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Neuzugang Abdul Rahman Baba ist bereits bei PAOK Saloniki angekommen
Neuzugang Abdul Rahman Baba ist bereits bei PAOK Saloniki angekommen © Imago
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München - Abdul Rahman Baba steigt in Deutschland schnell zum Star auf. Der Wechsel sollte der große Wurf werden - und entpuppte sich als Beginn einer unheilvollen Odyssee.

Es war ein Abschied, wie man ihn nicht besser hätte inszenieren können.

Abdul Rahman Baba wirbelte auf seiner linken Seite, drang immer wieder in den Strafraum ein und erzielte einen Doppelpack.

In seinem letzten Spiel hatte er noch einmal allen gezeigt, was in ihm steckt. Der gelernte Linksverteidiger spielte eine Position weiter vorn und war prompt der gefährlichste Akteur.

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Baba-Gala zum Abschied gegen Nürnberg

Im Frankenderby gegen den 1. FC Nürnberg markierte der Ghanaer zwei Tore und holte dazu noch einen verwandelten Elfmeter heraus. An diesem Montagabend im August gewann die SpVgg Greuther Fürth gegen den Lokalrivalen mit 5:1, es war der erste Heimsieg im Derby seit 18 Jahren.

"Und dann war da noch die Gala des etatmäßigen Verteidigers Abdul Rahman Baba", schrieb damals die Mainpost: "Doch typisch Fürth: Es war auch der letzte Auftritt des sehr introvertierten Ghanaers im grün-weiß geringelten Leibchen."

Sechseinhalb Jahre ist diese Geschichte jetzt her. Der Abschied aus Fürth sollte für den jungen Mann zum Aufbruch in die große Fußballwelt werden. Über den FC Augsburg ging es zum FC Chelsea – aber danach ging es nicht weiter.

Die so hoffnungsvoll gestartete Karriere ist im Februar 2021 zum Stillstand gekommen, zum wievielten Mal eigentlich?

Nächster Alauf in Saloniki

Nun also PAOK Saloniki. In der griechischen Liga will es der mittlerweile 26-Jährige jetzt probieren, zumindest ein bisschen von dem zu retten, was damals im Frankenland als Märchen begann.

In Augsburg schlug er das nächste Kapitel auf, wurde prompt zum Publikumsliebling und zu einer Säule auf dem Weg des FCA nach Europa.

Doch bevor das Abenteuer begann und die Schwaben auf ihrer "In Europa kennt uns keine Sau"-Tour Station in Belgrad, Bilbao und Liverpool machten, war Baba schon wieder weg.

Statt nur gelegentlich, wollte er regelmäßig gegen Liverpool und die anderen großen Teams der Premier League spielen. Im August 2015, exakt ein Jahr nach seiner Ankunft, verließ er das beschauliche Augsburg schon wieder und heuerte in der Weltstadt London an. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

Für geschätzte 26 Millionen Euro wechselte er vom FCA zum FC Chelsea. "Es ist nicht nur eine Auszeichnung für seine Leistungen, sondern auch für unsere Arbeit, wenn ein internationaler Spitzenklub wie der FC Chelsea Interesse an einer Verpflichtung zeigt", kommentierte Augsburgs Manager Stefan Reuter diesen Deal stolz.

Baba ist bis heute Rekordtransfer von Augsburg

Er dürfte damals schon geahnt haben, dass ein Transfer in dieser Größenordnung etwas einmaliges für den FC Augsburg sein würde. Bis heute ist dieser Deal der mit Abstand größte in der Vereinsgeschichte der bodenständigen Schwaben. Auf Platz zwei folgt der Transfer von Martin Hinteregger zur Frankfurter Eintracht – für neun Millionen Euro.

Beim FCA wurde das Geld gut angelegt. Bis heute ist der Verein ein Beispiel dafür, wie man mit kaufmännisch klugen Entscheidungen im Haifischbecken Bundesliga mitmischen kann.

Das Haifischbecken Premier League aber wurde für Baba schnell zu einer Herausforderung, der er nicht gewachsen schien. Sein neuer Trainer José Mourinho fand für ihn zunächst keine Verwendung.

"Er weiß nicht, wie es ist, in dieser Meisterschaft zu spielen. Er hatte keine Saisonvorbereitung mit uns. Er braucht noch Zeit, um zu lernen und sich bei uns zu integrieren", sagte der Portugiese über Baba – und setzte statt auf ihn auf den Serben Branislav Ivanovic.

Baba kam zwar in der Saison noch auf 15 Liga-Spiele. Aber die Zeit, die er brauchte, um sich in England zu akklimatisieren und seine alte Form zu finden, bekam er nicht. Dazu warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück.

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Zweimal zu Schalke verliehen

Schon nach dem ersten Jahr in London wurde er im Sommer 2016 ausgeliehen, zurück in die Bundesliga zu Schalke 04. Wegen einer schweren Knieverletzung musste er dort die gesamte Rückrunde aussetzen.

Im Januar 2018 folgte der nächste Versuch. Wieder Leihe, wieder Schalke, wieder Ausfall. Die Nachwirkungen der Knieverletzung hinderten ihn auch fast die komplette Rückrunde hindurch an Einsätzen.

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Insgesamt fiel er zwischen Januar 2017 und Mai 2018 fast eineinhalb Jahre aus. Zur neuen Saison wurde er zwar wieder fit, konnte sich aber bei Domenico Tedesco nicht durchsetzen, im Januar 2019 verließ er Schalke zum bislang letzten Mal.

Die Odyssee des Abdul Rahman Baba ging weiter: Auf Stade Reims folgte RCD Mallorca - und die nächste schwere Verletzung. Ein Jahr lang konnte er nicht spielen.

Den Blues gehört er zwar immer noch. Doch in London kam er zu Beginn dieser Saison nur noch bei der U23 zum Einsatz. Es war der bisherige Tiefpunkt einer unheilvollen Odyssee, die vor sechseinhalb Jahren als Märchen begann.

Ob es das noch einmal wird, muss bezweifelt werden. Nächstes Kapitel: Saloniki.

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