Jahren unter seiner Führung jedoch in die Jahre gekommen war.

Der Franzose erreiche die Mannschaft nicht mehr, es fehlten die Führungsspieler - und überhaupt: Der Wenger-Stil sei in der körperbetonten Premier League überholt, hieß es. "We trust in Arsene", hatte auch bei den Fans ausgedient und der 69-Jährige nahm nach 22 Jahren seinen Hut bei den Nord-Londonern. Auch er selbst wirkte müde.

Die Klub-Verantwortlichen standen nun unter Druck. Die Fußstapfen, die der Elsässer hinterließ, waren trotz der eher mauen letzten Jahre enorm. Wenger hatte den Verein neu erfunden. Viele Namen machten die Runde, den Zuschlag erhielt Unai Emery.

Altes Personal, neue Effizienz - Emery belebt Arsenal wieder

Der Baske erreichte internationale Anerkennung durch seine Trainerstationen in Valencia und Sevilla, zuletzt durch sein Engagement beim neureichen Paris Saint-Germain. Und wenn man ihn an der Seitenlinie beobachtet, wirkt er alles andere als müde.

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Emery hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht. Sie wieder erweckt. Das kann man guten Gewissens behaupten. Ohne nennenswerte Neuzugänge, abgesehen von Torwart Bernd Leno, erstrahlen die "Gunners" in neuem Glanz. Mesut Özil brilliert als Ideen- und Taktgeber wie zu besten Zeiten, die Stürmer Aubameyang und Lacazette treffen abwechselnd nach Belieben und auch Sorgenkinder, wie Alex Iwobi finden endlich ihre Rolle im Mannschaftsgefüge.

Ebenfalls neu trotz altem Personal: Die Effizienz. Denn was den Mannschaften unter Arsene Wenger stets ein wenig abging (ausgenommen der Henry-/Bergkamp-Generation) war der letzte Punch. Der unbedingte Siegeswille. Schönen Fußball zeigte Arsenal 20 Jahre lang, die großen Erfolge blieben aber weitgehend aus.

Das Arsenal 2018/19 zerpflückt seine Gegner nicht, es spult ein kontrolliertes Feuerwerk ab. Immer dann, wenn es notwendig ist. Und es kann verteidigen und verwalten, wenn es drauf ankommt. In den letzten sechs Pflichtspielen kassierten die Londoner lediglich drei Gegentore.

Comeback-Qualitäten und Joker-Händchen

Im Schatten von Peps mächtigem City, Klopps rasanten "Reds" und dem verhassten Stadtrivalen Chelsea haben sich Özil und Co. Schritt für Schritt an die Tabellenspitze herangepirscht. Wettbewerbsübergreifend elf Pflichtspielsiege in Serie, Tabellenplatz vier. Zwei Punkte Rückstand auf die Spitze.

Dabei ging es gar nicht gut los für den neuen Trainer und seine "neuen“ Gunners. Zwei Pleiten zu Saisonbeginn. Die Schwergewichte Chelsea und City waren zu diesem frühen Zeitpunkt schlichtweg noch zu schwer für ein Team, das sich erst finden musste.

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Mittlerweile erschüttert Emerys Jungs nicht einmal mehr ein Rückstand. Der 49-Jährige hat seiner Mannschaft einen neuen Siegeswillen und -Glauben eingeimpft. Acht Mal stand es zur Halbzeit nur unentschieden.

Aber entweder drehte sein Team aufgrund seiner neu gewonnen Fitness das Spiel selbst oder die Einwechslungen erledigten den Rest. Wie zuletzt Aubameyang mit einem Doppelpack gegen Leicester. Auch in der Europa League ist Arsenal nach dem 1:0 bei Sporting Lissabon klar auf Kurs.

Zweifel bleiben bestehen - bis Weihnachten

Was aber auch zur Wahrheit dazugehört, ist ein gewisses Spielglück in entscheidenden Phasen einer Partie und Schiedsrichterentscheidungen, die sich zumindest nicht nachteilig für den FC Arsenal ausgewirkt haben. So verweigerte Schiedsrichter Graham Scott Leicester City in der ersten Hälfte einen klaren Handelfmeter. Wie das Spiel mit einem 0:2-Rückstand gegen den Überraschungsmeister von 2016 ausgegangen wäre, bleibt Spekulation.

Genauso wie die Frage nach der wahren Qualität der Mannschaft. Denn: Die dicken Brocken kommen erst noch. So beeindruckend, wie sich Arsenal die Siege derzeit herausspielt, bleibt abzuwarten, ob all diese Faktoren auch gegen die "Big Player“ der Premier League zünden.

Bis zum Ende des Jahres müssen die Gunners zweimal gegen den FC Liverpool, und je einmal gegen Tottenham und Manchester United antreten. In diesen Spielen taten sich die "alten" Gunners in den vergangenen Jahren traditionell schwer. In der letzten Spielzeit konnten gegen die Top 5-Teams der Liga sogar nur sechs von 30 möglichen Punkten eingefahren werden.

Wenn sich das Jahr 2018 dem Ende neigt, weiß nicht nur Emery, ob er den Klub tatsächlich neu erfunden hat oder ob die Phase im Spätherbst lediglich ein kurzes Freudenhoch war.

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