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München - Das Verhalten von Weltklasse-Trainern wird gemeinhin genauestens beobachtet. Doch ein psychologischer Kniff von Jürgen Klopp ist wohl kaum jemandem bekannt.

Während sich ihre Teams aufwärmen, verhalten sich die meisten Fußball-Trainer gleich: Sie beobachten ihre Spieler, sprechen mit ihren Assistenten über die Taktik, geben dem übertragenden Fernsehsender vielleicht noch ein Interview.

Doch nicht so Jürgen Klopp. Wer den deutschen Coach des FC Liverpool ganz genau kennt, dem ist seine außergewöhnliche Verhaltensweise womöglich schon einmal aufgefallen. (Spielplan der Premier League)

Klopp platziert sich in der Regel vor jeder Partie an der Mittellinie mit Blickrichtung zur gegnerischen Mannschaft. Und dann beginnt sein erstes Psychospielchen.

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Profi Murray erzählt von Klopps Psychotrick

Der 53-Jährige vergräbt die Hände tief in die Hosentaschen, kehrt seinem eigenen Team dauerhaft den Rücken zu, setzt einen ernsten Gesichtsausdruck auf und starrt mitregungsloser Miene auf die Akteure des Kontrahenten, wie diese Laufschule machen, Passübungen absolvieren oder Torschüsse proben.

Ein Verhalten, das seinen Zweck nicht verfehlt. Denn Klopp will damit Präsenz zeigen, den Gegner bereits vor dem Anpfiff des Spiels einschüchtern. Dass er sein Ziel immer wieder erreicht, wird aus Berichten von englischen Profis deutlich.

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"Es geht einem wirk­lich unter die Haut. Er steht nur da, auf Höhe der Linie, und sieht zu, wie sich die geg­ne­ri­sche Mann­schaft auf­wärmt. Beim ersten Mal haut dich das wirk­lich um, weil du denkst: ​'Was macht er da?' Er schaut nicht ein ein­ziges Mal auf sein eigenes Team, er beob­achtet nur uns", erzählte Glenn Murray, Profis von Brighton & Hove Albion, kürzlich im Podcast Talksport.

Der Stürmer ging weiter ins Detail: "Er macht das vor jedem Spiel, ich weiß nicht, ob es jemand bemerkt hat. (...) Klopp wendet seinen Blick nie­mals ab, er fixiert dich die ganze Zeit."

Murray vermutet dahinter eine Art psychologische Kriegsführung. "Er bringt alle Gegner zum Grü­beln, nicht wahr? Jeder fragt sich: ​'Was genau schaut er sich da an? Was ist da los?' So schafft er es in deinen Kopf, noch ehe das Spiel beginnt", führte er weiter aus.

Gewinn der Champions League und der Premier League

Klopp wendet diese Taktik sogar vor Partien gegen unterklassige Teams in den englischen Pokalwettbewerben an. Dies beweist, wie perfektionistisch der frühere Bundesliga-Trainer seinen Job auffasst.

Die psychologische Komponente spielt in seiner Philosophie ohnehin eine bedeutende Rolle. Wohl auch deshalb hat er die Reds innerhalb von nur knapp fünf Jahren zum Champions-League-Triumph und zum englischen Meistertitel geführt.

Denn insbesondere in seiner Anfangszeit hat Klopp bewusst am Auftreten seiner Spieler gearbeitet. Er brachte seinen Stars eine selbstbewusste Körpersprache bei.

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Klopp setzt in Liverpool auf Reframing

Zusätzlich setzt der Ex-BVB-Coach auf die mentale Methode des "Reframings". Dabei werden negative Erlebnisse so umgedeutet, dass darauf positive Energie geschöpft werden kann.

Beispielsweise schrieb Klopp vor einer seiner ersten Trainingseinheiten an der Anfield Road das englische Wort für schrecklich, also "terrible", in Großbuchstaben auf eine Tafel in der Umkleidekabine.

Seinen Spielern sollte damit eingebläut werden, dass sich gegnerische Mannschaften nach jedem Spiel gegen Liverpool so fühlen sollten.

Wen Klopps starrer Blick an der Mittellinie trifft, wird sich möglicherweise schon vor einem Spiel so fühlen.

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