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Boxverbände: WBO & Co. - Die wichtigsten Verbände im Boxen
Boxverbände: WBO & Co. - Die wichtigsten Verbände im Boxen © Getty Images
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Im Gegensatz zu anderen Sportarten gibt es im Boxen mehrere Weltmeister. Das liegt an den vier Verbänden WBA, WBC, IBF und WBO, die die Boxwelt dominieren.

Aus fast allen Sportarten ist man es gewohnt, dass es einen World Champion gibt, der für alle gilt. Ganz anders im Boxen - da es hier statt einem gleich mehrere Weltverbände gibt, hat auch jeder seinen eigenen Weltmeister. Allerdings gilt das nur für das Profi-Boxen. Um die Zulassung des Boxens für die Olympischen Spielen nicht zu gefährden, ist im Amateurbereich die Association Internationale de Boxe Amateure (AIBA) der alleinige internationale Amateur-Box-Verband. Somit gibt es auch nur einen Box-Weltmeister pro Gewichtsklasse. Allerdings wird der AIBA immer wieder von Skandalen erschüttert, die diese Zulassung in Frage stellen.

Wie viele Verbände gibt es eigentlich?

Weltweit haben sich unzählige Boxverbände gegründet, die national oder international Kämpfe organisieren. Der Grund für die hohe Zahl der Verbände ist, dass diese eher als gewinnorientierte Unternehmen verstanden werden, denn als sportliche Verbände. Die Gebühr der Verbände beträgt üblicherweise drei Prozent der Kampfbörse. Daher haben die Boxverbände ein Interesse dran, möglichst publikumswirksame Boxer gegeneinander antreten zu lassen. Diese garantieren die höchsten Einnahmen.

Aktuell haben sich vier Verbände durchgesetzt, die als die bedeutendsten Federationen angesehen werden. Zu diesen großen Vier gehören das World Boxing Council (WBC), die World Boxing Association (WBA), die International Boxing Federation (IBF) und die World Boxing Organization (WBO).

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Diese Aufsplitterung der Boxverbände begann in den 1960ern. Davor war die National Boxing Association (der Vorgänger der WBA) praktisch dominierend.

Die WBA

1920 wurde die WBA unter dem Namen National Boxing Association (NBA) in den USA gegründet. Der Name zeigt, dass sich der Box-Verband damals auch auf den US-Raum beschränkte. Das liegt daran, dass zu dieser Zeit die wichtigsten Boxer alles US-Amerikaner waren. Erst 1962, als auch immer mehr Boxer aus Europa kamen, änderte die NBA ihren Namen in die bis heute gültige Variante - die World Boxing Association.

Der erste "Superstar" der WBA war die heutige Box-Legende Joe Louis, der den WBA-Titel im Schwergewicht von 1937 bis 1949 trug. In dieser Zeit vermarktete die Organisation ihre Boxer  immer mehr als Showstars. Der reine Sport trat in den Hintergrund.

Im Zuge dieser Entwicklung zum Show-Event gründeten sich andere Box-Weltverbände, um der Alleinherrschaft der WBA entgegenzuwirken und am finanziellen Erfolg teilzuhaben.

Das WBC

Das World Boxing Council gründete sich 1963 als erster großer vom WBA unabhängiger Box-Weltverband. Seinen eigenen Schwergewichts-Weltmeister, Ken Norton, hatte der Verband aber erst 1978. 1998 konnte der Verband nur knapp einen Konkurs abwenden. WBC-Halbschwergewicht-Weltmeister Roy Jones Jr. äußerte seine Überlegungen, dass er die Gewichtsklasse ändern will. Das WBC verstand die Aussage jedoch als endgültige Entscheidung und organisierte einen WM-Kampf zwischen dem inzwischen verstorbenem Graciano Rocchigiani und Michael Nunn, den Rocchigiani für sich entschied. Als Jones seinen Titel jedoch zurückerhielt, verklagte Rocchigianni das WBC und bekam 31 Millionen Dollar zugesprochen. Erst 2004 willigte Rocchigiani in einen Vergleich über 4,5 Millionen Dollar ein, der das finanzielle Überleben des WBC sicherte.

Die IBF

Auf der WBA-Jahresversammlung 1983 unterlag Bob Lee bei der Wahl zum Vorsitzenden der Gilberto Mendoza. Als Reaktion darauf gründeten er und einige seiner Gefolgsleute die International Boxing Federation (IBF). Die IBF etablierte sich schnell als dritter großer Verband in der Boxwelt.

1999 musst die IBF um seine Existenz fürchten. Präsident Bob Lee musste wegen illegaler Handlungen zurücktreten und wurde 2001 zu 22 Monaten wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche verurteilt. 

Des Weiteren gaben Außenstehende zu, dass sie die IBF bestochen hatten, um dem deutschen Boxer Axel Schulz zu einer WM-Chance gegen George Foreman zu verhelfen. Bis heute muss sich die IBF immer wieder mit Vorwürfen auseinandersetzen, dass Boxer in den Listen zu hoch eingestuft werden.

Die WBO

Auch die World Boxing Organization (WBO) gründete sich aus Protest gegen die WBA. 1988 erklärten sich zahlreiche Funktionäre unzufrieden mit den Regeln und Bewertungssystemen der WBA und gründeten die WBO. Der erste Präsident war Ramon Pina Acevedo.

Da der nordamerikanische Markt unter den bereits existierenden Verbänden aufgeteilt war, orientierte sich die WBO verstärkt nach Europa. So dauerte es einige Jahre, bis die Weltmeister der WBO auch in den USA Anerkennung fanden.

Die aktuelle Lage

Heute haben sich diese vier Organisationen als "Die großen Vier" etabliert und bestimmen die Boxwelt. Wer von diesen Organisationen die wichtigste ist, ist nicht eindeutig zu sagen. Aber eine Gemeinsamkeit haben sie. Kein Boxverband ist unumstritten. Bei jeder dieser Organisationen finden sich in der Vergangenheit fragwürdige Kampfergebnisse oder finanzielle Unregelmäßigkeiten.

Dazu ist jeder Boxverband bestrebt, sich abzugrenzen. Bis heute verweigern die Boxverbände noch oft die Anerkennung von Titelvereinigungen verschiedener Boxverbände. Nach dem WM-Kampf muss sich der Sieger für einen Titel entscheiden. Die Ausnahme ist das Schwergewicht. Da diese die publikumswirksamste Gewichtsklasse ist, werden hier Mehrfach-Weltmeister zumeist akzeptiert. Allerdings können auch hier die einzelnen Organisationen immer noch ihr Veto einlegen.

Die aktuellen Weltmeister im Schwergewicht

WBA: Unified-Weltmeister: Andy Ruiz (USA); Regulärer Weltmeister: Manuel Charr (Deutschland)
WBC: Deontay Wilder (USA)
IBF: Andy Ruiz (USA)
WBO: Andy Ruiz (USA)

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