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München - Mit der Zusage zur Super League überrumpelt der FC Liverpool seinen eigenen Coach Jürgen Klopp. Die Fans protestieren. Wirft Klopp nun sogar hin?

Den Punktgewinn gegen den FC Liverpool kostete der freche Aufsteiger auf ganz besondere Weise aus.

Leeds United erreichte gegen "den Super-League-Klub Merseyside Reds" ein 1:1-Unentschieden nach Diego Llorentes spätem Ausgleichstreffer, twitterte der Klub mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. (Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

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Pläne für Super League sorgen für heftige Diskussionen

Rein sportlich kassierte Jürgen Klopp durch das Remis der Reds in der Premier League einen herben Dämpfer im Kampf um die Qualifikation zur Champions League. Doch seitdem in der Nacht zum Montag die Pläne einer neuen Super League von zwölf europäischen Topklubs, darunter auch der FC Liverpool, präsentiert wurden, rückt das sportliche Geschehen zunehmend in den Hintergrund. (Die Erklärung der Teams im Wortlaut)

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Der Tweet des LUFC ist auch eine Anspielung auf die drohenden Konsequenzen für die Super-League-Teilnehmer. Die UEFA erörtert bereits einen Ausschluss der entsprechenden Teams aus der Champions League und der Europa League, auch über eine Verbannung aus den nationalen Ligen wird bereits debattiert. Die Folgen für die handelnden Personen, die Spieler und die Trainer, sind schwer absehbar.

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Auch über Klopps Zukunft in Liverpool wird in England heiß diskutiert.

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"Ich habe gehört, dass ich zurücktreten werde", sagte Klopp nach dem Spiel in Leeds am Montag und schob zugleich hinterher: "Wenn die Zeiten hart werden, macht mich das nur noch standhafter, dass ich bleiben werde."

Sollte Klopp angesichts der Super League aber trotzdem hinschmeißen beim LFC, wäre für seine nahe Zukunft auch der FC Bayern München eine denkbare Option, schließlich hatte sich auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Montag gegen die Super-League-Pläne positioniert.

Rummenigge äußert sich zu Bayern-Spekulationen um Klopp

In einem Interview mit dem Corriere della Sera wurde Rummenigge anschließend gefragt, inwiefern es jetzt ein symbolischer Akt wäre, wenn Klopp jetzt zu Bayern käme. "Wir haben uns noch nicht für einen Trainer entschieden, erst gewinnen wir die Liga und dann entscheiden wir, was wir machen. Natürlich hat er sich heftig gegen seinen Verein ausgesprochen", sagte Rummenigge. Nach der Ankündigung von Trainer Hansi Flick, die Bayern nach der Saison verlassen zu wollen, benötigt der Rekordmeister zur neuen Spielzeit einen neuen Coach.

Klopp steht bei den Reds allerdings nach wie vor bis 2024 unter Vertrag. Vor dem Spiel hatte Klopp seine ablehnende Haltung gegenüber der Super League bekräftigt. Im kicker hatte er im Jahr 2019 erklärt: "Ich hoffe, diese Super League wird es nie geben." Diese Meinung bestätigte Klopp am Abend. "Ich habe die gleiche Meinung über die Super League", sagte der 53-Jährige bei Sky Sports.

Von den Plänen des Klubs wurde Klopp ganz offensichtlich überrumpelt. "Es ist eine schwierige Sache, die Leute sind nicht glücklich. Wir waren nicht in den Prozess involviert, nicht die Spieler, nicht ich, wir wussten nichts davon. Wir werden abwarten müssen, wie sich das entwickelt."

Liverpool-Idol Carragher kritisiert Eigentümer

Liverpool-Idol Jamie Carragher befürchtete daher, dass Klopp Konsequenzen ziehen könnte. "Wenn Liverpool in den nächsten zwölf Monaten seinen Manager aufgrund dieser Sache verliert, dann werden die Besitzer innerhalb einer Woche aus dem Klub gejagt werden. Das kann ich Ihnen versichern", sagte Carragher in seiner Funktion als TV-Experte bei Sky.

Carraghers Kritik zielte in Richtung der Fenway Sports Group (FSG), die sich bei den Reds 2010 "für einen Spottpreis" (Carragher) einkauften, nachdem die amerikanischen Geschäftsleute George Gillett und Tom Hicks den Klub an den Rande des Ruins getrieben hatten. Der Klub sei jetzt "sechs- oder siebenmal so groß", erklärte Carragher. "Sie haben ihr Geld gemacht und sie haben mit Liverpool in der Lotterie gewonnen."

