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Jürgen Klopp und seine Stars wollen nicht zum Wiederholungsspiel im FA Cup antreten. Das bringt unter anderem den Besitzer eines englischen Drittligsten auf die Palme.

Jürgen Klopp hat mit seiner Boykott-Ansage für ordentlich Aufsehen gesorgt.

Nachdem der Trainer des FC Liverpool verkündet hatte, dass er beim FA-Cup-Rückspiel gegen Drittligist Shrewsbury Town keine Spieler seines A-Teams aufs Feld schicken werde, wurde Kritik laut. 

Vor allem Andy Holt, Besitzer des englischen Drittliga-Klubs Accrington Stanley, feuerte deutliche Worte Richtung Klopp.

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Er bezeichnete Liverpools Coach als "Schande" und betonte, dass der Fußball nicht ihnen (Liverpool Anm. d. Red.), sondern allen gehöre. 

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"Jürgen, du machst dich lächerlich. Das ist reine Selbstsucht in höchstem Maße", wettert Holt bei der englischen Tageszeitung The Sun weiter. Liverpool müsse für sein Vorgehen dringend bestraft werden. Zudem sei Klopps Verhalten "unfair für die Spieler und Fans von Shrewsbury."

Klopp hatte nach dem 2:2-Unentschieden angekündigt, dem Wiederholungsspiel fernbleiben zu wollen, weil es in die mit dem englischen Fußballverband vereinbarte Winterpause falle. "Es geht um das Wohlergehen der Spieler und sie brauchen eine Pause - eine mentale Pause und eine körperliche Pause", sagte der Erfolgs-Trainer. 

Carragher nimmt Klopp in Schutz

Neben Kritik bekam Klopp aber auch Rückendeckung - unter anderem von Liverpool-Legende Jamie Carragher.

Dieser twitterte: "Es ist richtig, dass die Profis eine Winterpause bekommen. Man kann nicht eine Pause einführen und dann ein Wiederholungsspiel in dieser Pause ansetzen. Das gilt für alle Premier-League-Klubs."

Mit Klopps Aussage, dass nicht er die junge Mannschaft im Rückspiel trainiere werde, sondern U23-Trainer Neil Critchley, war aber auch Carragher nicht ganz einverstanden. "Klopp sollte die Mannschaft führen, die jungen Spieler wären begeistert", schrieb er.

Klopp kontert die Kritiker

"Ich muss im Interesse der Mannschaft auch Entscheidungen treffen, die nicht populär sind", betonte Klopp. Statt der Stars um Virgil van Dijk wird die U23 der Reds gegen den Drittligisten antreten. Klopp: "Wir wollen in die nächste Runde, und unserer U23 traue ich zu, weiterzukommen." 

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Reserve-Coach Neil Critchley habe sein volles Vertrauen, es wäre keine Option gewesen, dass er selbst im Wiederholungsspiel das Coachen der U23 übernimmt, so Klopp: "So funktioniert Fußball nicht."

Murphy fordert Trainer-Einsatz von Klopp

Das sieht ein anderer Ex-Liverpool-Spieler genauso. Dass Klopp seine Spieler schützen möchte, verstehe Murphy, wie er bei talkSPORT erklärte. Aber seiner Meinung nach "gibt es keinen Grund für ihn (Klopp, Anm. d. Red.) nicht beim Spiel dabei zu sein."

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"Egal, wohin er fliegt, welchen Urlaub er mit oder ohne die Spieler macht, ob sie zusammen weggehen oder er den Spielern Freizeit gibt, er ist der Manager", sagte Murphy, "er rennt nicht alle drei Tage ums Spielfeld. Er geht nur über den Trainingsplatz."

FA reagiert auf Klopp-Boykott

Der englische Verband FA hatte am Montag in einer Stellungnahme nochmals klargemacht, dass die erstmalige Winterpause im englischen Profifußball auf einer langfristigen Absprache fuße: "Vor Beginn der Saison 2019/20 haben alle Vereine akzeptiert, dass die Wiederholungen der vierten Runde des FA Cup, sofern erforderlich, in der ersten Woche der Spielpause in der Zwischensaison stattfinden müssen." Dass Klopp mit seiner Mannschaft wegen des 2:2 am Sonntag erneut gegen Shrewsbury im FA Cup antreten muss, war so nicht einkalkuliert.

Für Klopp ist klar, dass er die Ansetzung eines Wiederholungsspiels im englischen Pokal statt eines Elfmeterschießens als Anachronismus empfindet. "Shrewsbury hätte die Möglichkeit, auch im Elfmeterschießen weiterzukommen. Auch für einen Drittligisten ist es eine zusätzliche Belastung, die erst weggesteckt werden muss", meinte der Liverpool-Coach.

Für Klopp ist entscheidend, dass er die zwei Wochen Pause für die Regeneration seiner Schützlinge vollumfänglich nutzen will. "Ich trage die Verantwortung für meine Spieler", äußerte der Kulttrainer.

Ähnliche Situation wie im Dezember

Dass im Dezember 2019 schon einmal eine ähnliche Situation aufgrund der Klub-WM entstanden war, ist ihm bewusst. Innerhalb von 24 Stunden standen damals Partien im Ligapokal-Viertelfinale gegen Aston Villa und bei der Klub-Weltmeisterschaft in Katar auf dem Programm. 0:5 gingen die Liverpooler Nachwuchskicker gegen Villa unter, die Klopp-Stars holten dafür den Titel bei der Klub-WM.

Die Partie am Mittwoch bietet Klopps Team die Möglichkeit, die Führung in der Tabelle auf 19 Punkte vor Meister Manchester City auszubauen. Allerdings muss er auf Torjäger Sadio Mane aufgrund einer Muskelverletzung verzichten; der Senegalese wird auch am Samstag gegen den Ralph-Hasenhüttl-Klub FC Southampton fehlen.

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