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Chavo Guerrero (l.) und Animal verklagen die WWE
Chavo Guerrero (l.) und Animal verklagen die WWE © Imago
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50 frühere Wrestling-Stars machten ihren Ex-Arbeitgeber WWE für die Folgen schwerer Verletzungen verantwortlich und reichten Klage ein - ohne Erfolg.

Es war eine Aufsehen erregender Wrestling-Rechtsstreit - aber letztlich blieb er folgenlos.

Insgesamt 53 ehemalige Angestellte des Marktführers WWE - 50 Wrestlerinnen und Wrestler, zwei Ringrichter (Dave und Earl Hebner), ein Manager (Slick) - hatten im Juli 2016 vor einem Gericht in Connecticut eine Massenklage gegen ihren Ex-Arbeitgeber eingereicht. Der Vorwurf: Er sei verantwortlich für schwere Kopfverletzungen, die sie in ihrer Karriere erlitten hätten.

Es ging um die Langzeitschäden, die durch wiederholte Gehirnerschütterungen ausgelöst werden, insbesondere um die Demenzkrankheit CTE (chronisch traumatische Enzephalopathie) - und war ein Kapitel der "Concussion Crisis", die auch NFL, NHL und andere Sportarten hielt.

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"WWE hat gegenüber ihren früheren Wrestlern alles in ihrer Macht Stehende getan, um abzustreiten, zu vertuschen und Aufmerksamkeit davon abzulenken, dass diese Krankheit existiert", hieß es in ihrer 214 Seiten langen Klageschrift - die allerdings im September 2018 vollumfänglich abgewiesen wurde.

WWE nennt Klage "lächerlich"

Hauptkläger war Joe Laurinaitis, legendär geworden als Road Warrior Animal. Er hielt WWE unter anderem vor, vier schwere Gehirnerschütterungen, die er im Lauf seiner Karriere erlitten hätte, nicht oder nicht ausreichend behandelt zu haben.

Auch die meisten anderen Kläger sind Stars der achtziger und neunziger Jahre, unter ihnen der 2017 verstorbene Jimmy Snuka, Paul Orndorff, King Kong Bundy, Kamala, Marty Jannetty, Ahmed Johnson, Demolition Ax und Smash, der Berzerker, der Barbarian und der Warlord.

Aus der jüngeren Vergangenheit kommen Chavo Guerrero (zusammen mit Vater Chavo Sr.), Muhammad Hassan, Mark Jindrak, Johnny Stamboli und Jon Heidenreich hinzu. Auch die Hinterbliebenen des 2016 verstorbenen Axl Rotten klagten.

Organisiert wurde sie von dem Anwalt Konstantine Kyros, der schon zwei ähnliche Klagen gegen WWE angestrengt hat - und der sich letztlich als schlechte Wahl für seine Mandaten erwies. Richterin Vanessa Bryant war Kyros vor, sein "wiederholtes Scheitern daran, sich an klare, unzweideutige Regeln zu halten", hätte "viel Zeit und viele Ressourcen des Gerichts und der beklagten Partei verschwendet".

Rechtsverletzung - oder Berufsrisiko?

Das Problem, an dem die vergangenen Klagen gescheitert sind: Zwar ist unstrittig, dass die gesundheitlichen Probleme der Betroffenen Folge ihres Wrestlerlebens und der Aktionen sind, die sie eingesteckt haben - Aktionen, bei denen sie auf dem Kopf landeten, Stuhlschläge, chronische Belastung durch hunderte Matches pro Jahr.

Ob WWE aber tatsächlich haftbar dafür ist, entscheidet sich an der Frage, ob sie tatsächlich Rechtsverletzungen begangen hat, etwa durch Täuschung oder Nötigung ihrer Angestellten oder grobe Fahrlässigkeit.

Kyros war dieser Nachweis zum wiederholten Mal nicht gelungen. Die zuständigen Richter warfen der Klägerpartei im Wesentlichen immer wieder vor, dass ihre gesundheitlichen Probleme Folgen ihres Berufsrisikos seien - und Kyros eine vage, teils fehlerhafte Beweisführung habe.

Ein Beispiel: In der Klageschrift von 2016 fand sich der Hinweis, Axl Rotten habe "während seiner WWE-Karriere zahlreiche und wiederholte Kopfverletzungen erlitten". Rottens WWE-Karriere bestand aus zwei Matches.

WWE hat in den vergangenen Jahren versucht, dieses Berufsrisiko einzudämmen: Stuhlschläge und einige andere gegen den Kopf gerichtete Aktionen sind inzwischen verboten, seit 2008 gibt es Gehirnerschütterungstests.

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