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Francesco Pianeta (r.) hat keine Angst vor Skandal-Boxer Tyson Fury © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/Imago
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München - Auf Francesco Pianeta wartet am Samstagabend eine große Aufgabe. In Belfast muss der Deutsch-Italiener gegen Box-Großmaul Tyson Fury in den Ring steigen.

Am Samstag wird es ernst für Francesco Pianeta. Im Windsor Park in Belfast muss der in Gelsenkirchen geborene Boxer gegen Großmaul Tyson Fury in den Ring steigen. Für den 33-Jährigen der wohl spektakulärste Kampf seiner Karriere.

Nach einer Krebserkrankung 2009 kehrte der Deutsch-Italiener nur ein Jahr später bereits wieder zurück. Beim Kampf gegen Wladimir Klitschko 2013 hatte er aber keine Chance. Bereits in der sechsten Runde ging Pianeta K.o.

Auch die Vorzeichen für den Fight gegen Fury sind nicht die Besten: Pianetas letzter Kampf gegen Petar Milas ging im Juni verloren - Tyson Fury nimmt dagegen den Rückenwind eines Sieges mit in den Fight

Im SPORT1-Interview spricht der Boxer über seine Vorteile gegenüber Fury, sein Image als Underdog und Furys ständige Showeinlagen.

SPORT1: Herr Pianeta, wie lief die Vorbereitung auf den Kampf gegen Tyson Fury?

Francesco Pianeta: Ich bin fleißig, ich gebe Vollgas und konzentriere mich voll auf den Kampf. Es läuft also alles nach Plan. Ich kann mich auch nicht über das Wetter beschweren. Es ist so häufig kalt hier im Deutschland. Da sind die Temperaturen doch top, perfekte Bedingungen für das Training.

SPORT1: Wann haben Sie davon erfahren, dass sie gegen Tyson Fury kämpfen?

Pianeta: Ich weiß schon länger davon. Ich hatte circa sechs Wochen Vorbereitungszeit, das ist genug.

SPORT1: Zuletzt haben sie am 16. Juni in Unterschleißheim gegen Petar Milas gekämpft. Der Kampf ging nach Punkten verloren. Was nehmen Sie aus dem Kampf mit in das Duell gegen Fury?

Pianeta: Der letzte Kampf ist richtig in die Hose gegangen. Das war meine eigene Schuld. Ich suche keine Fehler bei anderen. Deshalb muss ich jetzt das Beste aus der Niederlage machen und werde versuchen, es mit diesem Kampf wiedergutzumachen. Dann kann ich weiter in die Zukunft schauen.

SPORT1: Nach einer derartigen Niederlage werden viele kritischen Stimmen laut. Das Wort Karriereende war zu lesen. Ist das noch mehr Ansporn, es noch einmal allen zu zeigen?

Pianeta: Ganz genau. Nach so einem Kampf gibst du Vollgas, denn du weißt, diese Chance musst du nutzen. Das Gute ist, ich kann mit einem freien Kopf in den Kampf gehen. Fury hat den ganzen Druck, den ganzen Stress. Ich gehe rein und habe meinen Spaß - und dann wird zum Schluss abgerechnet

SPORT1: Tyson Fury polarisiert enorm, macht aus jedem Kampf eine Show. Stört Sie das oder hilft es vielleicht sogar?

Pianeta: Das ist für mich ein guter Ansporn. Ich freue mich darauf und werde einfach Gas geben. Unterm Strich werden wir sehen, wie es ausgeht.

SPORT1: In der letzten Woche hat Tyson Fury getwittert, dass er plant, bereits im Dezember gegen Deontay Wilder zu kämpfen. Nimmt er den Kampf gegen Sie möglicherweise gar nicht ernst?

Pianeta: Er kann über Wilder reden, über Joshua, über wen er will. Man sollte sich immer erst auf die aktuelle Aufgabe konzentrieren – und dann auf die nächste. Aber das ist seine Sache. Das kann aber durchaus ein Vorteil für mich sein. Ich gehe ohne Kopfschmerzen in den Kampf, will die zehn Runden voll genießen.

SPORT1: Konnten Sie Fury in den letzten Wochen beobachten? Wissen Sie, wie fit er ist?

Pianeta: Ich verfolge ihn gar nicht. Ich konzentriere mich nur auf mich selbst. Ich respektiere ihn natürlich sehr als Boxer. Er hat 2015 Wladimir Klitschko geschlagen, das ist eine ganz große Nummer. Wie viele Kilos er gerade auf die Waage bringt, das weiß ich nicht.

SPORT1: Wie wollen sie Fury bezwingen?

Pianeta: Mein Vorteil ist, dass ich absolut keinen Druck habe. Er muss sich beweisen, er will nach oben kommen. Somit kann ich ganz entspannt in den Kampf gehen und werde natürlich alles dafür tun, um als Sieger nach Hause zu kommen.

SPORT1: Wo sehen Sie Furys größte Schwächen?

Pianeta: Seine Schwäche ist natürlich, dass er drei Jahre nicht geboxt hat. Er hatte nur einen Kampf. Um überhaupt wieder reinzukommen, dauert es noch ein bisschen. Das geht nicht von heute auf morgen. Der Körper muss sich erst einmal wieder daran gewöhnen. Ich habe regelmäßig meine Kämpfe bestritten. Bei ihm ist es nur ein Kampf gewesen und ich glaube deshalb auch nicht, dass er Ende des Jahres gegen Wilder boxen wird. Ich glaube nicht, dass er das körperlich schaffen würde.

SPORT1: Sie haben die körperliche Verfassung von Tyson Fury angesprochen. Liegt darin auch Ihre Strategie?

Pianeta: Ja, sicher! Natürlich wäre mir am liebsten ein K.o., kurz zu arbeiten ist immer besser. Aber wenn es nach Punkten geht, dann geht es nach Punkten. Hauptsache ich überzeuge, bringe eine gute Leistung und gewinne das Ding. Das wird in Großbritannien natürlich wieder schwer. Tyson Fury ist ein großer Name. Aber das blende ich während des Kampfes komplett aus. Auch das Publikum.

SPORT1: Rechnen Sie bereits im Vorfeld - bei der PK oder beim Wiegen - mit Provokationen oder einer Show von Tyson Fury?

Pianeta: Ich gehe davon aus, dass er wieder etwas machen wird. Aber ich bin nicht der Typ, der Show macht. Ich lehne mich zurück und genieße seine Show. Im Ring wird dann gesprochen!

SPORT1: Fury denkt bereits an Wilder. Wie sieht es bei Ihnen aus, was haben Sie für Pläne?

Pianeta: Ich habe da schon etwas in meinem Kopf, aber ich will jetzt erst einmal diesen Kampf bestreiten. Danach sehe ich weiter.

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