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München - Felix Passlack erlebte einst einen steilen und rasanten Aufstieg. Nach zwei glücklosen Leihen steht das ehemalige BVB-Juwel am Scheideweg seiner Karriere.

Es läuft die 81. Spielminute im Dortmunder Signal Iduna Park, als Felix Passlack ein Stück deutscher Champions-League-Geschichte schreibt.

Gerade hat der Außenverteidiger im Spiel gegen Legia Warschau den Treffer zum 7:3 erzielt und sich mit gerade einmal 18 Jahren, fünf Monaten und 24 Tagen zum jüngsten deutschen Torschützen in der Königsklasse geschossen – noch vor Spielern wie Julian Draxler, Leroy Sane, Max Meyer und Lars Ricken.

Knapp zweieinhalb Jahre ist das inzwischen her. Was folgte, ist ein ziemlicher Abstieg, der das einstige BVB-Juwel an den Scheideweg seiner noch jungen und eigentlich so vielversprechenden Karriere gebracht hat.

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Passlack überzeugt im Junioren-Bereich

Über den Nachwuchs von Fortuna Bottrop und Rot-Weiß Oberhausen kam Passlack, der in seiner Kindheit Fan des ungeliebten Reviernachbarn Schalke 04 war, 2012 zum BVB und ließ dort schnell sein Können aufblitzen.

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Zwischen 2014 und 2017 wurde er mit den B- und A-Junioren der Schwarz-Gelben viermal hintereinander Meister und führte seine Mannschaften dabei sogar häufig als Kapitän aufs Feld. Für seine herausragenden Leistungen wurde er obendrein vom DFB mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet, und steht damit inzwischen in einer Reihe mit Namen wie Marc-Andre ter Stegen, Timo Werner, Leon Goretzka oder Kai Havertz.

Daher verwunderte es nicht, dass der damalige Profi-Trainer Jürgen Klopp Passlack bereits 2015 mit ins Trainingslager der Profis ins spanische La Manga nahm.

"Felix ist sehr unbekümmert. Anfangs war er noch sehr nervös. Aber er macht das hervorragend, fügt sich gut ein. Und auf dem Platz ist er frech. Für ihn ist das eine gute Perspektive und für den Verein allemal", zeigte sich der heutige Leiter der Lizenspielerabteilung Sebastian Kehl seinerzeit beeindruckt.

Passlack erlebt Attentat auf BVB-Bus

Ein Jahr später zog ihn Thomas Tuchel dann, gemeinsam mit Christian Pulisic, endgültig in den Bundesliga-Kader hoch. Von vielen Experten als Jahrhundert-Talent gepriesen und bereits mit Mario Götze verglichen, wurde Passlack dort vom Offensivspieler zum Außenverteidiger umfunktioniert.

Felix Passlack erzielte 2016 gegen Legia Warschau als jüngster Deutscher ein Tor in der Champions League
Felix Passlack erzielte 2016 gegen Legia Warschau als jüngster Deutscher ein Tor in der Champions League © Getty Images

In seiner ersten Rückrunde bei den Profis kam er immerhin dreimal zum Einsatz und begann sich im darauffolgenden Jahr endgültig zu etablieren. Neben seinem geschichtsträchtigen Tor und dem Gewinn des DFB-Pokals nahm allerdings noch ein weiterer, unschöner Moment Einfluss auf die Karriere des damals 18-Jährigen: Der Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen die AS Monaco.

"Ich hatte lange Zeit Angstzustände und konnte schlecht schlafen", sagte er rund ein Jahr danach im Prozess gegen den Attentäter Sergej W. vor dem Dortmunder Landgericht aus. Zu diesem Zeitpunkt befand sich seine Karriere bereits im freien Fall.

Leihe nach Hoffenheim wird vorzeitig beendet

Denn nach dem Attentat am 11. April 2017 machte Passlack in der Saison 2016/2017 kein einziges Spiel mehr für die Borussia. Erst in der ersten Runde des DFB-Pokals in der neuen Spielzeit kehrte er wieder aufs Feld zurück. Nach einem weiteren Kurzeinsatz in der Liga entschloss sich der BVB dazu, Passlack im Tausch für Jeremy Toljan an die TSG Hoffenheim zu verleihen – ein Geschäft, das sich im Nachhinein für beide Seiten als ungünstig erwies.

Während Toljan an der Strobelallee kaum zu überzeugen wusste, wurde der 38-malige Junioren-Nationalspieler Passlack nach je zwei Spielen in der Liga und der Europa League von Julian Nagelsmann in die zweite Mannschaft geschickt, wo er fortan nur noch in der viertklassigen Regionalliga Südwest zum Einsatz kam.

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"Man sieht einfach, dass er letztes Jahr nullkommanull Rhythmus hatte. Er hat die Chance in der Bundesliga nicht überragend genutzt, sondern normal gespielt. Dann ist es normal, dass andere vorne dran sind", sagte der TSG-Trainer bereits im November 2017 in einem Interview mit dem Kicker über Passlacks Situation.

Dieser gab sich selbst nach seiner Degradierung noch kampfeslustig und erklärte bei 90min.de, dass er sich "über konstant gute Trainingsleistungen und Spielpraxis bei der U23" wieder einen festen Kaderplatz erkämpfen wolle. Taten konnte er seinen Worten allerdings nicht folgen lassen, und so beendeten beide Vereine die Leihe im Sommer vorzeitig.

Neuanfang bei Norwich City scheitert kläglich

Bei Norwich City in der zweiten englischen Liga sollte der inzwischen 20-Jährige dann unter Daniel Farke, dem ehemaligen Trainer der Dortmunder Amateure, einen Neuanfang schaffen. Doch inzwischen hat sich auch diese Leihe als Riesen-Missverständnis erwiesen.

Zwar hatte der 42-Jährige noch im November erklärt, er sei "voll zufrieden mit Felix", dennoch kam dieser in der Hinrunde kein einziges Mal für den inzwischen als Aufsteiger in die Premier League feststehenden Klub in der Liga zum Einsatz.

Gerade einmal vier Einsätze im League Cup verzeichnete Passlack in der Hinrunde. "Für ihn ist es unglücklich gelaufen, dass ausgerechnet auf seiner Position mit Max Aarons ein anderer Spieler durch die Decke geht. Ich bin aber überzeugt davon, dass Felix uns mittelfristig helfen wird. Was seine Leistungen betrifft, ist er ganz nah dran", stellte ihm sein Trainer damals mehr Spielzeit in der Rückrunde in Aussicht.

Nur 80 Liga-Minuten in zwei Jahren

Doch außer sechs Minuten gegen Preston North End kam der Flügelspieler nicht in der Championship zum Einsatz und fand sich zuletzt sogar bei den "Canaries" in der U23 wieder. Somit kommt er in den vergangenen beiden Spielzeiten auf gerade einmal vier Liga-Einsätze über insgesamt 80 Minuten im Profibereich.

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Auch wenn zu erwarten ist, dass der flexible Außenbahnspieler nach dem gesicherten Aufstieg noch die eine oder andere Minute bekommen wird, waren die beiden letzten Spielzeiten verlorene Jahre für ihn.

Denn während Mario Götze beim BVB momentan wieder zur alten Stärke zurückfindet und Christian Pulisic den Klub für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea verlässt, ist Passlacks Zukunft im Signal Iduna Park nach dem Ende seiner Leihe im Sommer ungewisser denn je. Das einstige Super-Juwel steht am Scheideweg seiner Karriere. 

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