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Box-Legende Graciano Rocchigiani ist tot. Der 54-Jährige ist am Dienstag in Italien tödlich verunglückt. "Rocky" war zuletzt SPORT1-Experte.

Der frühere Box-Weltmeister Graciano Rocchigiani ist tot.

Der 54-Jährige ist bei einem Autounfall in Italien tödlich verunglückt, das bestätigte seine Managerin Chirin Kampa. Das Unglück soll sich am Dienstagmorgen ereignet haben. Zuerst hatte die Bild darüber berichtet.

Rocchigiani fungierte als SPORT1-Box-Experte und war Jurymitglied der Sendung "SPORT1 The Next Rocky". Auch sein früherer Boxstall Team Sauerland zeigte sich tief betroffen von der Nachricht.

"Wir sind bestürzt und fassungslos. Wir trauern um Graciano und sind in Gedanken bei seiner Familie, seinen Kindern und seinen Freunden. Rocky hat nicht nur unseren Boxstall mit seinen Kämpfen geprägt, sondern auch ein großes Publikum mit seinen Kämpfen begeistert. Es hat auch manches Mal zwischen uns gekracht, aber am Ende haben wir immer einen Konsens gefunden. Wir werden ihn sehr vermissen", sagte Wilfried Sauerland.

Erster WM-Titel 1988

Am 11. März 1988 war der Stern des Profiboxers Graciano Rocchigiani aufgegangen. Vor 6000 Zuschauern prügelte der damals 24-Jährige in Düsseldorf den Amerikaner Vincent Boulware (USA) im IBF-Titelkampf des Supermittelgewichts windelweich. 

Schon damals zeigte sich sein typischer Stil: Sobald er sich bei einem Gegner festgebissen hatte, war der jüngere Bruder von Profiboxer Ralf Rocchigiani nicht mehr zu halten und zeigte spektakuläre Schlagserien. Über Nacht war der Shooting-Star zum Champion geworden, Deutschland hatte nach Max Schmeling und Eckhard Dagge seinen dritten Weltmeister im Profiboxen.

Zur tragischen Figur wurde "Rocky" zur Zeit des deutschen Boxbooms in den neunziger Jahren in Kämpfen gegen die damaligen TV-Lieblinge Henry Maske und Dariusz Michalczewski. Beide Weltmeister hatte er am Rande einer Niederlage, verlor aber jeweils umstritten.

Prozess gegen die WBC

Ende der 90er-Jahre führte Rocchigiani einen der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte des Profiboxens - und gewann. Am 22. März 1998 hatte sich der Rechtsausleger vor 9000 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle durch einen Sieg gegen den Amerikaner Michael Nunn den WM-Titel der WBC im Halbschwergewicht gesichert. Als erster deutscher Boxer widerlegte er das Motto "They never come back" und wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere Champion.

Vier Monate später sorgte das World Boxing Council (WBC) für einen Eklat. Der Verband, in dem bereits Muhammad Ali Weltmeister war, ernannte plötzlich den Amerikaner Roy Jones zum neuen Champion.

Rocchigiani fühlte sich bestohlen und zog in den USA vor Gericht. Am Ende wurden ihm 31 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Dem WBC drohte der Konkurs, 2004 ging Rocchigiani auf ein Vergleichsangebot ein und bekam 4,5 Millionen Dollar. 

Die größten Kämpfe von Graciano Rocchigiani:

1995: Henry Maske vs. Graciano Rocchigiani I

1995: Henry Maske vs. Graciano Rocchigiani II

1997: Graciano Rocchigiani vs. John Scully

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