Klopp selbst entgegnete nach dem Spiel: "Ich bin hier als Fußballtrainer und Manager und ich werde das so lange machen, so lange mich die Leute lassen." Er fühle sich verantwortlich für die Mannschaft, den Klub und die Beziehung zu den Fans. "Es ist eine sehr harte Zeit, aber ich werde versuchen mitzuhelfen, es irgendwie einzuordnen."

Klopp versteht Ärger der Fans

Die Fans der Reds gingen am Montag bereits auf die Barrikaden. Die Fangruppe Spion Kop 1906 kündigte an, die zahlreichen Banner von der legendären Tribüne "The Kop" an der Anfield Road zu entfernen. Auch das Auswärtsspiel an der Elland Road in Leeds war von Protesten begleitet. Anhänger hielten vor dem Stadion Plakate hoch mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden, LFC".

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Er könne den Ärger der Fans nachvollziehen. "Ich weiß nicht genau, warum die zwölf Vereine das gemacht haben. Es heißt immer 'mehr Spiele, mehr Spiele'. Es geht um mehr Geld, um nichts anderes", stellte er klar.

Gegner Leeds brachte seine Haltung mit einer T-Shirt-Aktion vor dem Spiel klar zum Ausdruck. Beim Aufwärmen trug das Team von Marcelo Bielsa Shirts mit der Aufschrift "Verdient es!" und "Fußball ist für die Fans".

T-Shirt-Aktion von Leeds stößt Klopp sauer auf

Klopp erklärte, dass die Shirts auch Klopps Mannschaft in die Umkleidekabine gelegt wurden. "Wir werden sie nicht tragen. Wir können nicht. Aber wenn jemand denkt, dass sie uns daran erinnern müssen, dass wir es uns verdienen müssen, in der Champions League zu spielen, ist das ein Witz, ein richtiger Witz!", meinte Klopp. "Wenn es Leeds' Idee war, die Shirts in unsere Umkleide zu legen, dann vielen Dank. Niemand muss uns daran erinnern. Vielleicht sollten sie sich selbst daran erinnern."

Zudem kritisierte Klopp, dass auch seine Spieler an den Pranger gestellt werden. "Ich denke nicht, dass das richtig ist, ich mag es nicht wie viele Leute über Liverpool reden", sagte Klopp. "Dies ist ein fantastischer Fußballklub. In diesem speziellen Moment können wir die Mannschaft nicht dafür verantwortlich machen."

Klopp wehrte sich vor allem gegen Kommentare, die den gesamten Klub - und damit aus seiner Sicht auch seine Spieler und ihn - "zur Hölle" wünschten. "Die sollten alle mal runterkommen, wir sind auch nur Menschen."

Schon bei ihrem Spaziergang durch Leeds am Montagnachmittag seien er und seine Spieler von gegnerischen Fans beleidigt worden, berichtete Klopp. Das habe sich rund um die Partie fortgesetzt. "Ich gehe jetzt nach Hause und weiß nicht, was da abgehen wird", sagte er aufgewühlt. Er verstehe die Fan-Wut und akzeptiere Kritik, in diesem Fall sei er aber nicht das richtige Ziel.

Milner spricht sich gegen Super League aus

Mittelfeldspieler James Milner sprach sich unterdessen gegen eine Super League aus.

"Ich kann nur meine persönliche Meinung sagen, und ich mag es kein bisschen und hoffe, dass es nicht passiert", sagte Milner der BBC. (Tabelle der Premier League)

Das aktuelle System habe "lange gut funktioniert. Was es besonders gemacht hat, was wir in den letzten Jahren getan haben, ist, dass wir uns das Recht verdient haben, die Champions League zu gewinnen und das Recht, die Premier League zu gewinnen", ergänzte der Mittelfeldspieler. "Das Produkt, das wir derzeit haben, ist sehr gut."

Klopp: "Es muss sich etwas ändern im Fußball"

Für Klopp steht fest: "Es muss sich etwas ändern im Fußball, das ist ganz sicher." Auch UEFA und FIFA dürften "Dinge nicht einfach entscheiden".

Den Super-League-Klubs werde Geldgier vorgeworfen, sagte er bei Sky, "aber was glauben Sie, was die UEFA will? Die FIFA will eine Klub-WM. Es geht ums Geld, um nichts anderes." Die Reform der Champions League, wie sie die UEFA am Montag beschlossen hatte, "gefällt mir nicht", betonte er.

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